Weg, der alle übertrifft

Es gibt einen Weg, der alle anderen übertrifft. Er scheint zunächst nicht so wirksam zu sein, wie die innige Verehrung Gottes mit Name und Form. Aber dennoch ist er der wirksamere. Es handelt sich schlicht und einfach um die Liebe, die du allen Wesen – ob gut oder schlecht – entgegenbringst. Ohne eine solche Liebe ist deine Gottesverehrung wenig wert. Von welchem Nutzen bist du für Gott, wenn du bei Ihm nur die Erfüllung deiner Wünsche suchst, ohne deine Pflicht gegenüber den Bedürftigen dieser Welt zu verrichten? Das kann dir doch nur als pure Selbstsucht angerechnet werden. In Gottes Gegenwart ist kein Platz für solch egoistische Menschen. Da gibt es nur selbstloses Tun. Bedenke deshalb, dass alle Wesen Sein sind und Er allen Wesen innewohnt und verehre Ihn dementsprechend. Nur durch solch hohe Verehrung bindest du GOTT.

ALLES IST EINS (Ellam Ondre)
Vaiyai R. Subramaniam

Werbeanzeigen

Kein Abstand zum Mystiker

Den Mystiker zu verehren ist keine wirkliche Achtung. Es ist eine Strategie des Verstandes, um den Finger nicht zu sehen, der auf den Mond zeigt. Die Menschen sind raffiniert. Sie können jemanden ans Kreuz schlagen, um ihn loszuwerden, sie können ihn aber auch verehren, um ihn loszuwerden. Zwischen Kreuzigung und Verehrung ist kaum ein Unterschied. Der Zweck der Sache ist das Gleiche: “Lass mich bloss in Ruhe; deine dumme Utopie ist schön und gut und ich habe nichts dagegen einzuwenden. Aber du bist ein ganz besonderes Wesen, und ich bin nur ein gewöhnlicher Sterblicher.”
Um das zu untermauern, haben die Leute ihre Mystiker Inkarnationen Gottes, haben sie Messias, Heiland, Prophet genannt. Damit haben sie einen so großen Abstand zwischen sich und die Mystiker gelegt, dass die Vision des Mystikers eine Vision bleibt. Mit dieser Einstellung ist es unmöglich, sie in die Wirklichkeit umzusetzen.

Osho (1931 – 1990)

In: Osho, Tanz der Mystiker, Bielefeld 1999, S. 17

Mantel der Abgeschlossenheit

Um Gott den einzig würdigen und verehrungsvollen Lobgesang anzustimmen, muss man seine Lippen in ungebrochenem Schweigen vor den heiligen Dingen dicht verschließen.

Ein Mystiker ist darum ein Mensch, der sein Leben in den Mantel der Abgeschlossenheit hüllt und die von Erfahrung breit getretenen Verbindungswege mit der äußeren Welt absperrt, nicht um auf das Erspähen und auf das Hinhören und auf die Fähigkeit der Rede zu verzichten, sondern umgekehrt:
um das innere Sehorgan dem Erschauen übersinnlicher Erscheinungen zu öffnen und die Schallwellen aus der Welt, die über der Erfahrung steht, einzufangen.

Ernesto Buonaiuti (1881 – 1946; Katholischer Theologe und Repräsentant des italienischen Modernismus)

Herrlichkeit des Urgrundes

Man kann und muss den Geist in allen drei Sprachen beschreiben, der Ich-, der Wir- und der Es-Sprache. Jeder dieser drei Bereiche entwickelt sich. Damit ist gemeint, dass jeder von ihnen seine spirituelle Natur immer weiter entfaltet und dadurch diese seine spirituelle Natur immer mehr verwirklicht. In den höchsten Regionen dieser Evolution werden das Ich, das Wir und das Es immer mehr für ihre eigene wahre Natur transparent. Sie strahlen die Herrlichkeit des Urgrundes aus, der sie sind. In diesem leuchtenden Gewahrsein wird jedes Ich zu einem Gott, wird jedes Wir zu Gottes aufrichtigster Verehrung, wird jedes Es zu Gottes anmutigstem Tempel.

Ken Wilber (*1947)

Vision und Wirklichkeit

Den Mystiker zu verehren ist keine wirkliche Achtung. Es ist eine Strategie des Verstandes, um den Finger nicht zu sehen, der auf den Mond zeigt. Die Menschen sind raffiniert. Sie können jemanden ans Kreuz schlagen, um ihn loszuwerden, sie können ihn aber auch verehren, um ihn loszuwerden. Zwischen Kreuzigung und Verehrung ist kaum ein Unterschied. Der Zweck der Sache ist das Gleiche: „Lass mich bloss in Ruhe; deine dumme Utopie ist schön und gut und ich habe nichts dagegen einzuwenden. Aber du bist ein ganz besonderes Wesen, und ich bin nur ein gewöhnlicher Sterblicher.“
Um das zu untermauern, haben die Leute ihre Mystiker Inkarnationen Gottes, haben sie Messias, Heiland, Prophet genannt. Damit haben sie einen so großen Abstand zwischen sich und die Mystiker gelegt, dass die Vision des Mystikers eine Vision bleibt. Mit dieser Einstellung ist es unmöglich, sie in die Wirklichkeit umzusetzen.

Osho (1931 – 1990)

In: Osho, Tanz der Mystiker, Bielefeld 1999, S. 17