Meditation zu „Doing Nothing“

„Tue nichts“ sagte der Meditationslehrer von Yuval Noah Harari, wie der in seinen „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ berichtet. „Tue nichts“, sagte sein Lehrer immer wieder. Ganz fern war das für Harari, fern von „allen möglichen komplizierten mystischen Theorien“, die er kannte.
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Es war Johannes Tauler, der Schüler Meister Eckharts, durch den der Kontakt von Rani Kaluza zu mir entstand. Wie nah ist der Gedanke vom Doing Nothing bei Tauler, der zum Beispiel in seiner Predigt 31 sagt:
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„Soll Gott wahrhaft zu dir sprechen, so müssen alle deine Kräfte schweigen. Nicht um ein Tun geht es, sondern um ein Nichttun“.
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Mich hat das sofort angesprochen. Mir war gleich sympathisch, dass Doing Nothing nicht in ein enges System eingepfercht, keine hierarchisch dominierte Methode, kein dogmatisch verbogenes Konzept ist.
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Ich habe Doing Nothing erfahren als ein: In sich gehen, schweigen, wahr-nehmen was ist, sich öffnen in den offenen Raum hinein – mit allem, was ich mitbringe. Das heißt für mich vor allem: Erwartungslos mit allen Gefühlen und Sinnen präsent werden und sein. Immer wieder neu mir und anderen begegnen. Das führt auch hinaus aus der Gefahr einer individualistischen Einzelmeditation, weil es im Prozess der Transformation die soziale Dimension des Menschen in die Mit-Welt öffnet.
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Doing Nothing – ein Nichttun: Im 21. Jahrhundert. Fern von komplizierten mystischen Theorien. Direkt und unmittelbar, offen und verbindlich zugleich.
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Werner Anahata

Publiziert auf dieser Seite: https://www.facebook.com/DoingNothingRetreats

Wahr-Nehmen

Erkenne alle Dinge
als so beschaffen:
wie eine Luftspiegelung, ein Luftschloss,
einen Traum, eine Erscheinung,
ohne Essenz aber mit Eigenschaften,
die wahrgenommen werden können.

Erkenne alle Dinge
als so beschaffen:
wie den Mond am klaren Himmel,
der in einem reinen See sich spiegelt,
obwohl er nie zum See sich hinbewegt.

Erkenne alle Dinge als so beschaffen:
Wie ein Echo von Musik, Klängen und Stimmen,
im Echo selbst jedoch liegt keine Melodie.

Erkenne alle Dinge als so beschaffen:
Wie eines Magiers Illusion
von Pferden, Ochsen, Karren und anderem –
Nicht ist so
wie es scheint.

Gautama Buddha (ca. 563-483 v.u.Z.)