Giannina Wedde: Es wächst ein Licht in Deinem Fehlen – Buchtipp XII

Giannina Wedde

Es wächst ein Licht in deinem Fehlen

Ein Trost- und Trauerbuch

Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach, 2019, 143 Seiten, 18,00 €, ISBN/EAN: 978-3-7365-0228-4

Stirbt ein Mensch, bleiben Angehörige, Freunde, Bekannte oft sprachlos zurück. Im wahrsten Sinne des Wortes. Einsamkeit, Verdrängung und Trostlosigkeit weiten sich mitunter aus. Giannina Wedde geht mit ihrem Trost- und Trauerbuch einen anderen Weg. „Wie können wir Trauer aus dem Schweigen und der Angst ans Licht holen?“ fragt sie. „Wie können wir als Trauernde sichtbarer werden? Wie können wir unseren vielfältigen Gefühlen lebendigen Ausdruck verleihen? Wo finden wir echten, aufrichtenden Trost, den wir weitergeben können?“ Eine Antwort von Giannina Wedde: Mit einem poetischen Blick. Einem Blick, der Trauernde über die Grenzen eines Textes hinaus in die Lage versetzen kann, „das Unbekannte und Ungewisse zu bereisen, das Wesen der Dinge zu verstehen undeinen schöpferischen Umgang mit allen Lebenswirklichkeiten zu finden“ – und damit Trost zu erfahren.

Schon die Überschriften verweisen auf jenen poetischen Blick, der Grenzen überschreiten lassen kann: Verlust, Ich, Gefühlslandschaften, Gefährten, Endlichkeit, Natur, Erinerung – und am Ende: Leben.

Nur ein Beispiel für den Ansatz von Giannina Wedde zur poetischen Grenzüberwindung des Todes:

Was, wenn der Tod nichts anderes wäre
Als Ein Stürzen aus der Form,
der wir zu schwer geworden sind?
Wenn wir uns selbst aus der Gestalt entließen,
die ihre Haut zu eng um unsere Freiheit spannt.

Der poetische Blick dieses Buches von Giannina Wedde lässt dem Trauernden die Chance, von dort aus Trost zu finden, wo er gerade steht.

© Werner A. Krebber

Zur Erinnerung: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/10/31/buchtipp-ix-in-deiner-weite-lass-mich-atem-holen-giannina-wedde/

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Das Wort der Ewigkeit

Die Schrift
ist Schrift,
sonst nichts!

Mein Trost
ist Wesenheit.

Und dass Gott
in mir spricht
das Wort der Ewigkeit.

Angelus Silesius (1624 – 1677)

Des Mysterium des Hierseins gewahr werden

Mögest du des Mysterium des Hierseins gewahr werden und eintreten in die stille Unermesslichkeit deiner eigenen Gegenwart.

Mögest du Glück und Freude finden im Tempel deiner Sinne.

Möge es dir, wenn neue Grenzen locken, nie an Ermutigung fehlen.

Mögest du dem Ruf deiner Gabe Gehör schenken und den Mut finden, ihrem Weg zu folgen.

Möge die Flamme des Zorns dich von jeglicher Falschheit befreien.

Möge Wärme des Herzens deine Gegenwart hell auflodern lassen, und möge dich die Angst niemals belangen.

Möge deine äußere Würde ein Spiegel sein der inneren Würde deiner Seele.

Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die keine Aufmerksamkeit heischen.

Mögest du Trost finden in der geheimen Symmetrie deiner Seele.

Mögest du jeden neuen Tag als ein heiliges Geschenk erleben, gewoben um das Herz des Wunders.

 

John O’Donohue (1956 – 2008) in: Echo der Seele. Von der Sehnsucht nach Geborgenheit. München 1999, S.133

O Heiland, reiß die Himmel auf

advent1Foto © wak

 

O Heiland, reiß die Himmel auf,
Herab, herab, vom Himmel lauf !
Reiß ab vom Himmel Tor uns Tür,
Reiß ab, wo Schloß und Riegel für !

O Gott, ein‘ Tau vom Himmel gieß;
Im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
Den König über Jakobs Haus.

O Erd‘, schlag aus, schlag aus, o Erd‘,
Daß Berg und Tal grün alles werd‘
O Erd‘, herfür dies Blümlein bring,
O Heiland, aus der Erden spring.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
Darauf sie all‘ ihr‘ Hoffnung stellt ?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
Komm tröst uns hie im Jammertal.

O klare Sonn‘, du schöner Stern,
Dich wollten wir anschauen gern.
O Sonn‘, geh auf, ohn‘ deinen Schein
In Finsternis wir alle sein.

Hie leiden wir die größte Not,
Vor Augen steht der ewig‘ Tod;
Ach komm, führ uns mit starker Hand
Vom Elend zu dem Vaterland.

Friedrich Spee von Langenfeld S.J. (1591-1635) Köln, 1623

Wo Atheisten recht und Gläubige unrecht haben

Die Religion als Quelle des Trostes ist ein Hindernis für den wahren Glauben, und in diesem Sinn ist der Atheismus eine Reinigung.

Ich muss mit dem Teil meiner selbst Atheist sein, der nicht für Gott gemacht ist. Von den Menschen, bei denen der übernatürliche Teil ihrer selbst noch nicht erwacht ist, haben die Atheisten recht und die Gläubigen unrecht.

Simone Weil (1909 – 1943)

 

Gefunden habe ich diese bemerkens-werten Sätze auf einer Seite von Antje Schrupp:

http://gottundco.wordpress.com/2014/10/25/es-ist-besser-gar-nicht-uber-gott-zu-sprechen-als-falsch/

Zum 11. September 2011

Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie.
Er sagte:

Selig, die Armen im Geiste; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Töchter und Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

Matthäus 5,3-12

Eine graphische und musikalische Aufbereitung der Seligpreisungen findet sich hier:  http://www.e-water.net/beatitudes_de.html

 

P.S. Genau vor einem Jahr erschien das Editorial, also der erste Beitrag von „mystikaktuell“; zur Erinnerung: https://mystikaktuell.wordpress.com/category/editorial/