Die Pfade zur Quelle

Was gerecht ist, ist nachhaltig – es hält. Was ungerecht ist, zerfällt, erzeugt Krieg, schafft Ressentiments und nährt die Gewalt. Die Imperien legitimieren gern die Gewalt im Namen der Religion. Aber eine neue Reformation wird die Weisheit anerkennen, die von allen spirituellen Traditionen der Welt ausgeht, und in echter Bescheidenheit wissen, dass keine Kultur und kein Weg den einzigen Pfad zur Quelle bilden können. Glaubensübergreifende Begegnung und Tiefenökonomie werden unabdingbar notwendige Bestandteile einer Spiritualität des 21. Jahrhunderts sein.

Matthew Fox (*1940)

Werbeanzeigen

Spirituelle Wüste

Alle großen spirituellen Traditionen der Welt, das Christentum selbstverständlich eingeschlossen, haben uns erklärt, dass der Tod nicht das Ende ist. Alle haben die Vision eines wie auch immer gearteten Lebens danach, das unserem jetzigen Leben erst seine wahre Bedeutung verleiht.

Aber trotz dieser Lehren ist die moderne Zivilisation in weiten Teilen eine spirituelle Wüste – die Mehrheit glaubt, dieses Leben sei alles. Ohne einen wirklichen, authentischen Glauben an ein Leben danach führen die meisten Menschen ein Leben ohne jeden letzten Sinn.

Sogyal Rinpoche: Das tibetische Buch vom Leben und Sterben. Ein Schlüssel zum tieferen Verständnis von Leben und Tod. o.O. 1996

Interspirituell statt interreligiös

Im Gespräch ist oft der sogenannte „interreligiöse Dialog“. Eine kurze Abfrage bei Google ergibt  fast 680.000 Treffer. Schön. Und gut. Und wichtig. Mir selbst kommt dabei aber immer wieder der Gedanke, dass es manchen, die da im Dialog sind, eher darum geht, die eigene Konfessionalität zu stärken und sich gegen anders denkende abzugrenzen. So wird beispielsweise vom christlichen Selbstverständnis ebenso gesprochen wie von einem Verhaltenskodex in Sachen Bekehrung. (!).

Gleichzeitig scheint mir, dass der Begriff des „interspirituellen“ Miteinanders weiter gefasst ist. Da gibt es übrigens nur gut 250 Treffer bei Google. Einer, der diesen Weg des Interspirituellen bewusst beschritten hat war Wayne Teasdale. Zu seinem Buch „Das mystische Herz. Spirituelle Brücken bauen“ schreibt sein Verlag Aurum:

„Bruder Wayne Teasdale entwickelt in diesem Werk seine Vision einer konfessionsübergreifenden Spiritualität, die er ‚Interspiritualität‘ nennt, und die zum Kern jeder Religion – der Mystik – vordringt. Er zeigt auf, dass durch die Mystik als Bindeglied, die unterschiedlichen Religionen mit all ihrem Konfliktpotential auch Orte wahren Verstehens zwischen den Menschen und Kulturen werden können – Orte, an denen sich eine größere und umfassendere Wahrheit realisiert. Von hier aus könnte die Menschheit in die langersehnte Zeit des Friedens aufbrechen.
Sein profundes Wissen und seine langjährige Erfahrung mit den verschiedensten Traditionslinien fasst er zu einer Essenz zusammen, die die Kraft der universalen Spiritualität in die Praxis umsetzbar macht.
Selten hat ein ursprünglich christlicher Autor soviel Weltoffenheit gezeigt wie Bruder Wayne Teasdale, der voller Respekt aus jeder Tradition lernt und lehrt. So bleibt dieses Buch nicht nur bei einer theoretischen Darstellung der mystischen Zweige aller großen Weltreligionen, es ist auch praktischer Führer auf dem eigenen mystischen Weg. Mit seiner Geschichte und seinem Engagement zeigt Bruder Wayne Teasdale, dass das letztendliche Ziel jeder authentischen Spiritualität die Entdeckung unserer wahren Natur als Mystikerinnen und Mystikern ist.“

Wayne Teasdale: Das mystische Herz. Spirituelle Brücken bauen. Mit einem Vorwort des Dalai Lama. o.O. 2004