Freude an der Welt

Deine Freude an der Welt
ist niemals echt,
ehe du nicht allmorgendlich
im Himmel erwachst,
dich im Palast deines Vaters fühlst,
den Himmel, die Erde, die Luft empfindest
als paradiesische Freuden
und ein solches Hochgefühl von allem hast,
als seiest du unter Engeln.

Thomas Trahernes (1636 – 1674) in „Centuries of Meditations“

Das Ganze befreien

Die Dämonen für Dämonen zu halten,
das ist eine Gefahr.
Sie als leer zu erkennen,
das ist der Weg.
Sie zu begreifen als das,
was sie sind,
das ist die Befreiung.
Sie als Vater und Mutter zu erkennen,
das ist ihr Ende.
Wenn wir sie als Schöpfungen des Geistes gelten lassen,
dann verwandeln sie sich in Ausschmückungen.

Wissen wir derart damit umzugehen, dann ist das Ganze befreit.

Milarepa (1040-1123)

Einfaches Sein

Wir können weder von Vater, Sohn und Heiligem Geist noch von irgendeinem Geschöpf sprechen, sondern nur von einem Wesen, das die ureigenste Substanz der göttlichen Personen ist.
Vor unserer Erschaffung waren wir dort alle eins, denn es ist unser Grundlegendstes Sein. Dort existiert die Gottheit als einfaches Sein ohne jegliche Tätigkeit.

Jan van Ruysbroeck (1293 – 1381)

In die stille Wüste

Ich sage in guter Wahrheit: dieses Licht begnügt sich nicht mit dem einfachen stillstehenden göttlichen Wesen, das weder gibt noch nimmt, sondern es will wissen, woher dieses Wesen kommt, es will in den einfachen Grund, in die stille Wüste, wohin nie etwas Unterschiedenes, weder Vater noch Sohn noch heiliger Geist, gedrungen ist.
In dem Innigsten, wo niemand heimisch ist, da begnügt es sich in einem Lichte, und da ist es einiger als in sich selbst; denn dieser Grund ist eine einfache Stille, die in sich selbst unbeweglich ist, und Beweglichkeit werden bewegt und da empfangen ihr ganzes Leben alle Dinge, die vernünftig leben und sich in sich selbst versenkt haben.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Die Geburt geschieht immer

 

krippe

Wir begehen das Fest von der ewigen Geburt, die Gott der Vater geboren hat und ohne Unterlass in der Ewigkeit gebiert, während dieselbe Geburt jetzt in der Zeit und in der Menschennatur sich ereignet. Der heilige Augustin sagt, diese Geburt geschehe immer. So sie aber nicht in mir geschieht, was hilft es mich dann? Denn dass sie in mir geschehe, daran liegt alles.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Versöhnungsgebet von Coventry

Alle haben gesündigt und ermangeln des
Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.
(Röm. 3,23)

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt,
Volk von Volk, Klasse von Klasse:
VATER, VERGIB!

Das Streben der Menschen und Völker,
zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist:
VATER, VERGIB!

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen
ausnutzt und die Erde verwüstet:
VATER, VERGIB!

Unseren Neid auf das Wohlergehen
und Glück der anderen:
VATER, VERGIB!

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der
Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge:
VATER, VERGIB!

Die Entwürdigung von Frauen, Männern
und Kindern durch sexuellen Missbrauch:
VATER, VERGIB!

Den Hochmut, der uns verleitet, auf
uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott:
VATER, VERGIB!

Seid untereinander freundlich, herzlich und
vergebt einer dem anderen, gleichwie Gott
euch vergeben hat in Christus.
(Eph. 4,32)

Wir kommen aus dem Licht

Jesus sprach:
Wenn sie zu euch sagen: „Woher kommt ihr?“, dann sagt zu ihnen: „Wir kommen aus dem Licht, daher, wo das Licht aus sich selbst heraus geboren ist. Es hat sich erzeugt, und es hat sich in ihrem Bild offenbart.“
Wenn sie zu euch sagen: „Wer seid ihr?“, dann sagt: „Wir sind seine Söhne und Töchter, und wir sind die Auserwählten des lebendigen Vaters.“
Wenn sie euch fragen: „Welches ist das Zeichen eures Vaters in euch?“, sagt zu ihnen: „Es ist Bewegung und Ruhe.“

Aus dem Thomas-Evangelium

Die Suche gilt Ihm

Die Wünsche dieser Welt, alle Zuneigung und Zärtlichkeit, die wir für Menschen und Dinge hegen, für Mutter, Vater, Geschwister, Freunde, Himmel, Gärten, Paläste, Speisen, Künste und Wissenschaften, sind in Wirklichkeit Schleier. Hinter allem steht in Wahrheit die Sehnsucht nach Gott. Wenn die Menschen aus dieser Welt scheiden und den Geliebten unverhüllt vor sich sehen, erkennen sie, dass alle Suche allein Ihm galt.

Dschalal ad-din Rumi (1207 – 1273)

Grundlegendstes Sein

Wir können weder von Vater, Sohn und Heiligem Geist noch von irgendeinem Geschöpf sprechen, sondern nur von einem Wesen, das die ureigenste Substanz der göttlichen Personen ist.
Vor unserer Erschaffung waren wir dort alle eins, denn es ist unser Grundlegendstes Sein. Dort existiert die Gottheit als einfaches Sein ohne jegliche Tätigkeit.

Jan van Ruysbroeck (1293 – 1381)

Geduld üben

Einige Brüder kamen zu einem Altvater, der in der Wüste wohnte, und trafen Kinder an, die das Vieh hüteten und ab und zu sehr häßliche Worte zueinander sagten. Nachdem sie den Greis über ihre eigenen Gedanken befragt und von ihm Antwort erhalten hatten, fragten sie ihn: Wie kannst du das dulden, Vater, daß diese Kinder solche Reden führen, warum verbietest du das nicht? Der Altvater sagte: Wirklich, meine Brüder, auch mir ist schon oft der Gedanke gekommen, ihnen etwas zu sagen. Doch habe ich mich dann jedesmal zurechtgewiesen und gedacht: Wenn ich diese Kleinigkeit nicht ertragen kann, wie will ich dann zu gegebener Zeit eine größere Versuchung ertragen? Ich sagte daher nichts zu ihnen, um mich in Geduld zu üben.

Aus dem „Apophthegmata Patrum“ – Weisung der Väter, einer Sammlung früher Christen