Des Denkens Raum überqueren

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Was Buddha lehrt,
hat nur das eine Ziel:
Des Denkens Raum zu überqueren.
Ist still geworden der Gedanken Spiel,
was nützen dann noch Buddhas Lehren?

Huang Po (um 850)

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Wenn der Geist zur Quelle heimkehrt

Glücklich sein zu wollen und dabei das Selbst mit dem  Körper zu identifizieren, ist wie der Versuch, den Fluss auf  dem Rücken eines Krokodiles zu überqueren. Wenn das Ego aufsteigt, trennt sich der Geist von seiner Quelle, dem  Selbst, und wird rastlos wie ein in die Luft geworfener Stein  oder das Wasser eines Flusses. Erst wenn der Stein oder der  Fluss ihren jeweiligen Ursprungsort, nämlich den Boden  oder den Ozean wieder erreicht haben, kommen sie zur  Ruhe.

Ebenso ist es mit dem Geist – er kann erst ruhen und glücklich sein, wenn er zu seiner Quelle zurückgekehrt ist und in ihr verbleibt. So wie es gewiss ist, dass der Stein und der Fluss zu ihrem Ausgangsort zurückkehren, so wird auch zwangsläufig früher oder später der Geist zu seiner Quelle heimkehren.

Ramana Maharshi (1879 – 1950)

Einen Fluss überqueren

Drei als heilig verehrte Männer gingen einmal zusammen auf eine Reise. Der eine war ein indischer Yogi, der zweite ein Sufi-Derwisch, der dritte ein Zen-Mönch. Unterwegs kamen die Männer zu einem kleinen Fluss. Eine Brücke gab es nicht.

„Ich zeige euch, wie man einen Fluss überquert“, sagte der Yogi – und ging doch tatsächlich hinüber, und zwar direkt auf der Wasseroberfläche!

„Nein, nein, so macht man das nicht“, sagte der Derwisch daraufhin. „Passt gut auf, Freunde, wie es geht.“ Er fing an, sich im Kreis zu drehen, schneller und schneller, bis er nur noch ein verwaschener Fleck aus konzentrierter Energie war, und ganz plötzlich – peng! – sprang er ans anderer Ufer.

Der Zen-Mönch stand da und schüttelte den Kopf. „Ihr Dummköpfe“, sagte er, „ich zeige euch, wie man einen Fluss überquert.“ Er hob sein Gewand hoch und watete vorsichtig durch den Fluss.