Weil ich vor Liebe verschmachte

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Ich bin die wahre Liebe, die nie falsch war,
meine Schwester, die Menschenseele, ich liebte sie so.
Weil wir uns durchaus nicht trennen wollten,
verließ ich mein Reich der Herrlichkeit.
Ich bereitete ihr einen kostbaren Palast;
sie entflieht, ich folge, ich suchte sie so.
Ich erlitt diese mitleidswürdige Pein,
weil ich vor Liebe verschmachte.

„Quia amore langueo“ ist ein anonymes Gedicht aus dem 15. Jahrhundert

Bô Yin Râ über Gustav Meyrink

Man wird dem Gesamtwerk des dahingegangenen Dichters nur dann gerecht, wenn man die in seinen Romanen und Erzählungen stofflich mitverwendeten Lehren nur auf die Gestalten bezieht, denen er diese Lehren in den Mund legt. Er selbst aber wollte sich niemals etwa als Lehrer okkulter oder mystischer Anschauungen, sondern als freier Künstler beurteilt sehen, dem jede Stoffbenützung erlaubt ist, durch die er in künstlerischer Gestaltung sein Werk bereichern kann.

Aus „Im Spiegel“ von Bô Yin Râ Erschienen in: Magische Blätter, XIV. Jahrgang, S. 44 – 47, Richard Hummel Verlag, Leipzig, 1933

 Jetzt aktuell nachzulesen in: Magische Blätter. Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung.CI. Jahrgang, Mai 2020, Heft 4, S. 36

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