Dorothee Sölle: Magnificat

mariahimmelfahrt

Foto: © wak

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
meine Seele erhebt den Herren
und mein Geist freut sich Gottes meines Heilandes
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen
siehe von nun an werden mich seligpreisen alle
Kindeskinder

Heute sagen wir das so
meine Seele sieht das Land der Freiheit
und mein Geist wird aus der Verängstigung heraus-
kommen
die leeren Gesichter der Frauen werden mit Leben er-
füllt
und wir werden Menschen werden
von Generationen vor uns, den Geopferten, erwartet

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
denn er hat grosse Dinge an mir getan, der da mächtig
ist
und dessen Name heilig ist
und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu
Geschlecht

Heute sagen wir das so
die grosse Veränderung, die an uns und durch uns
geschieht
wird mit allen geschehen – oder sie bleibt aus
Barmherzigkeit wird geübt werden, wenn die Ab-
hängigen
das vertane Leben aufgeben können
und lernen, selber zu leben.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
er übt Macht mit seinem Arm und zerstreut
die Hochmütigen
er stösst die Gewaltigen von ihren Thronen
und die Getretenen richtet er auf

Heute sagen wir das so
wir werden unsere Besitzer enteignen und über die,
die das weibliche Wesen kennen,
werden wir zu lachen kriegen
die Herrschaft der Männchen über die Weibchen wird
ein Ende nehmen
aus Objekten werden Subjekte werden
sie gewinnen ihr eigenes besseres Recht.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
Hungrige hat er mit Gütern gefüllt
und die Reichen leer hinweggeschickt
er denkt der Barmherzigkeit und hat sich Israels
seines Knechts angenommen.

Heute sagen wir das so
Frauen werden zum Mond fahren und in den Parla-
menten entscheiden
ihre Wünsche nach Selbstbestimmung werden in
Erfüllung gehen
und die Sucht nach Herrschaft wird leer bleiben
ihre Aengste werden gegenstandslos werden
und die Ausbeutung ein Ende haben.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

 

Mariä Himmelfahrt ist in Bayern und im Saarland ein gesetzlicher Feiertag…

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30 Jahre „neue“ Beginen

Die „frommen Frauen“ des Mittelalters, als „Beginen“ bekannt, waren sozial engagierte, spirituelle Frauen. Sie entwickelten eine spezifisch weibliche Mystik, vergleichbar in ihren Auswirkungen mit der Spiritualität eines Franz von Assisi und der Mystik eines Meister Eckhart. Mit ihnen formierte sich eine dynamische Frauenbewegung, die sich bereits im 13. Jahrhundert gegen Anfeindungen von Kirche und Zünften bewähren musste. Diese in der Mystik wurzelnde emanzipatorische Tradition war lange vergessen. 1985 wurde die Tradition in Essen von Gertrud Hofmann neu begründet.

Grund, sich zu erinnern:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2010/11/21/beginen-mystikerinnen-des-tuns/

 

Mehr hier:

Gertrud Hofmann / Werner Krebber

Die Beginen – Geschichte und Gegenwart

hkdiebeginen

http://www.toposplus.de/shop/productdetailtopos.asp?productid=22060

 

 

Innere Welten zurückgewinnen

Einzig das Göttliche kann die Welt heilen und transformieren – die Welt ist Schauplatz von Kräften im Widerstreit, und wir können diese machtvollen Konstellationen nicht aus eigener Kraft beseitigen. Aber das Göttliche braucht unsere Mithilfe: wir sind die Wächter des Planeten. Indem wir mit der Kraft und dem Licht des Göttlichen zusammenarbeiten, können wir dazu beitragen, dass dieser Moment der Krise sich wandelt und eine Zeit der globalen Transformation anbricht. Doch was zeichnet diese Arbeit aus? In unserer männlichen Kultur verstehen wir Arbeit als „tun“ und „aktiv sein“. Einen Raum für das Göttliche zu halten, beruht aber auf der weiblichen Eigenschaft zu „sein“. Indem wir ganz einfach unsere innere Verbindung mit dem Göttlichen leben, verbinden wir die Welten.

Für diese Transformation ist es von zentraler Bedeutung, die äusseren und inneren Welten in Einklang zu bringen. Die missliche Lage, in der wir uns derzeit befinden, rührt daher, dass wir uns in der äusseren physischen Welt so stark abschotten, dass wir die Präsenz der inneren Welten fast gänzlich vergessen haben. Und doch kommen göttliche Gnade und Heilung immer von innen. Jene, die sich dem spirituellen Leben verpflichtet haben, haben sich nach innen gewandt und haben begonnen, durch Meditation, Gebet, Traumarbeit und andere Praktiken, die inneren Welten zurückzugewinnen.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in dem Text “Spirituelle Reife und dienen”

 

Mehr hier:

http://www.goldensufi.org/g_a_spirituelle_reife_dec_2010.html

Heilen und transformieren

Einzig das Göttliche kann die Welt heilen und transformieren – die Welt ist Schauplatz von Kräften im Widerstreit, und wir können diese machtvollen Konstellationen nicht aus eigener Kraft beseitigen. Aber das Göttliche braucht unsere Mithilfe: wir sind die Wächter des Planeten. Indem wir mit der Kraft und dem Licht des Göttlichen zusammenarbeiten, können wir dazu beitragen, dass dieser Moment der Krise sich wandelt und eine Zeit der globalen Transformation anbricht. Doch was zeichnet diese Arbeit aus? In unserer männlichen Kultur verstehen wir Arbeit als „tun“ und „aktiv sein“. Einen Raum für das Göttliche zu halten, beruht aber auf der weiblichen Eigenschaft zu „sein“. Indem wir ganz einfach unsere innere Verbindung mit dem Göttlichen leben, verbinden wir die Welten.

Für diese Transformation ist es von zentraler Bedeutung, die äusseren und inneren Welten in Einklang zu bringen. Die missliche Lage, in der wir uns derzeit befinden, rührt daher, dass wir uns in der äusseren physischen Welt so stark abschotten, dass wir die Präsenz der inneren Welten fast gänzlich vergessen haben. Und doch kommen göttliche Gnade und Heilung immer von innen. Jene, die sich dem spirituellen Leben verpflichtet haben, haben sich nach innen gewandt und haben begonnen, durch Meditation, Gebet, Traumarbeit und andere Praktiken, die inneren Welten zurückzugewinnen.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in dem Text „Spirituelle Reife und dienen“

Mehr hier:

http://www.goldensufi.org/g_a_spirituelle_reife_dec_2010.html