Dschuang Dsi: Mystik des aufblühenden Lotus

Foto: (c) wak

Die Lehre des Dschuang Dsi ist groß, sie ist umfassend und mehr als das, sie ist beglückend. Sie erfaßt die Welt und vernichtet sie nicht. Sie erkennt das Böse und leugnet es nicht. Sie weiß, daß der Mensch böse ist von Urbeginn, und glaubt doch an ihn, denn was wäre der Sinn des Lebens eines Weisen, wenn nicht die Erziehung? Sie begnügt sich nicht mit der sichtbaren Welt, die zu ermessen und zu messen ist, sondern er nimmt mystischen Aufschwung in das unbegrenzte und nie zu ermessende Reich. Aber das ist keine Mystik des müden Unterganges, sondern die des aufblühenden Lotus, der aufgehenden Sonne, des aufrauschenden, unbeschreiblich mächtigen, unbeschreiblich freudigen Vogels Rockh.

Das höchste und tiefste, das dieser Mensch der Vorzeit uns zu geben hat, ist eben diese Vereinigung des Tiefsten mit dem Höchsten. Es ist eine Religion der Versöhnung, nicht auf dem Boden eines Dogmas, also auch nicht auf dem Boden des ewig unerfüllbaren: Liebet einander, sondern durch den Weg, den er jedem zu (seinem) innersten Erlebnis, zum Sinn des Lebens führen will. Dann gehen alle Farben ein in den unwandelbaren Regenbogen der Vereinigung. Er ist der einzige Weltgelehrte, der die Weltanschauung nicht durchsetzen, sondern alle Weltanschauungen zur Ruhe bringen will. Keine Zeit konnte so dürsten nach der Ruhe und der Vereinigung wie die unsere. Und unsere Zeit, kann man ihr auch nachsagen, wieviel man will und wieviel sie verdient, sie hat viel gelitten; und hier, in der Freude des lichten Ostens, könnte sie Heilung finden; wenn irgendwie und irgendwo, so im südlichen Blütenland.

Ernst Weiß  (1882 – 1940) in seinem Essay „Von Chinas Göttern“

Lilli Vetter-Aschau: Der Tod Buddhas – Durch Liebe das All befreit

Bild: Archiv

Stickereien von Lilli Vetter – Aschau / Terstegen-Vetter (1889 – 1972)

von Hans Christoph Ade (1888 – 1981)

„Der Tod Buddhas“; man verliert das Bild nie wieder, wenn man es einmal auf sich wirken ließ. Die Legende erzählt, daß Buddha unter einem Baume starb und daß seine Seele in den Baum hinüberging, der nun sofort vom Geistigen des Heiligen berührt, in Blüten aufschimmerte. Diesen Augenblick hat die Künstlerin gestaltet. Purpurn leuchtet das Gewand des Heiligen unter dem breit und braun aufastenden Baume. Das bleiche Haupt ist eben zurückgesunken, die Hände schlaffen im brennenden Rot. Alle Linien zeigen das Ermatten des Vergänglichen. Aber darüber der Baum! Das sind nicht Blüten nur, die da rosig aufbrachen und niederschweben: das sind Sterne, aus Buddhas Geist unsäglich zart gebildet. In unermeßlicher Bewegung eilen Gläubige umher. So stürmisch sie sind: der Eindruck des Bildes ist unerhörte Gelassenheit. Im Hintergrunde wuchten Gebirge auf. Grüne, voll von Wäldern und Matten. Blaue, fernere dahinter. Und aufzungend in der Ferne, überragend, der heilige Gipfel des Himalaya. Aber das sind nicht Berge nur: auf einmal geht es uns auf: das sind Flammen, Flammen der Anbetung! Im Vordergrund geschieht das sanfte Blütenwunder, hinten, rings aber jubeln die Berge auf und preisen den todüberwindenden Geist, der durch die Liebe das All befreite. Es ist eine Größe, eine Ruhe, die unbeschreiblich sind.

Erschienen in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst und künstlerische Frauen-Arbeiten, 4. Ausgabe, 27. Jahrgang, S. 150-155, Darmstadt, April 1924

Aktuell nachzulesen in: Magische Blätter. Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung.CI. Jahrgang, Juni 2020, Heft 5, S. 175-176

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/

(Biographische Ergänzungen: wak)

Wie Reflexe im Spiegel

Foto: © wak

Alle Erscheinungen sind wie Reflexe im Spiegel. Sie sind strahlend rein und unbefleckt. Sie sind unerklärlich, unbeschreiblich, und doch entstehen aus ihnen ständig Ursachen und Handlungen. Die Essenz der Wirklichkeit ist ungeteilt, ist ohne einen Ort. So sollen alle Erscheinungen betrachtet werden.

Machig Lapdrön (1055 – 1149)

Wie Reflexe im Spiegel

Foto: © wak

 

Alle Erscheinungen sind wie Reflexe im Spiegel.
Sie sind strahlend rein und unbefleckt.
Sein sind unerklärlich, unbeschreiblich,
und doch entstehen aus ihnen ständig Ursachen und Handlungen.
Die Essenz der Wirklichkeit ist ungeteilt, ist ohne einen Ort.
So sollen alle Erscheinungen betrachtet werden.

Machig Lapdrön (1055 – 1149)

 

Wie Reflexe im Spiegel

Foto: © Marlies Schwochow +

 

Alle Erscheinungen sind wie Reflexe im Spiegel.
Sie sind strahlend rein und unbefleckt.
Sie sind unerklärlich, unbeschreiblich,
und doch entstehen aus ihnen ständig Ursachen und Handlungen.
Die Essenz der Wirklichkeit ist ungeteilt, ist ohne einen Ort.
So sollen alle Erscheinungen betrachtet werden.

Machig Lapdrön (1055 – 1149)

Erlebnis der Ruhe und Erfüllung

Foto: © wak

Die so genannte mystische Erfahrung ist etwas gänzlich Unbeschreibliches. Schon das Etikett Mystik wird dieser Dimension von Erfahrung nicht gerecht. Man tritt aus dem Gegebenen und Vorhandenen völlig heraus und hat ein Erlebnis der Ruhe und Erfüllung und des Stimmens, das man nur nachträglich in die Sprache einer Ideologie oder Religion übersetzen kann.

Paul Watzlawik (1921 – 2007) In: Bernhard Pörksen (Hrsg.) Die Gewissheit der Ungewissheit, Heidelberg 2001, S. 231

Das Objekt unseres Dürstens hat viele Namen – Neu bei „alkoholundspirit“

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Das Objekt unseres Dürstens hat viele Namen: Das Selbst, die schöpferische Energie, die Kraft der Liebe, die göttliche Mutter, unsere Buddha-Natur, das Tao oder das kosmische Bewusstsein. Gläubige sprechen vom Großen Geist, von Christus, vom Geliebten im Inneren, von der Quelle unserer Inspiration, von unserer höheren Macht oder Gott, um nur einige Bezeichnungen zu nennen. Obwohl dies eine unbeschreibliche Macht jenseits aller möglichen Etikettierungsversuche ist, müssen wir Worte verwenden, wenn wir darüber sprechen wollen.

Christina Grof (1941–2014) in ihrem Buch: Sehnsucht nach Ganzheit. Der spirituelle Weg aus der Abhängigkeit. München 1993

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Die Essenz der Wirklichkeit

Alle Erscheinungen sind wie Reflexe im Spiegel.
Sie sind strahlend rein und unbefleckt.
Sein sind unerklärlich, unbeschreiblich,
und doch entstehen aus ihnen ständig Ursachen und Handlungen.
Die Essenz der Wirklichkeit ist ungeteilt, ist ohne einen Ort.
So sollen alle Erscheinungen betrachtet werden.

Machig Lapdrön (1055 – 1149)

Es ist nicht…

Es ist nicht äußere Wahrnehmung,
es ist nicht innere Erfahrung,
es ist nicht gespanntes Gewahrsein,
es ist nicht Wissen,
es ist nicht Nichtwissen,
noch ist es Wissen selbst.
Es kann weder gesehen noch verstanden werden,
in Grenzen kann es nicht gehalten werden,
unbeschreiblich ist es
und außerhalb des Denkens.
Es ist nicht definierbar,
erfahren kann es nur werden durch eigenes Es-Werden.

Aus den Upanishaden