Der Wille der Weisheit

 

Wenn ich betrachte, was Gott ist, so sage ich: Er ist das Eine gegenüber der Kreatur, wie ein ewig Nichts; er hat weder Grund, Anfang noch Stätte und besitzet nichts, als nur sich selber: er ist der Wille des Ungrundes, er ist in sich selber nur Eines: er bedarf keines Raums noch Orts: er gebäret von Ewigkeit zu Ewigkeit sich selber in sich. Er ist keinem Dinge gleich oder ähnlich, und hat keinen sonderlichen Ort, da er wohne: die ewige Weisheit oder Verstand ist seine Wohne: er ist der Wille der Weisheit, die Weisheit ist seine Offenbarung.

Jakob Böhme (1575 – 1624) in: Mysterium Magnum

Wo wohnt Gott?

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„Wo wohnt Gott?“ Mit dieser Frage überraschte der Rabbi einige gelehrte Männer, die bei ihm zu Gast waren. Sie lachten über ihn: „Was redet ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!“ Er aber beantwortete die eigene Frage: „Gott wohnt, wo man ihn einlässt.“

Martin Buber (1878 – 1965) in: Das verborgene Licht, S.19