Wortloses Geschehen in der Seele des Menschen

Titel der Ausgabe von 1909

Noch während Buber an den ersten chassidischen Schriften gearbeitet hat, an der „Legende des Baal Schem“, wendet er sich an den Verleger Eugen Diedrichs in Jena … mit dem Vorschlag, in der Serie, die Diedrichs betreute, einen Band „Ekstatische Konfessionen“ herauszugeben, mystische Texte, die nicht nur das chassidische Erbe, sondern die christliche Mystik, die islamische Mystik, die indische Mystik umfasst. Diederichs geht auf diesen Vorschlag ein und so erscheint noch vor dem ersten Weltkrieg dieser Band „Ekstatische Konfessionen“. Hier müssen wir gewissermaßen zwischen den Zeilen lesen. Buber tritt nur als Herausgeber auf. Hier haben wir Texte von christlichen Mystikern und Mystikerinnen, wie Hildegard von Bingen vor uns, hier finden wir Texte der Sufis, hier bieten sich aus der skandinavischen Mystik Schwedens und Dänemerks Beispiele und schließlich aus der fernöstlichen, ebenso aus Japan und China.

Buber, in seiner distanzierten Weise, will nur den Eindruck erwecken, der Sammler und Herausgeber ekstatischer Konfessionen zu sein. Er versteht unter ekstatischen Konfessionen die unmittelbaren Bekenntnisse der Mystiker, die immer unter dem Zeichen des Absurden im Sinne Kierkegaards stehen.
Das mystische Erlebnis entzieht sich eigentlich dem Wort. Es geht ein wortloses Geschehen in der Seele des Menschen auf.

Wenn es aber nun dennoch ins Wort gefasst wird, so steht das immer unter dem Schlussakkord des „chorus mystikus“ im „Faust“: „Das Unzulängliche, hier wirds Ereignis“. Jede ekstatische Konfession ist in diesem Sinne unzulänglich und doch ergänzen sie einander. Wer aber tiefer hinsieht, der merkt, dass der junge Herausgeber selbst tief engagiert war.
Denn wer sammelt solche Texte, wer erschließt sie, wer ediert sie? Doch sicher nur einer, der eine innere Affinität dazu hat; wenn Buber auch in einer gewissen Keuschheit sich noch nicht zu seiner eigenen mystischen Haltung bekannt hat, die er später, nachdem diese Stufe überwunden war, zum Ausdruck bringt.

Schalom Ben Chorin (1913 – 1999) in seinem Vortrag „Die Mystik Martin Bubers“, gehalten bei der Jahrestagung 1980 des Meditationszentrum Exercitium Humanum in Tholey / Saar (Willi Massa), das unter dem Thema „Wege zum einen WEG. Der mystische Weg der Juden, Christen und Muslime im Zeichen des einen Gottes“ stattfand. (Dank an Hans-Jürgen Wertens, der mir den Tagungsband dankenswerter Weise zukommen ließ).

Übrigens:
Die erste Ausgabe erschien 1909 bei Diedrichs, eine zweite, veränderte Neuausgabe, wurde dann 1921 im Leipziger Insel-Verlag veröffentlicht. Viele Jahre später, 2007, hat Peter Sloterdijk das Buch unter dem Titel „Mystische Weltliteratur“ neu herausgegeben und mit dem vorangestellten Text „Der mystische Imperativ. Bemerkungen zum Formwandel des religiösen in der Neuzeit“ versehen.

Willi Massa ist eine hervorragende Übertragung der „Wolke des Nichtwissens“ zu verdanken, die u.a. von William Johnston, Hugo M. Enomiya-Lassalle und Willigis Jäger kommentiert wurde. (wak)

Die Bergpredigt Buddhas erfolgt wortlos

Foto: © wak

Die „Bergpredigt Buddhas,“ die Blumenpredigt, verläuft wortlos: Schweigend hält Buddha eine weiße Blume hoch. Nur einer seiner Jünger versteht den Meister: Mahakasyapa lächelt schweigend. In diesem Augenblick, heißt es, wird er zum Nachfolger Buddhas. Die Tradition, die eben im Schweigen besteht, wird ihm übertragen.

David Steindl-Rast (*1926) in: Meine wichtigste Erfahrung in der Begegnung mit anderen Religionen.

Der vollständige Text findet sich hier: https://www.bibliothek-david-steindl-rast.ch/bibliothek/texte/texte-von-bruder-david/1831-meine-wichtigste-erfahrung-in-der-begegnung-mit-anderen-religionen

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Im Himmel wird es keine Abteilungen für Juden, Christen, Muslims, Buddhisten, Hindus, Atheisten geben, denn da nach der ’natürlichen Gotteserkenntnis‘ nur ein Gott existieren kann (der diesen Namen ‚verdient‘) ist Dein Gott und mein Gott ein und derselbe. Warum der eine Gott es zulässt, dass sich in den verschiedenen (monotheistischen) Religionen verschiedene Gottesvorstellungen ‚entwickelten‘? Sicher nicht, damit die Verehrer des einen Gottes sich bekämpfen, sondern gegenseitig bereichern. Gott hat Dich in eine islamische, mich in eine christliche Familie gestellt, und mein Schulfreund wurde von atheistischen Eltern erzogen. Dieser unser Gott wurde uns gleichsam in die Wiege gelegt.

Tun wir also hier und heute, was unsere ewige Bestimmung ist. Welchen Sinn haben die Bilder vom Himmel, wenn sie unser Zusammenleben auf der Erde nicht prägen? Damit der Traum (Jedes Land gleicht einem Park, in dem eine Vielzahl von Bäumen, Büschen und Blumen gedeihen, von ‚Regierungs-Gärtnern‘ liebevoll betreut. Die schwächsten, die seltensten Exemplare werden besonders gehegt.) von einer Völkerfamilie der Zukunft Wirklichkeit wird, braucht es einen Wechsel unserer Mentalität, braucht es mehr und mehr Menschen, die ihren gemeinsamen Ursprung und ihr gemeinsames Ziel wahr-nehmen, die zur Bekehrung des Herzens und zum Leben für andere bereit sind. Die Menschheitsgeschichte zeigt deutlich: Wir können uns nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. (Vgl. die Lehre von der Erbsünde im Christentum und die Lehre von der Lebensgier im Buddhismus). Doch gibt es eine Kraft, die uns ‚herausziehen‘ kann, wenn wir uns ihrem Werben ergeben.

Beten wird hier weiter gefasst: als Sehnsucht des Herzens, vergleichbar dem wortlosen Jubel, von dem der hl. Augustinus spricht. Es muss sich nicht ausdrücklich an den einen Gott richten. Auch Ungläubige oder Atheisten ersehnen Gerechtigkeit und Frieden und vielleicht sind sie es, denen im Gericht gesagt wird: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid …

Du musst kein Experte in Atemtechnik oder Jesusgebet sein, um an Con-Spiration teilnehmen zu können. Doch Du wirst davon profitieren, wenn Du im Rhythmus des Atmens betest. Du übst und tust damit etwas, das seit Jahrtausenden von buddhistischen und christlichen Mönchen geübt und getan wird und sie zur Erleuchtung, zur Herzensruhe führen soll.

Aus der Vorstellung von Con-Spiration. Mehr hier http://www.con-spiration.de/deutsch.html