Bedeutung für Gegenwart und Zukunft des Christentums

Cover des Buches

Worin liegt Carl Sonnenscheins bleibende Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft des Christentums im urbanen Raum? Seine pastorale Kreativität, seine Offenheit für die Kunst, seine Impulse für die Politik und seine offensive „Veröffentlichung“ des Christentums erweisen ihn als Beispiel eines aufmerksamen Zeitgenossen und couragierten Kirchenmanns. Das vorliegende Buch erschließt diese prägende Gestalt des 20. Jahrhunderts und ihre Inspirationskraft auch für postmoderne Zeiten.

Prof. Dr. Michael Sievernich S.J. im Nachwort von Werner Krebber (Hg.): Den Menschen Recht verschaffen. Carl Sonnenschein – Person und Werk. Würzburg 1996

Kurze Notizen zum Kölner KirchenBild – Drei Kleriker und das „Opus Dei“

„Opus Dei“ im Blickpunkt…

 

„Dort ist wirklich Fäulnis, und zurzeit scheint es, dass der mystische Leib Christi ein verwesender Leichnam wäre, der übel riecht“. Worte eines Priesters aus dem 20. Jahrhundert. Worte von Josemaria Escriva de Balaguer (1902 – 1975) in „Cronica“, einem lange geheim gehalten internen Informationsblatt des „Opus Dei“, dessen Gründer Escriva de Balaguer war. Blickt jemand in diesen Tagen nach Köln, so könnte er meinen, dass diese Worte auf die Situation des dortigen Erzbistums und einige seiner Führungskräfte gemünzt seien.

Das ist nicht erstaunlich aber erschreckend. Und es lohnt ein genauerer Blick: denn mindestens drei der Akteure kommen – mehr oder weniger offen – aus dem direkten Umfeld des „Opus Dei“.

Zu Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki schreibt die Frankfurte Allgemeine Zeitung: „Der Theologe promovierte an der Römischen Universität vom Heiligen Kreuz über die Seelsorge. Die Universität gehört zur konservativen Laienorganisation Opus Dei.“ (02.07.2011) Andererseits betont Woelki „Ich bin immer Diözesanpriester gewesen und gehöre weder dem Opus Dei noch einer anderen kirchlichen Gemeinschaft an.“ (Der Tagesspiegel vom 4. Juli 2011).

(Zu kritischen Fragen um seine Promotion gibt es bei Christian Modehn interessante Hinweise: https://religionsphilosophischer-salon.de/1862_mit-erzbischof-woelki-ins-getto_religionskritik) . Lassen wir das hier erst mal so stehen.

Dominikus Schwaderlapp, Weihbischof (* 1967): Er ist Domkapitular und Weihbischof im Erzbistum Köln. Gestern von seinen Aufgaben entbunden. „Schwaderlapps und Woelkis Werdegänge ähneln einander in einem wichtigen Punkt: Beide waren Meisners Privatsekretäre und gehörten damit früh zu den engsten Mitarbeitern des Kardinals. Beide haben auch Verbindungen zum umstrittenen ‚Opus Dei‘. Woelki promovierte an dessen Universität in Rom, Schwaderlapp hat stets betont, dem Opus Dei sehr nahe zu stehen. Im Gegensatz zu Eltern und Geschwistern sei er allerdings kein Mitglied. So Joachim Frank im Kölner Stadtanzeiger (https://www.ksta.de/dominik-schwaderlapp-neues-amt-fuer-meisners-alter-ego-10547462?cb=1616158954130). Lassen wir auch das hier erst mal so stehen.

Markus Hofmann, Generalvikar: Über ihn schreibt Lothar Schröder in der „Rheinischen Post“ am 23. März 2018: „…noch beachtlicher aber ist die Neubesetzung mit Markus Hofmann (50), einem Priester, der der erzkonservativen Bewegung von Opus Dei nahesteht. Denn der gebürtiger Kölner Priester ist auch Mitglied der sogenannten Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz – eine Vereinigung von Klerikern, die nach eigener Aussage ‚mit der Prälatur Opus Dei innerlich verbunden ist‘“. In seinem offiziellen Lebenslauf auf der Homepage des Erzbistum ist der Hinweis darauf nicht zu finden: https://www.erzbistum-koeln.de/erzbistum/generalvikar/

 

Dass der jetzt ebenfalls abberufene Weihbischof Ansgar Puff zum Neokatechumenalen Weg gehört, das sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Siehe dazu (Raoul Löbbert / Christiane Florin in der „Zeit“ vom 4. Mai 2014 https://www.zeit.de/gesellschaft/2014-05/interview-ansgar-puff-neokatechumenaler-weg?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

 

Können wir das hier erst mal so stehen lassen? Ich fürchte nein. Denn die drei konkreten Personalien aus dem direkten und indirekten Umfeld des Opus Dei lassen ein Kirchenbild erkennen, dass seine Quelle unter anderem in der „Integralismus-Debatte“ hat. „Im Innenraum der Kirche müsste aber doch für die Gläubigen überall lichte Durchsichtigkeit herrschen,“ hatte Hans Urs von Balthasar (des Progressismus nicht verdächtig) in seinem Artikel „Integralismus“ in Wort und Wahrheit 18 (1963), S. 737-744 vor vielen Jahren betont und eingefordert, in dem er auch schrieb:“ Die stärkste integralistische Machtballung in der Kirche… ist heute ohne Zweifel das Opus Dei…“

Und ein anderer Begriff ist hier zu nennen:  „Elite“. „Das Wort ‚Elite‘ kommt im Schrifttum des Opus Dei seltener vor als beispielsweise in den Dokumenten der deutschen Industriegewerkschaften. Aber es ist klar, dass der Anspruch darauf, Elite zu bilden, durch die strenge Auslese, die Selbstverleugnung, die sorgfältige Ausbildung, die Rücksicht auf die Individualität und den planvollen Einsatz der Kräfte von Opus Dei sehr weitgehend erfüllt wird.“ Auch der Autor dieser Zeilen wird nicht als progressiver Heißsporn durchgehen – es war Otto B. Roegele in seinem Beitrag „Das Opus Dei – Legende und Wirklichkeit einer umstrittenen Gemeinschaft“, der in der Zeitschrift Hochland erschienen ist 54(1961/1962), S. 439

Was für eine Konstellation. Ein superreiches Erzbistum, drei führende dortige Kleriker im Umfeld des Opus Dei. Gedanken kommen da schon auf. „Der Priester, wer er auch sei, ist immer ein zweiter Christus.“ So Escriva de Balaguer im „Camino“ – „Der Weg“, Nummer 66. Das sagt viel aus über ein Priesterbild, das ein sehr eigenes Kirchenbild schafft. Sicher keines für eine katholische Kirche im 21. Jahrhundert. Eher für eine römische, mehr noch für eine kölner – sehr eigener Art.

Werner A. Krebber

Literatur von mir zum „Opus Dei“:

Werner Krebber: Notizen zur säkularen Spiritualität des Opus Dei. In: Anton Zottl (Hg.) Welt-Frömmigkeit. Grundlagen – Traditionen – Zeugnisse. Eichstätt/Wien 1985, S. 167 – 181

Werner Krebber: Opus Dei – ein Mythos wird gehegt. In: Frankfurter Hefte 37 (1982), Heft 6, Seite 10 ff.

Buch über Carl Sonnenschein vor 25 Jahren erschienen…

Werner Krebber (Hg.) Den Menschen Recht verschaffen. Carl Sonnenschein. Person und Werk. Echter-Verlag, Würzburg, 1996

„Dieses Buch ist eine Hilfe, das Denken, das Tun und die Wirkung von Carl Sonnenschein besser zu verstehen. Er ist für uns heute ein Beispiel dafür, wie man durch Kompetenz Anerkennung findet, durch Engagement überzeugt, durch Konsequenz schließlich gewinnt und durch Mut und Zivilcourage Dinge in Gang bringt, von denen viele Generationen profitieren. An uns liegt es, das soziale Vermächtnis von Carl Sonnenschein zu bewahren und in unserem Sozialstaat weiterzuführen.“

Norbert Blüm (1935 – 2020) in seinem Vorwort zu diesem Buch. Blüm war damals Bundesarbeitsminister

Norbert Blüm + über Carl Sonnenschein

Werner Krebber (Hg.) Den Menschen Recht verschaffen. Carl Sonnenschein. Person und Werk.  Echter-Verlag, Würzburg, 1996

„Dieses Buch ist eine Hilfe, das Denken, das Tun und die Wirkung von Carl Sonnenschein besser zu verstehen. Er ist für uns heute ein Beispiel dafür, wie man durch Kompetenz Anerkennung findet, durch Engagement überzeugt, durch Konsequenz schließlich gewinnt und durch Mut und Zivilcourage Dinge in Gang bringt, von denen viele Generationen profitieren. An uns liegt es, das soziale Vermächtnis von Carl Sonnenschein zu bewahren und in unserem Sozialstaat weiterzuführen.“

Norbert Blüm (1935 – 2020) in seinem Vorwort zu diesem Buch. Blüm war damals Bundesarbeitsminister

Carl Sonnenschein im Berliner Babylon

„Babylon Berlin“, die aktuelle kleine Serie, zeigt unter anderem krass die sozialen, politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Verwerfungen am Ende der 20er Jahre um 1929.

Bei manchen der Bilder musste ich an Carl Sonnenschein denken, den Berliner Großstadtseelsorger,  der von 1876 – 1929 lebte. Er beeindruckte Kurt Tucholsky ebenso wie Elke Lasker-Schüler, Theodor Eschenburg oder Heinrich Brüning.

Bronzeplakette von Dankwarth Albersmann    Foto: © wak

„Seine pastorale Kreativität, seine soziale Sensibilität, seine Offenheit für die Kunst, seine Impulse für die Politik und seine offensive ‚Veröffentlichung‘ des Christentums erweisen ihn als Beispiel eines aufmerksamen Zeitgenossen und couragierten Kirchemannes…“ schrieb Prof. Dr. Michael Sievernich S.J. im Nachwort des von mir herausgegebenen Bandes „Den Menschen Recht verschaffen – Carl Sonnenschein – Person und Werk“, Würzburg 1996. Das Vorwort hatte der damalige Minister Norbert Blüm geschrieben.

Cover des von mir 1996 herausgegebenen Buches

„Wie konkret, wie ernst gemeint, wie notwendig und drängend dieses breit gestreute, zeit- und kraftraubende Engagement Sonnenscheins war, was er für jeden mitbrachte, der Not litt und Sorgen hatte, was er an Weltsicht und Klarheit einbrachte, zeigt sich wohl niergendwo deutlicher als in den Texten, die als „Notizen“ erschienen…“ habe ich in meinen biographischen Skizzen über ihn dort geschrieben. (w.a.k.)

Carl Sonnenscheins Berliner Babylon

„Babylon Berlin“, die aktuelle kleine Serie, zeigt unter anderem krass die sozialen, politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Verwerfungen am Ende der 20er Jahre um 1929.

Bei manchen der Bilder musste ich an Carl Sonnenschein denken, der von 1876 – 1929 lebte. Als Großstadtseelsorger in Berlin beeindruckte er Kurt Tucholsky ebenso wie Elke Lasker-Schüler, Theodor Eschenburg oder Heinrich Brüning.

„Seine pastorale Kreativität, seine soziale Sensibilität, seine Offenheit für die Kunst, seine Impulse für die Politik und seine offensive ‚Veröffentlichung‘ des Christentums erweisen ihn als Beispiel eines aufmerksamen Zeitgenossen und couragierten Kirchemannes…“ schrieb Prof. Dr. Michael Sievernich S.J. im Nachwort des von mir herausgegebenen Bandes „Den Menschen Recht verschaffen – Carl Sonnenschein – Person und Werk“, Würzburg 1996

Cover des von mir herausgegebenen Buches

„Wie konkret, wie ernst gemeint, wie notwendig und drängend dieses breit gestreute, zeit- und kraftraubende Engagement Sonnenscheins war, was er für jeden mitbrachte, der Not litt und Sorgen hatte, was er an Weltsicht und Klarheit einbrachte, zeigt sich wohl niergendwo deutlicher als in den Texten, die als „Notizen“ erschienen…“ habe ich in meinen biographischen Skizzen über ihn dort geschrieben. (w.a.k.)

Beginen in Wismar – und anderswo

Erinnerung an Beginen in Wismar Fotos: © wak

Mehr über Geschichte und Gegenwart der Beginen hier:

Gertrud Hofmann, Werner Krebber
Die Beginen. Geschichte und Gegenwart
topos taschenbücher 530

(Nur noch wenige Exemplare beim Verlag lieferbar)

Lütticher Beginenquelle

Die Skulptur links soll Lambert le Bègue zeigen, der um 1175 in Lüttich die erste Beginengemeinschaft begründet hat

Fotos: © wak

„Die Beguinen waren keine Klosterfrauen, sie legten keine Gelübde ab, waren auch nicht zeitlebens, sondern nur zeitweilig an ihr Haus gebunden, das sie wieder verlassen konnten, um zu heiraten und in die Außenwelt zurückzutreten. Sie beschäftigten sich mit Nähen, Spinnen und Weben, daher jede Beguine einen Spinnrocken mitzubringen hatte … ; ferner mit der Unterweisung der Jugend in weiblichen Handarbeiten, im Lesen, Schreiben und in den Grundlehren der Religion, wobei jedoch die Erweckung und Belebung des religiösen Sinnes bei ihren Pflegebefohlenen die Hauptsache war. Ganz besonders aber widmeten sie sich, gleich den barmherzigen Schwestern und Diakonissen der Jetztzeit, der Krankenpflege in ihrem Hause und außerhalb desselben, daher die größeren und besser dotierten Beguinenconvente auch eigene Krankenhäuser besaßen.“ In altertümlicher Sprache benennt der Historiker Julius Heidemann die Schwerpunkte des Wirkens der Beginen. Waren sie doch nicht nur die erste Frauenbewegung, sondern auch eine mutige Reformbewegung und Begründerinen einer spezifisch weiblichen Spiritualität.

Mehr hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2010/11/21/beginen-mystikerinnen-des-tuns/

Oder hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/05/20/beginen-mystik-verfolgung-und-verurteilung/

Und hier:

topos taschenbücher 530