Schweigen: ein Stern, der die Bahn wandelt

Skulptur Martin Bubers in Heppenheim  Foto: © wak

 

Das Schweigen ist unser schützendes Symbolon gegen die Götter und Engel des Getriebes: unsere Hut wider seine Irrgänge, unsere Reinigung wider seine Unreinheit. Wir schweigen das Erlebnis, und es ist ein Stern, der die Bahn wandelt. Wir reden es, und es ist hingeworfen unter die Tritte des Marktes. Wir sind dem Herrn stille, da macht er Wohnung bei uns; wir sagen Herr, Herr, da haben wir ihn verloren. Aber so gerade ist es mit uns: wir müssen reden. Und unsere Rede wölbt einen Himmel  über uns und die Andern einen Himmel: Dichtung, Liebe, Zukunft. Aber eines ist nicht unter diesem Himmel; das Eine, das not tut.

Martin Buber (1878 – 1965) in seinem Text „Ekstase und Bekenntnis“

 

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Einem Hauch verbunden

O ihr Unwissenden,
die körperliche Form
ist nichts,
und dieses Himmelsgewölbe der neun Sphären
ist nichts:
Sei getrost,
denn in der Wohnung von Kommen und Vergehen
sind wir einem Hauch verbunden,
und auch der
ist nichts.

‚Omar Chayyam (1048 – 1131)

Gefunden habe ich dieses Zitat hier:
https://satyamnitya.wordpress.com/2010/12/27/nichts/

Bei dir Wohnung nehmen

„Gott weilt wahrhaft an diesem Ort, und ich wußte es nicht“, sprach einst Jakob. So suchst auch du Gott, teure Seele, und dabei ist er überall. Alles verkündet ihn dir. Alles schenkt ihn dir. Er ging dir zur Seite, er umgab dich, er durchdrang dich und weilte in dir — ja er bleibt in dir: und du suchtest ihn! Du bemühtest dich um eine Vorstellung von Gott und besaßest ihn dabei wesentlich! Du jagst der Vollkommenheit nach, indes sie in allem liegt, was dir ungesucht begegnet. In Gestalt deiner Leiden, deines Tuns, der Antriebe, die du empfängst, tritt dir Gott selber entgegen. Dieweil bemühst du dich umsonst um erhabene Vorstellungen, mit denen er sich nicht bekleiden will, um bei dir Wohnung zu nehmen.» (Zweites Buch, Kap. 3, § 5 S. 160-161)

P. Jean-Pierre de Caussade S.J. (1675 – 1751)

Zum Sehen geboren…

„Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt“. So heißt es bei Lynkeus dem Türmer in Goethes Faust II. An diese Zeilen im Lied des Türmers musste ich denken, als ich den Erker sah, den der Erlanger Maler Herbert Martius vor einigen Jahren in seiner Wohnung ausgemalt hat.

Der „Turm des Ikarus“ bedarf keiner Erläuterung. Ihn sehen zu können ist jetzt aktuell in einem 360 Grad Panorama möglich:

http://www.martius-werkschau.de/pano/

Auf der Seite www.martius-werkschau.de wird außerdem auf Leben und Werk von Herbert Martius (1924 – 2009) wie auf das dichterische Schaffen seiner Frau Irmgard-Martius-Busch hingewiesen.