Erfahrung, dass alles heilig ist

Foto: © wak

Eine Fokussierung auf die Wahrheit der Mystik bedeutet somit keine Infragestellung von Religion, vielmehr ermöglicht sie eine Neubelebung religiöser Weltdeutung. Die Aufhebung der Grenzen zwischen Mensch und Gott, Kosmos und Transzendenz, muss keineswegs Säkularisierung bedeuten; Sie kann im Gegenteil zu der Erfahrung führen, dass alles heilig ist — eine Erfahrung, die glücklicherweise nicht legendären Gestalten wie etwa dem indischen Mystiker Ramakrishna vorbehalten ist, sondern heute von zahlreichen Menschen gemacht wird.

Joseph Campbell (1904 – 1987) in: Reflections on the Art of Living

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Spiritualität der Zukunft: Suchbewegungen in einer multireligösen Welt – Buchtipp I / 2019

Martin Rötting / Christian Hackbarth-Johnson (Hrsg.)

Spiritualität der Zukunft
Suchbewegungen in einer multireligiösen Welt

EOS Editions Sankt Ottilien, 392 Seiten, 29,95 €
ISBN 978-3-8306-7932-5
Sankt Ottilien, 2019

„Eine Spiritualität, die zudem die Erkenntnisse der Neuzeit integriert, ob aus Theologie, Philosophie, Neuropsychologie, Kosmologie, Quantenphysik usw., steht letztlich vor noch nicht gebahnten Pfaden. Man orientiert sich an den Wegen der spirituellen Traditionen, spürt aber, dass diese in einer anderen Zeit, auf der Grundlage eines anderen Weltbildes, mit einer anderen Ausrichtung konzipiert wurden: Auch die ‚Wege der Transformation'“ haben eine Transformation nötig.“ So Christian Hackbarth-Johnson und Martin Rötting im Fazit des vorliegenden Sammelbandes, dem gerecht zu werden in knapper Form schwer fällt. Das jetzt vorliegende Buch ist Ergebnis einer Tagung, die sich unter analytischen Aspekten spirituellen Suchbewegungen zugewandt und dabei statistische wie theologische Fragen angesprochen hat.

In einem Hauptkapitel geht es zunächst um Pioniere einer interreligiösen Spiritualität, wo exemplarisch biographische Zugänge aufgezeigt werden. Sehr aufschlussreich der Beitrag über Hugo M. Enomiya-Lassalle, der zu Henri Le Saux (Swami Abhishiktananda) und jener über Paolo Dall’Oglio.

Ein weiteres Kapitel befasst sich mit medialen Zugängen. Um den Film „Ai-un“ über Enomiya-Lassalle geht es da ebenso wie um Poetry Slam als Form der Spiritualität.

Einen breiten Raum nehmen Beiträge ein, die Formen gegenwärtiger Spiritualität beleuchten und damit sehr konkret praktische Zugänge beschreiben. Exemplarisch seien hier fünf genannt: Der Jesuit Stefan Bauberger schreibt über das spannende Verhältnis von Zen und Christentum, Christian Hackbarth-Johnson verweist auf das Verhältnis von Yoga und christlichem Gebet, Tanja Mancinelli zeigt sehr detailliert anhand von Hazrat Inayat Khan auf, was einen universellen Sufisms für alle ausmacht. Charlie Pils erläutert, wie Mantren einen Zugang zur Transzendenz schaffen können, Michael Seitlinger erläutert Achtsamkeit als säkulare Spiritualität. Und das sind – wie gesagt – nur fünf von 15 aufschlussreichen praktischen Hinweisen.

Ein letztes Hauptkapitel geht dann der Frage nach, ob Spiritualität Institution braucht. Martin Rötting schildert hier unter anderem die Herausforderungen von religiösen Suchbewegungen für Organisationen.

„Spiritualität der Zukunft – Suchbewegungen in einer multireligiösen Welt“ beweist, dass ein Sammel- und Tagungsband nicht langweilig sein muss, sondern zum lebendigen Dialog reichhaltig Anlass geben kann.

© Werner A. Krebber

 

Alle Autoren hier auf einen Blick, in der Reihenfolge ihrer Beiträge:

 Andreas Renz, Christian Hackbarth-Johnson, Martin Rötting, Detlef Pollack, Katharina Ceming, Jens Colditz, Holger Adler SJ, Ursula Baatz, Bettina Sharada Bäumer, Christian Rutishauser SJ, Fabrice Blée, Christof Wolf SJ, Olra Havenetidis, Felix Triendl, Maria Schmitt, Stefan Bauberger SJ, Bruno Brantschen SJ, Jan Sedivy, Andreas Ebert, Nicole Bauer, Tanja Mancinelli, Angelika Schumm, Charlie Pils, Oliver Behrendt, Laurie Ann Johnson, Michael Kaminski, Anneliese Gleditsch, Michael Seitlinger, Susanne Deininger, Marianus Bieber OSB, Andreas de Bruin

 

Sich selbst erweitern

Relief bei den Comboni-Missionaren in Mellatz Foto: © wak

Der Weg zur Transzendenz ist der Weg der Liebe.
Lieben heißt, sich selbst zu erweitern, sich der Unendlichkeit des Seins zu öffnen, die in uns und um uns herum ist; diese Unendlichkeit des Seins in der Liebe meinen wir, wenn wir von Gott sprechen.
Unser ganzes Sein nimmt dann eine kreative Entwicklung, es erfährt eine Vertiefung der integralen Harmonie von Herz und Verstand.

Bede Griffiths (1906-1993)

Harmonie von Herz und Verstand

Foto: © wak

Der Weg zur Transzendenz ist der Weg der Liebe.
Lieben heißt, sich selbst zu erweitern, sich der Unendlichkeit des Seins zu öffnen, die in uns und um uns herum ist; diese Unendlichkeit des Seins in der Liebe meinen wir, wenn wir von Gott sprechen.
Unser ganzes Sein nimmt dann eine kreative Entwicklung, es erfährt eine Vertiefung der integralen Harmonie von Herz und Verstand.

Bede Griffiths (1906-1993)

Grundlegende Gutheit – Innere Freude – Buchtipp V

Vincenzo Kavod Altepost

Grundlegende Gutheit – Innere Freude

Ein beschenktes Leben

lulu.com, 2017, 344 Seiten, 20 €

 

Selten ist es mir bei einem Buch so gegangen wie bei „Grundlegende Gutheit – Innere Freude“ von Vincenzo Kavod Altepost. Immer wieder habe ich darin gelesen, es aus der Hand gelegt, wieder dazu gegriffen, wieder bin ich an Textpassagen hängen geblieben, an Zitaten, die mich inspirierten. Zettel bei Seiten eingefügt, wo ich noch mal wieder nachlesen muss. Seit Monaten geht das so. Was macht die Faszination dieses Buches aus? Für mich ist es die Biographie eines Menschen auf der Suche und eines Findungsprozesses. Und – wie er selbst im Untertitel schreibt – eines beschenkten Lebens.

Begegnungen mit Meisterinnen und Meistern sind es, die Vincenzo Kavod Altepost in ihrer Bedeutung und Wirkung für ihn aufzeigt, nachdem er seinen persönlichen und privaten Werdegang schildert. Ihre Namen lesen sich wie aus dem Logbuch eines spirituellen Weltreisenden: Elisabeth Haich, Vilayat Inayat Khan, Maharishi Mahesh Yogi, Swami Muktananda, Gurumayi Chidvilasananda, Satya Sai Baba, Mother Meera, Amma, Sri Chinmoy, Thich Nhat Hanh – um nur ein paar wenige von ihnen zu nennen. Und dann Pyar, Pyar Rauch. Und dann sind es auch die Themen, um die es bei ihm geht: Leiden, Lichterfahrung, Kundalini, Wasser, Identifikation, Transzendenz, grundlegende Natur, Gefühle, Jetzt, innere Freude, Dank, Meditation, Tonglen, Gebet, Humor, Sucht, die Kraft von Gedanken. Auch das nur wenige der zahlreichen Stichworte.

In einer Einführung schreibt Pyar Rauch über dieses Buch: „Es ist in einer Wesie geschreiben, dass man meint, all die Weisheite und die wunderbaren Geschichten aus diesem beschenkten Leben nicht nur zu lesen, sondern Kavod sprechen zu hören. Humor, Tiefgang und spannende Erzählung dieses Textes ließen mich nicht mehr los.“ Ergänzt werden diese Gedanken noch durch einen Beitrag von Désiree Kabbalah Wiprächtiger, die ihre Erfahrungen im Umgang mit Vincenzo Kavod Altepost schildert.

Dem allen ist nichts hinzuzufügen außer der dringenden Empfehlung, dieses Buch zu lesen. Übrigens: Ich habe es auch gerade wieder in der Hand…

Werner A.Krebber

 

Hier können Sie das Buch bestellen:

http://www.lulu.com/shop/vincenzo-kavod-altepost/grundlegende-gutheit-innere-freude/paperback/product-23096050.html

Mehr zu und von Kavod Altepost hier:

http://www.free-mind.guru/de/sitemap.htm

http://www.adhikara.com/
http://www.adhikara.com/drogen-hilfe-therapie-einrichtung/index.html

alkoholundspirit – Stand der Dinge 01/2018

Inzwischen sind Drogen als deus ex machina erschienen, um dem sich selbst bewussten kartesianischen Bewusstsein die Möglichkeit zu geben, sein Selbst-Bewusstsein noch weiter auszudehnen, indem es scheinbar aus sich herausgeht. Mit anderen Worten: Die Drogen haben dem sich selbst bewussten Selbst einen Ersatz für metaphysische und mystische Transzendenz des Selbst geliefert. Vielleicht auch einen Ersatz für Liebe? Ich weiß es nicht.

Thomas Merton in „Weisheit der Stille – Die Geistigkeit des Zen und ihre Bedeutung für die moderne christliche Welt“. Bern/München 1975, S. 33

Das Zitat ist jetzt hinzugefügt unter der Rubrik „Gebete, Mantren, Inspirationen“ auf der Seite alkoholundspirit.wordpress.com

https://alkoholundspirit.wordpress.com/0-1-stand-der-dinge/

 

Über sich hinauswachsen

Jemand, der nur durch einen Schleier schaute,
aber den Schleier für das Antlitz hielt,
hat sehr zutreffend gesagt,
dass es dein Ziel sei,
du selbst zu werden.

Und er sagte ebenso richtig,
dass es die Natur des Menschen sei,
über sich hinauszuwachsen.

Dies ist wahrlich seine Natur,
und er selbst zu werden
ist in der Tat
das göttliche Ziel seiner Selbsttranszendenz.

Sri Aurobindo (1872 – 1950)