Die Zeit im Nichtstun verlieren

Foto: (c) wak

Man muss dem Inneren die entspannte Ruhe zugestehen, auch wenn wir überzeugt sind die Zeit im Nichtstun zu verlieren.
Lassen wir das Innere frei von Wahrnehmungen und Gedanken, Meditationen und Erwägungen und geben wir uns ausschließlich hin an ein liebevolles und friedvolles Innewerden Gottes.

Johannes vom Kreuz (1542 – 1591)

Das reflektierte Licht des Geistes

Ramana Maharshi | Bild: Archiv

Wenn im Raum Dunkelheit herrscht, braucht man eine Lampe, die leuchtet, und Augen, um Objekte zu sehen. Scheint aber die Sonne, dann ist keine Lampe notwendig. Um die Sonne sehen zu können, braucht man keine Lampe, es genügt, die Augen auf die selbstleuchtende Sonne zu richten.
So ist es auch mit dem Geist. Um Objekte sehen zu können, ist das reflektierte Licht des Geistes notwendig. Damit wir das Herz sehen können, genügt es, den Geist darauf zu richten. Dann verliert der Geist sich selbst, und das Herz leuchtet auf.

Ramana Maharshi (1879 – 1950)

Geheimnisvolle Tiefe empfinden

Für abendländische Gelehrte scheinen die großen religiösen Schriften Indiens nur historisches und archäologisches Interesse zu haben. Aber für uns haben sie lebendige Bedeutung, und wir können nicht umhin zu glauben, daß sie diese Bedeutung verlieren, wenn man sie in etikettierten Glaskästen ausstellt, als einbalsamierte Musterexemplare menschlichen Denkens und Trachtens, die man für alle Zeiten sorgfältig in den Mumienbinden der Gelehrsamkeit aufbewahrt.

Der tiefe Sinn der lebendigen Worte, die der Ausdruck der Erfahrungen großer Herzen sind, kann nie durch irgendeine noch so scharf- oder feinsinnige logische Erklärung erschöpft werden. Solche Worte erhalten erst ihre Deutung durch eine endlose Reihe von Einzelleben, und je mehr sich ihr Sinn uns enthüllt, je mehr empfinden wir ihre geheimnisvolle Tiefe.

Rabindranath Tagore (1861-1941) in seinem Vorwort zu Sadhana. Der Weg der Vollendung. München 1921

Die Gesellschaft und uns heilen

Foto: © wak

 

Wenn der Mensch seine Verbindung zur Natur, zu Himmel und Erde verliert, dann weiß er seine Umwelt nicht mehr pfleglich zu behandeln und die Welt nicht mehr zu regieren – was letztlich dasselbe ist. Was Menschen ihrer Umwelt zufügen, geht Hand in Hand mit dem, was sie einander zufügen. So betrachtet, ist die Heilung der Gesellschaft nur zugleich mit der Heilung unserer persönlichen, elementaren Beziehung zu unserer Umwelt möglich.

Chögyam Trungpa (1939 – 1987)

Atme in mir du heiliger Geist

 

Darstellung des Augustinus in der römischen Lateranbasilika / wikimedia, gemeinfrei

 

Atme in mir, du heiliger Geist,
dass ich Heiliges denke.

Treibe mich, du heiliger Geist,
dass ich Heiliges tue.

Locke mich, du heiliger Geist,
dass ich Heiliges Liebe.

Stärke mich, du heiliger Geist,
dass ich Heiliges hüte.

Hüte mich, du heiliger Geist,
dass sich das Heilige nimmer verliere.

Augustinus (354 – 430) zugeschrieben

Tao Te King: Vom Nichthandeln

Die Welt erobern und behandeln wollen,
ich habe erlebt, dass das misslingt.
Die Welt ist ein geistiges Ding,
das man nicht behandeln darf.
Wer sie behandelt, verdirbt sie,
wer sie festhalten will, verliert sie.
Die Dinge gehen bald voran, bald folgen sie,
bald hauchen sie warm, bald blasen sie kalt,
bald sind sie stark, bald sind sie dünn,
bald schwimmen sie oben, bald stürzen sie.
Darum meidet der Berufene
das Zusehr, das Zuviel, das Zugroß.

29. Vom Nichthandeln – aus dem Tao Te King von Laotse (480 – 390 v.u.Z.)

Wir dürfen keine Zeit verlieren

 

The world is transitory
and all experiense quickly passes.
Each of us must wake up from his dream.
There is no time to lose.

Zitat auf einer Holztafel bei einem Kloster in der Nähe von Kyoto

Die Welt ist vergänglich, und alle Erfahrungen gehen schnell vorbei. Jeder von uns muss aus seinem Traum erwachen. Wir dürfen keine Zeit verlieren.

Zitat auf einer Holztafel bei einem Kloster in der Nähe von Kyoto

In: Ronald Steckel: The Shape of Films to come. Erschienen in „Magische Blätter – Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung, Ronnenberg, Heft 1, Frühjahr 2020, S. 26. Titelthema ist: TEXTE ZUM GEISTIGEN IM FILM

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatszeitschrift

Weil Du in mir die Mitte bist

Foto: © wak

Ich finde Dich, wo ich, o Höchster, hin mich wende,
am Anfang find ich Dich und finde Dich am Ende.

Dem Anfang geb ich nach, in Dir verliert er sich,
dem Abschluss späh ich nach, aus Dir gebiert er sich.

Du bist der Anfang, der sich aus sich selbst vollendet,
das Ende, das zurück sich in den Anfang wendet.

Und in der Mitte bist Du selber das, was ist:
Und ich bin ich, weil Du in mir die Mitte bist.

Friedrich Rückert (1788- 1866)