Jeden Morgen soll die Schale unseres Lebens hingehalten werden

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Jeder Tag der erste –
jeder Tag ein Leben.
Jeden Morgen soll die Schale unseres Lebens
hingehalten werden,
um aufzunehmen, zu tragen und zurückzugeben.

Leer hinreichen –
denn was vorher war,
soll sich nur spiegeln
in ihrer Klarheit, ihrer Form und Weite.

Dag Hammerskjöld (1905 – 1961) in: Zeichen am Weg, München 1965, S.80f.

Die Wüste hat weder Zeit noch Ort

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Des Punktes Berg
besteig ohne Wirken,
Verständigkeit!
Der Weg trägt dich
in eine Wüste wunderlich,
die breit, die weit,
die ohne Maß da liegt.
Die Wüste hat
weder Zeit noch Ort,
ihre Weise, die ist einzigartg.

Aus dem „Senfkorn“-Lied (granum sinapsis), das Meister Eckhart zugeschrieben wird (1260 – 1328)

Wir sind Mütter Christi

Wir sind Mütter Christi,
wenn wir ihn
durch Liebe und ein
reines, ernsthaftes Gewissen
in unserem Herzen und Körper tragen.
Wir gebären ihn
in heiligen Werken,
die durch unser Beispiel
auf andere ausstrahlen sollten.

Franz von Assisi (1181/1182 – 1226)

Ich folge der Religion der Liebe

Mein Herz ward fähig, jede Form zu tragen:
Gazellenweide, Kloster wohlgelehrt,
ein Götzentempel, Kaaba eines Pilgers,
der Tora Tafeln, der Koran geehrt:
Ich folge der Religion der Liebe,
wo auch ihr Reittier zieht,
hab‘ ich mich hingekehrt.

Ibn ‚Arabi (1165-1240)

Erglänzen lassen was verborgen ist

Wenn ein Meister ein Bild macht aus einem Stück Holz oder einem Stein, so trägt er das Bild nicht in das Holz hinein; vielmehr schneidet er die Späne ab, die das Bild verborgen und verdeckt hatten. Er gibt dem Holz nichts, sondern er nimmt und gräbt ihm die Decke ab und nimmt den Rost weg, – und dann erglänzt, was darunter verborgen lag.

Meister Eckhart (1260-1328)

Denn er hat seinen Engeln befohlen…

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Psalm 91, 11-12

Vertont von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

unichorengelScreenshot youtube

Gesungen vom UniversitätsChor München hier:
https://www.youtube.com/watch?v=40CnTO3EJHw

Göttliche Dunkelheit

Wenn die Liebe uns über alle Dinge hinausgetragen hat in die göttliche Dunkelheit, dann sind wir dort verwandelt durch das Ewige Wort als ein Bild des Vaters; und so wie die Luft von der Sonne durchdrungen ist, so empfangen wir in Frieden das über alles Verstehen hinausreichende Licht, welches uns entfaltet und durchdringt.

Jan van Ruysbroeck (1293 – 1381)

Verborgenes erglänzen lassen

Wenn ein Meister ein Bild macht aus einem Stück Holz oder einem Stein, so trägt er das Bild nicht in das Holz hinein; vielmehr schneidet er die Späne ab, die das Bild verborgen und verdeckt hatten. Er gibt dem Holz nichts, sondern er nimmt und gräbt ihm die Decke ab und nimmt den Rost weg, – und dann erglänzt, was darunter verborgen lag.

Meister Eckhart (1260-1328)

Unseren Segen überallhin tragen

Wenn wir uns
von der leidenden Person verabschieden,
die wir zu sein glaubten,
tragen wir unseren Segen
überallhin.

Jack Kornfield (*1945)  In: Das weise Herz. Die universellen Prinzipien buddhistischer Psychologie