Ausströmen des Seins

Heute morgen erschaute ich in voller Klarheit, dass die Freude nicht Merkmal, sondern recht eigentlich Ausströmen des Seins ist. Freude – Fülle. Alles, was in der Freude getan wird, hat religiösen Wert; in der Freude – das heißt mit dem Ganzen seiner selbst. Wogegen jedes Mit-sich-selbst-zerfallen-Sein der Seele Gott entfremdet.

Gabriel Marcel (1889 – 1973); Tagebucheintrag vom 19.II.1920

 

Mehr über Gabriel Marcel hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriel_Marcel

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Unzerstörbar

Du magst es beschreiben,
aber es ist vergeblich.
Male es,
es hat keinen Wert.
Wenn die Welt auch zusammenstürzt,
„Es“ ist unzerstörbar.

Aus dem Zen

Antlitz des Herzensfreundes

Lange Zeit war ich auf der Suche nach jemandem, in dem ich das Bild meiner Seele erblicken konnte, doch niemand diente mir als Spiegel.

Der kristallene Spiegel ist bloß für die äußere Gestalt von Wert, das Bild der Seele zeigt sich allein im Antlitz des Herzensfreundes.

Rumi  (1207 – 1273)

Liebe weitet das Herz

Liebe strahlt in jeder ihrer Ausdrucksformen mit gleichem Wert.
Liebe zu unserem Partner, unseren Kindern, die Liebe zu Freunden und weit Entfernten, die Liebe zu den kleinen Dingen des Alltags und die Liebe zur Natur, die Liebe zu Gott und die Liebe der Erde zu uns – all das und noch viel mehr sind die Strahlen der großen Liebe.
Liebe ermöglicht unserem Herz sich zu weiten und alles was uns begegnet, sei es freudig oder schmerzlich mit unserem Herzen zu umschließen.

Pyar Rauch (*1960)

Alle Dinge sind im Herzen

Selbst wenn du so viele Bücher verschlingst,
wie es Sandkörner im Ganges gibt,
das ist doch alles nicht so viel wert
wie das wirkliche Erfassen eines einzigen Zen-Verses.
Wenn du das Geheimnis des Buddhismus wissen möchtest,
hier ist es: “Alle Dinge sind im Herzen!”

Ryokan in: “Alle Dinge sind im Herzen”

Die Buddhanatur begreifen

Die sogenannten primitiven Völker haben sich die tiefen Schichten des Gehirns aktiv erhalten. Indem wir unsere Art von Zivilisation entwickelt haben, haben wir zwar den Intellekt geschult, verfeinert und verkompliziert, aber die mit dem Inneren Kern des Gehirns verbundene Kraft, Intuition und Weisheit vergessen. Gerade aus diesem Grund ist Zen ein unschätzbarer Wert für den Menschen von heute, zumindest für denjenigen, der Augen hat zu sehen und Ohren zu hören. Durch die regelmässige Übung von Zazen wird ihm die Chance gegeben ein neuer Mensch zu werden und zum Ursprung des Lebens zurückzukehren. Er kann den normalen Zustand des Körpers und Geistes (die eins sind) erlangen, indem er das Sein an der Wurzel packt.
Beim Sitzen in Zazen lässt man die Bilder, die Gedanken, die geistigen Gebilde, die aus dem Unterbewussten auftauchen, vorbeiziehen wie Wolken am Himmel – ohne sich ihnen zu widersetzten, ohne sich an sie zu klammern. Wie Schatten vor einem Spiegel zieht alles vorbei, was aus dem Unterbewusstsein ausströmt, kehrt wieder und zerrinnt. Man gelangt zum tiefen Unbewusstsein, ohne Gedanken, jenseits allen Denkens, zur wahren Reinheit.
Zen ist sehr einfach und gleichzeitig sehr schwer zu verstehen. Es ist eine Sache der Anstrengung und Wiederholung – wie das Leben. Wenn beim Sitzen ohne Umschweife, ohne Zweck- und Profitstreben die Haltung, die Atmung und die Geisteshaltung in Harmonie miteinander sind, dann versteht man das wahre Zen, dann begreift man die Buddhanatur.

Taisen Deshimaru (1912 – 1982)