Spiritualität der Zukunft: Suchbewegungen in einer multireligösen Welt – Buchtipp I / 2019

Martin Rötting / Christian Hackbarth-Johnson (Hrsg.)

Spiritualität der Zukunft
Suchbewegungen in einer multireligiösen Welt

EOS Editions Sankt Ottilien, 392 Seiten, 29,95 €
ISBN 978-3-8306-7932-5
Sankt Ottilien, 2019

„Eine Spiritualität, die zudem die Erkenntnisse der Neuzeit integriert, ob aus Theologie, Philosophie, Neuropsychologie, Kosmologie, Quantenphysik usw., steht letztlich vor noch nicht gebahnten Pfaden. Man orientiert sich an den Wegen der spirituellen Traditionen, spürt aber, dass diese in einer anderen Zeit, auf der Grundlage eines anderen Weltbildes, mit einer anderen Ausrichtung konzipiert wurden: Auch die ‚Wege der Transformation'“ haben eine Transformation nötig.“ So Christian Hackbarth-Johnson und Martin Rötting im Fazit des vorliegenden Sammelbandes, dem gerecht zu werden in knapper Form schwer fällt. Das jetzt vorliegende Buch ist Ergebnis einer Tagung, die sich unter analytischen Aspekten spirituellen Suchbewegungen zugewandt und dabei statistische wie theologische Fragen angesprochen hat.

In einem Hauptkapitel geht es zunächst um Pioniere einer interreligiösen Spiritualität, wo exemplarisch biographische Zugänge aufgezeigt werden. Sehr aufschlussreich der Beitrag über Hugo M. Enomiya-Lassalle, der zu Henri Le Saux (Swami Abhishiktananda) und jener über Paolo Dall’Oglio.

Ein weiteres Kapitel befasst sich mit medialen Zugängen. Um den Film „Ai-un“ über Enomiya-Lassalle geht es da ebenso wie um Poetry Slam als Form der Spiritualität.

Einen breiten Raum nehmen Beiträge ein, die Formen gegenwärtiger Spiritualität beleuchten und damit sehr konkret praktische Zugänge beschreiben. Exemplarisch seien hier fünf genannt: Der Jesuit Stefan Bauberger schreibt über das spannende Verhältnis von Zen und Christentum, Christian Hackbarth-Johnson verweist auf das Verhältnis von Yoga und christlichem Gebet, Tanja Mancinelli zeigt sehr detailliert anhand von Hazrat Inayat Khan auf, was einen universellen Sufisms für alle ausmacht. Charlie Pils erläutert, wie Mantren einen Zugang zur Transzendenz schaffen können, Michael Seitlinger erläutert Achtsamkeit als säkulare Spiritualität. Und das sind – wie gesagt – nur fünf von 15 aufschlussreichen praktischen Hinweisen.

Ein letztes Hauptkapitel geht dann der Frage nach, ob Spiritualität Institution braucht. Martin Rötting schildert hier unter anderem die Herausforderungen von religiösen Suchbewegungen für Organisationen.

„Spiritualität der Zukunft – Suchbewegungen in einer multireligiösen Welt“ beweist, dass ein Sammel- und Tagungsband nicht langweilig sein muss, sondern zum lebendigen Dialog reichhaltig Anlass geben kann.

© Werner A. Krebber

 

Alle Autoren hier auf einen Blick, in der Reihenfolge ihrer Beiträge:

 Andreas Renz, Christian Hackbarth-Johnson, Martin Rötting, Detlef Pollack, Katharina Ceming, Jens Colditz, Holger Adler SJ, Ursula Baatz, Bettina Sharada Bäumer, Christian Rutishauser SJ, Fabrice Blée, Christof Wolf SJ, Olra Havenetidis, Felix Triendl, Maria Schmitt, Stefan Bauberger SJ, Bruno Brantschen SJ, Jan Sedivy, Andreas Ebert, Nicole Bauer, Tanja Mancinelli, Angelika Schumm, Charlie Pils, Oliver Behrendt, Laurie Ann Johnson, Michael Kaminski, Anneliese Gleditsch, Michael Seitlinger, Susanne Deininger, Marianus Bieber OSB, Andreas de Bruin

 

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Mittler zwischen Buddhismus und Christentum – Buchtipp III

Ursula Baatz

Hugo Makibi Enomiya-Lassalle
Mittler zwischen Buddhismus und Christentum

Topos Taschenbuch 1082

191 Seiten, kartoniert, 18 cm

1. Auflage Januar 2017

Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer

ISBN / Code: 978-3-8367-1082-4

Knapp und kurz ist es in der Verlagsankündigung zu lesen: „Der Jesuit, Zen-Meister und Friedenskämpfer Hugo M. Enomiya-Lassalle (1898–1990) überlebte den Atombombenabwurf in Hiroshima und wurde zur wegweisenden Gestalt des Dialogs zwischen Buddhismus und Christentum. Ihm ist es zu verdanken, dass die Übungen des Zen heute auch das religiöse Leben vieler Christen bereichern. Das spannende Porträt eines Meisters, der die Menschen berührt und bewegt.“

Ich denke, da muss mehr gesagt sein. Noch gut erinnere ich, dass ich vor vielen Jahren Enomiya-Lassalle in Kevelaer in einem Kloster begegnet bin. Er ging, nein er schritt durch den Flur. In einer Soutane, die manche wohl als abgewetzt bezeichnen hätten. Doch um solche Äußerlichkeiten ging es ihm nie. Doch was wollte er?

Ursula Baatz liefert hier die Skizze eines eindrucksvollen Mannes am Exempel verschiedener Lebensstationen. Unter der Überschrift „Der Perlentaucher“ schreibt sie unter anderem: „Der Mut, auf der Suche nach Gott immer wieder den nächsten Schritt auf einen unbekannten Horizont hin zu tun, gehört zu den Grundzügen von Lassalles Leben. Das hat vielen Leuten Hoffnung gemacht…“ Und auch: „Für Lassalle war die Zen-Übung ein Beitrag zum Weltfrieden. Er hatte zwei Weltkriege und in Hiroshima die erste Atombombe überlebt und war Zeuge des Endes der europäischen Kolonialreiche und der ersten Ansätze einer globalen Gesellschaft. Ein weltweiter Friede setzt eine grundlegende Veränderung des menschlichen Bewusstseins voraus, ein neues Bewusstsein, das über das Denken in Gegensätzen und Egoismen hinauskommt. Er glaubte, dass die Meditationspraxis den Weg zu diesem neuen Bewusstsein öffnen könnte und dass die Menschheit am Vorabend eines Bewusstseinswandels stehe, der zu einer friedlicheren Welt führen könne.“

Die Zeit in Japan wird von ihr ebenso bearbeitet wie die Frage, was Erleuchtung ist. Vom Reisenden zwischen Ost und West ist ebenso die Rede wie von der offenen Weite am Horizont. Und sie verweist auch auf vielleicht unerwartete Inspirationen: „Das Thomasevangelium … unterstützte Lassalle in diesen Gedanken. Der Jesus des Thomasevangeliums spricht oft in Paradoxen, die von einem der alten Zen-Meister stammen könnten.“

Ursula Baatz, Redakteurin und langjährige Zen-Praktizierende bei Enomiya-Lassale, skizziert eindrucksvoll den spirituellen, kirchlichen und weltpolitischen Gang eines Jesuiten und Zen-Lehrers durch die Zeiten, der sehr um seinen Weg gerungen hat. Lohnend, diesem Weg mit der Lektüre zu folgen

© Werner Anahata Krebber