Wegloser Weg

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Jôshû fragte Nansen einmal: „Was ist der Weg?“

Nansen antwortete ihm: „Der alltägliche Geist ist der Weg.“

Jôshû fragte darauf:  „Soll ich mich selbst darauf ausrichten oder nicht?“

Nansen sagte ihm: „Wenn du versuchst, dich ihm zuzuwenden, wendest du dich von ihm ab.“

Jôshû fragte nach: „Wenn ich nicht versuche, mich ihm zuzuwenden, wie kann ich wissen, dass es der Weg ist?“

Nansen erwiderte: „Der Weg hat nichts zu tun mit Wissen oder Nicht-Wissen. Wissen ist Illusion. Nicht-Wissen ist ohne Bewusstsein. Wenn du den zweifelsfreien, wahren Weg wirklich erlangen willst, dann werde so grenzenlos und weit wie der Weltraum. Wie kann man darüber sprechen auf der Ebene von Richtig oder Falsch?“

Bei diesen Worten war Jôshû plötzlich erleuchtet.

Hoffnung und Zuversicht

Wahre und vollkommene Liebe soll man daran erkennen, ob man große Hoffnung und Zuversicht zu Gott hat; denn es gibt nichts, woran man besser erkennen kann, ob man ganze Liebe hat, als Vertrauen.

Denn wenn einer den anderen innig und vollkommen liebt, so schafft das Vertrauen; denn alles, worauf man bei Gott zu vertrauen wagt, das findet man wahrhaft in ihm und tausendmal mehr. Und wie ein Mensch Gott nie zu sehr lieb haben kann, so könnte ihm auch nie ein Mensch zu viel vertrauen. Alles, was man sonst auch tun mag, ist nicht so förderlich wie großes Vertrauen zu Gott.

Bei allen, die je große Zuversicht zu ihm gewannen, unterließ er es nie, große Dinge mit ihnen zu wirken. An allen diesen Menschen hat er ganz deutlich gemacht, dass dieses Vertrauen aus der Liebe kommt; denn die Liebe hat nicht nur Vertrauen, sondern sie besitzt auch ein wahres Wissen und eine zweifelsfreie Sicherheit.

Meister Eckhart (1260 – 1328)