Das Buch des Wesens aller Wesen

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Also habe ich nun geschrieben, nicht von Menschen-Lehre oder Wissenschaft aus Bücher-Lernen, sondern aus meinem eigenen Buche, das in mir eröffnet ward. Denn das Buch der edlen Bildnis – das Ebenbild Gottes – ward mir vergönnet zu lesen. Mein Buch hat nur drei Blätter. Das sind die drei Principia der Ewigkeit. Darinnen kann ich alles finden. Ich kann der Welt Grund und alle Heimlichkeit darinnen finden. Ich bedarf kein ander Buch dazu. Dann das Buch, da alle Heimlichkeit innen lieget, ist der Mensch selber: Er ist selber das Buch des Wesens aller Wesen, dieweilen er die Gleichnis der Gottheit ist; das grosse Arcanum lieget in ihme, allein das Offenbaren gehöret dem Geiste Gottes. Gott hat meine Seele in eine wunderliche Schule geführet, und ich kann mir in Wahrheit nichts zumessen, dass meine Ichheit etwas wäre oder verstünde. Denn das Werk meiner Arbeit ist nicht mein, ich habe es nur nach dem Maß, als mir es vom Herrn vergönnet wird. Ich bin nur sein Werkzeug, mit dem Er tut, was Er will.“

Jacob Böhme (1575 – 1624) in:, „Theosophische Sendbriefe“, Kap. 12 u. 20

Texte aus der Langen Nacht über Jacob Böhme von Ronald Steckel sind hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: Die erste Ausstellung des Jakob-Böhme-Bundes

Heft 5, Mai 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Die Wüste hat weder Zeit noch Ort

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Des Punktes Berg
besteig ohne Wirken,
Verständigkeit!
Der Weg trägt dich
in eine Wüste wunderlich,
die breit, die weit,
die ohne Maß da liegt.
Die Wüste hat
weder Zeit noch Ort,
ihre Weise, die ist einzigartg.

Aus dem „Senfkorn“-Lied (granum sinapsis), das Meister Eckhart zugeschrieben wird (1260 – 1328)

Die Kraft Gottes sehen, riechen und schmecken

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Du wirst kein Buch finden, da du die göttliche Weisheit könntest mehr inne
finden zu forschen, als wenn du auf eine grüne und blühende Wiesen gehest; da wirst du die wunderliche Kraft Gottes sehen, riechen und schmecken, wiewohl es nur ein Gleichnis ist.

Jacob Böhme ( 1575 – 1624) in:  Drei Principien Göttliches Wesens, VIII, 12