Durch Gott beschenkt

Wenn ich sage, dass man Gott auch in eurer Zeit wie in meiner eigenen unmittelbar begegnen könne, so ist wirklich Gott gemeint, der Gott der Unbegreiflichkeit, das unsagbare Geheimnis, die Finsternis, die nur dem das ewige Licht wird, der sich von ihr bedingungslos verschlucken lässt, der Gott, der keinen Namen mehr hat. Aber eben dieser Gott, er und kein anderer, wurde von mir erfahren als der Gott, der zu uns absteigt, der uns nahekommt, in dessen  unbegreiflichem Feuer wir gerade nicht verbrennen, sondern eigentlich erst werden und ewig gültig sind. Der unsagbare Gott sagt sich selber uns zu; und in dieser Zusage seiner Unsäglichkeit werden wir, leben wir, sind wir geliebt und ewig gültig; wir werden durch ihn, wenn wir uns von ihm nehmen lassen, nicht vernichtet, sondern uns erst eigentlich gegeben. Die nichtige Kreatur wird unendlich wichtig, unsagbar groß und schön, weil beschenkt durch Gott selbst mit ihm selbst.

Karl Rahner (1904 – 1984) in: Das Alte neu sagen. Eine fiktive „Rede des Ignatius von Loyola an einen Jesuiten von heute“. Vortrag bei der Karl Rahner-Akademie, Köln, o.J.

 

Mystische Weltsicht

Auch wenn wir in Verbindung zu unserem Alltagsleben stehen, können wir eine kosmische Perspektive wahren, die direkten spirituellen Erfahrungen entstammt und nicht nur dem, was wir über Gott hören oder lesen. Eine mystische Weltsicht ist vereinend, umfassend und expansiv. Sie schließt ein Bewusstsein für die Verbundenheit der gesamten Schöpfung ein. Wenn wir jemandem anderen etwas antun, dann tun wir es auch uns selbst an. Wenn wir der Erde schaden, schaden wir auch uns selbst. Aus dieser Perspektive gibt es keinen Raum für Exklusivität, Vorurteile oder Aufteilungen. Diese spirituelle Sichtweise erkennt an, dass wir mehr sind als unsere stoffliche Identität. Das tiefere SELBST und das kleine Selbst bestehen nebeneinander, und wir wissen, dass beide entscheidende und wichtige Aspekte unserer Natur sind.

Christina Grof (1941 – 2014)

Meditation nährt Erde und Mensch

Es ist sonderbar, wie ungemein wichtig Meditation wird; sie hat weder Anfang noch Ende. Sie ist wie ein Regentopfen: In diesem Tropfen sind alle Ströme, Flüsse, Seen und Meere. Dieser Tropfen nährt Erde und Mensch. Ohne ihn wäre die Erde eine Wüste. Ohne Meditation wird das Herz zu einer Wüste, zu einer Ödnis.

Jiddu Krishnamurti (1895 – 1986)

Göttliche Einheit

Ich glaube an nichts in der Welt so tief, keine andere Vorstellung ist mir so heilig wie die Einheit, die Vorstellung, dass das Ganze der Welt eine göttliche Einheit ist und dass alles Leiden, alles Böse nur darin besteht, dass wir einzelne uns nicht mehr als unlösbare Teile des Ganzen empfinden, dass das Ich sich zu wichtig nimmt.
Die Einheit, die ich hinter der Vielheit verehre, ist keine langweilige, keine graue, gedankliche, theoretische Einheit. Sie ist ja das Leben selbst, voll Spiel, voll Schmerz, voll Gelächter. Sie ist dargestellt worden im Tanz des Gottes Shiva, der die Welt in Scherben tanzt, und in vielen anderen Bildern, sie weigert sich keiner Darstellung, keinem Gleichnis. Du kannst jederzeit in sie eintreten, sie gehört dir in jedem Augenblick, wo du keine Zeit, keinen Raum, kein Wissen, kein Nichtwissen kennst, wo du aus der Konvention heraustrittst, wo du in Liebe und Hingabe allen Göttern, allen Menschen, allen Welten, allen Zeitaltern angehörst.

Hermann Hesse (1877-1962)

Nach der Meditation

Nach der Meditation ist es wichtig, unserer gewohnten Neigung, die Dinge als solide wahrzunehmen, nicht nachzugeben.

Wenn sie in den Alltag zurückkehren, lassen sie die Weisheit und Einsicht, das Mitgefühl und den Humor, die Geschmeidigkeit, Weite und Gelassenheit, die die Meditation in ihnen wachgerufen hat, ihre Alltagserfahrung durchdringen.

Meditation weckt in ihnen die Erkenntnis, dass die Natur von allem illusorisch und traumgleich ist; halten sie dieses Gewahrsein selbst im dicksten Samsara aufrecht.

Ein großer Meister sagte: “Nach der Meditationspraxis sei ein Kind der Illusion”.

Sogyal Rinpoche (*1948)

Prinzip der Ichlosigkeit

Es ist wichtig, sich bewusst zu werden, dass das Prinzip der Ichlosigkeit nicht bedeutet, es würde ein Ego geben, welches die Buddhisten dann beseitigen. Es bedeutet vielmehr, dass von Anfang an niemals ein Ego existiert hat. Diese Erkenntnis wird „Ichlosigkeit“ genannt.

Sogyal Rinpoche (*1948)

Was ist wirklich wichtig?

Obwohl wir natürlich unseren Geschäften und Verpflichtungen nachgehen müssen, so müssen wir dabei im Auge behalten, wie unwichtig das alles ist.
Und erst wenn wir uns mit unserem eigenen Tod einmal wirklich beschäftigt haben und ihn als eine momentane Möglichkeit erkannt haben, wird uns klar, was wirklich wichtig ist.

Ayya Khema (1923 – 1997)

Unlösbare Teile des Ganzen

Ich glaube an nichts in der Welt so tief, keine andere Vorstellung ist mir so heilig wie die Einheit, die Vorstellung, dass das Ganze der Welt eine göttliche Einheit ist und dass alles Leiden, alles Böse nur darin besteht, dass wir einzelne uns nicht mehr als unlösbare Teile des Ganzen empfinden, dass das Ich sich zu wichtig nimmt.
Die Einheit, die ich hinter der Vielheit verehre, ist keine langweilige, keine graue, gedankliche, theoretische Einheit. Sie ist ja das Leben selbst, voll Spiel, voll Schmerz, voll Gelächter. Sie ist dargestellt worden im Tanz des Gottes Shiva, der die Welt in Scherben tanzt, und in vielen anderen Bildern, sie weigert sich keiner Darstellung, keinem Gleichnis. Du kannst jederzeit in sie eintreten, sie gehört dir in jedem Augenblick, wo du keine Zeit, keinen Raum, kein Wissen, kein Nichtwissen kennst, wo du aus der Konvention heraustrittst, wo du in Liebe und Hingabe allen Göttern, allen Menschen, allen Welten, allen Zeitaltern angehörst.

Hermann Hesse (1877-1962)