Das heilige Erlebnis vor dem Zerreden des Mysteriums schützen

Das mystische Erleben der „anderen Wirklichkeit“ tut sich in Tausenden von Werken religiöser Literatur, der Dichtung und der bildenden Kunst kund. Allein das Zeugnis dieser stupenden Schaffenskraft sollte uns von der Wirklichkeit und Bedeutung des zugrunde liegenden Erlebens überzeugen. Dieses ist „mystisch“, nicht weil es dunkel und verschwommen ist, sondern weil es direkt, unvermittelt, spontan – und darum nicht dem urteilenden Intellekt zugänglich ist. Der Myste des Altertums (ebenso wie der des alten Tibet) war nicht ein Schwärmer, sondern ein Eingeweihter, ein Wissender, ein durch Erfahrungen und Prüfungen Gegangener, einer, dessen Lippen verschlossen waren, nicht um ein Geheimnis zu hüten, sondern um das heilige Erlebnis vor der Profanisierung zu schützen, vor der intellektuellen Neugierde, vor dem Zerreden des Mysteriums. Denn nur durch Kontemplation, Meditation und Selbsthingabe kann dieses Wissen erworben werden. In dem Maße aber, in dem die Selbsthingabe verwirklicht wird, wächst dieses Wissen über die Grenzen des Persönlichkeitscharakters und der individuellen Beschränkungen und die sie bedingenden psychologischen Fakten hinaus. Da nach buddhistischer Auffassung – insbesondere nach der der Vijnanavadins – unser Tiefenbewusstsein das Reservoir universeller Erfahrung ist, so wie unser individuelles Gedächtnis das Behältnis unserer persönlichen Erfahrung – so ergibt sich die Möglichkeit, im Zustande der Versenkung oder Verinnerlichung, d. h. nach Ausschaltung des intellektuellen, nach außen gerichteten Oberflächenbewusstseins, Wissensinhalte zutage zu fördern, die weder in diesem individuellen Leben erworben noch durch „persönliche“ Erfahrungen oder Charaktereigenschaften bedingt sind. Die Aussagen der modernen Tiefenpsychologie, die dem „Unbewussten“, d.h. dem Tiefenbewusstsein, die gleichen Eigenschaften zuerkennt wie der Buddhist dem „Schatzkammerbewusstsein“ (alaya-vijnana), sind ein weiterer Beleg für die Berechtigung dieser Anschauung.

Anagarika Govinda (1898 – 1985) auf die Frage „Gibt es ein mystisches Erleben der ‚anderen Wirklichkeit‘? Wie verhält es sich mit der meditativen Erfahrung? Kann die Versenkung des Menschen in sein eigenes Selbst mehr zutage fördern als die sein Wesen und seinen Charakter bestimmenden psychologischen Fakten? In: die antwort der religionen. eine umfrage mit 31 fragen von Gerhard Szczesny bei „glaubensfachleuten“ der großen bekenntnisgemeinschaften. München 1964 / Reinbek bei Hamburg 1971, S. 74

Das Bild „Mandala (Der heilige Kreis)“ erschien hier: Lama Anagarika Govinda – Schöpferische Meditation und Multidimensionales Bewusstsein, 178 f., Aurum-Verlag, Breisgau, 1977. Jetzt aktuell nachzulesen in: Magische Blätter. Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung.CI. Jahrgang, Juni 2020, Heft 5, S. 162 https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Hineinschauen um uns selbst zu entdecken – Dzogchen im Mystikkreis Köln am 3. März

Die Sichtweise von Dzogchen ist es nicht, nach außen zu schauen und zu urteilen. Im Dzogchen sollte man sich im Zustand des Wissens befinden. Deshalb verwenden wir Brille und Spiegel als Beispiele. Durch eine Brille kann man nach außen, auf äußere Objekte schauen – ein Beispiel für den dualistischen Blickwinkel. Für das Prinzip des Dzogchen steht der Spiegel: Wir schauen hinein, um uns selbst zu entdecken.

Der Dzogchen-Meister Chögyal Namkhai Norbu in: Spiegel des Bewusstseins

Der buddhistische Weg des Dzogchen lehrt seit vielen Jahrhunderten einen sehr direkten Zugang zur Selbstbefreiung. Allen Alltagserfahrungen zum Trotz, geht die Lehre davon aus, dass jeder Augenblick und jede Situation des Lebens bereits perfekt und vollkommen ist. Für den Praktizierenden des Dzogchen gibt es aus dieser Sicht keinen Mangel und kein Zuviel. Mehr noch: Im ursprünglichen und reinen Gewahrsein kann er jenseits aller Begrenzungen zum Zustand der Allwissenheit und Erleuchtung kommen. Dzogchen gilt als die tiefgründigste Lehre des Buddhismus. Bezeichnet wird sie auch als die Herz-Essenz der Großen Vollkommenheit.

Dieser herausfordernden Lehre wollen wir uns am 3. März behutsam annähern und sie anhand von Texten beleuchten.

Organisatorisches:

Damit wir besser planen können, bitten wir um frühzeitige Anmeldung bei Rani Tel: 0221 2406997/ eMail: weissefeder@netcologne.de. Vielen Dank!

Wir treffen uns an jedem ersten Sonntag im Monat im Kölner Stadtteil Sülz. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch. Im monatlichen Wechsel geht es einen Sonntag um mystische Themen am anderen Sonntag um Doing Nothing-Praxis.

Der private Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt. Kostenbeitrag: 15,– (+ ein freiwilliger Obolus für den Mittagstisch).

Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen:

Rani und Werner

Herausfinden in welcher Verfassung – Dzogchen am 3. März im Kölner Mystikkreis

Dzogchen kann man nicht als Religion betrachten. Es wird von niemandem verlangt, irgend etwas zu glauben. Es wird vielmehr angeregt, daß sich jeder einzelne selbst beobachtet und herausfindet, in welcher Verfassung er sich wirklich befindet.

Namkhai Norbu (1938 – 2018) in: Der Kristallweg, München 1989, S. 28.

Mehr zu Dzogchen hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/02/08/dzogchen-im-mystikkreis-koeln-am-3-maerz-2019-eine-herzliche-einladung/

und hier: https://www.facebook.com/events/307794533211597/

Aus dem Menschen selbst entstehen und verschwinden

Nicht näher bezeichnete Skulptur von Milarepa     Fotos: © wakBild und Texttafel in der Ausstellung „Der Berg ruft“ im Oberhausener Gasometer

Entwicklung der Qualitäten

Der berühmte tibetische Dichter und Heilige Milarepa sagte, in den zwölf Jahren, die er in Klausuren in der Wildnis zugebracht habe, sei kein Augenblick nicht anderen gewidmet gewesen. Damit meinte er, dass er sich der Entwicklung der Qualitäten gewidmet hatte, die er brauchte, um anderen wirklich Gutes tun zu können.

Matthieu Ricard (* 1946) in einem Interview mit Wolf Singer, das unter dem Titel „Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog“ im Suhrkamp-Verlag erschienen ist.

Verleiht Red Bull Sinn?

Verleiht Red Bull Sinn? Kritische Anmerkungen zu einer frag-würdigen Publikation könnte die Überschrift auch heißen. Oder auch: Ethicwashing eines umstrittenen Konzerns.

Die Begeisterung für den Dalai Lama, die in manchen Kreisen zu spüren ist, habe ich noch nie wirklich teilen können. Jetzt aber – so finde ich – hat er sich zu etwas hinreissen lassen, das ich als publizistisches Ärgernis bezeichnen würde. Aus mehreren Gründen.

Worum geht es?

In der „Welt“ vom 29. August stoße ich auf eine Anzeige:

„Der Appell des Dalai Lama an die Welt“

Farblich herzvorgehoben heißt es dann: „Kostenloser Download in 8 Weltsprachen bei allen eBook-Onlinehändlern und für € 4,99 als Buch erhältlich.“

Darunter ein Logo, das nicht wirklich gut lesbar ist.

dlanzeigeweltAnzeige in der „Welt“ vom 29. 8. 2015

Nach kurzer Suche gibt es – für mich – überraschende Informationen.

Erst wenn man das Büchlein in der Hand hält, sieht man, dass es in Zusammenarbeit mit Franz Alt entstanden ist. Auf dessen eigener Seite heißt es unter anderem:

„Noch passender, dass nicht nur der Dalai Lama, sondern auch Franz Alt erleuchtet ist, betreibt er doch eine Internetpräsenz, die sich Sonnenseite nennt und die ökologische Kommunikation mit dem viel gereisten und für Vorträge weltweit gebuchten Journalisten anbietet.“

So hier:

http://www.sonnenseite.com/de/tipps/der-battle-moench-dalai-lama-steigt-der-welt-weise-aufs-dach.html

Da will ich jetzt mal nichts zu sagen…

 

Das Büchlein selbst:

Das Büchlein hat 56 Seiten. Darauf entfallen

– Vorwort Franz Alt: 3 Seiten
– Der Text des Appells: 6 Seiten
– Interview Franz Alt mit dem Dalai Lama: 32 Seiten
– Geschichte des Dalai Lama: 5 Seiten
– Lebensdaten des Dalai Lama:  3 Seiten

Das Büchlein: (in der von kurier.at zum kostenlosen Download in mehreren Sprachen angebotenen Version)

http://kurier.at/lebensart/leben/der-dalai-lama-wird-80-jahre/139.745.170

 

Der Verlag – eine Tochter von Red Bull

Das Büchlein erschien bei „Benevento Publishing“. Im Impressum wird „Benevento Publishing“ angegeben als „Marke der Red Bull Media House GmbH, Wals bei Salzburg“

http://www.beneventobooks.com/

Hier liest man zum Selbstverständnis von Benevento:

„Geschichten, die einen Machthaber zittern und Menschen lachen und weinen lassen. Chronist der leisen Stimmen und Verfechter der Wahrheit sein. Wehrlosen eine Stimme geben. Kulturen verstehen. Menschen ermutigen. Mit Geschichten die Welt verändern.

Das alles und noch viel mehr ist Benevento – ein frischer Wind für alle,
die Bücher lieben.“

 

Konkreter wird es hier:

http://www.beneventopublishing.com/

„Das Verlagshaus Benevento Publishing ist eine Marke der Red Bull Media House GmbH. Unter diesem Dach werden verschiedene Verlage vereint: Der Ecowin Verlag bringt jedes Jahr spannende Themen aus dem Bereich Sachbuch und schafft es regelmäßig auf die Bestsellerlisten. Seit 2014 ist der Servus Verlag als Ergänzung und Vertiefung für Servus TV und Print mit dabei. Mit dem Verlag Pantauro eröffnen sich dem Leser begeisternde Einblicke in die Welt von Red Bull. Der Benevento Verlag sucht weltweit nach außergewöhnlichen Geschichten mit internationaler Relevanz.

 

rbmediahousedlScreenshot der Homepage von redbullmediahouse

http://www.redbullmediahouse.com/company/news/article/an-appeal-by-the-dalai-lama-to-the-world-is-the-first-title-published-by-newly-established-benev.html

Siehe auch http://www.redbullmediahouse.com/

 

Red Bull: ein umstrittener Konzern

Red Bull ist seit langem umstritten. Als ein Beispiel von vielen sei auf diesen Artikel hingewiesen, der vom Extrem-Marketing berichtet:

http://www.zeit.de/2013/19/red-bull-extremsport-marketing-helmar-buechel
Dass „Red Bull“ von Marketing was versteht, zeigt sich auch hier in deutlicher Weise.

 

Und noch etwas:

Der Dalai Lama, Franz Alt und der Verlag Benevento verzichten nach eigenen Angaben auf Honorar und Gewinn und spenden sie an die „Deutsche Tibethilfe“. Schön und gut. Auf deren Seite gibt es allerdings zu der Verbindung von Red Bull und dem Verlag kein Wort. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

http://www.deutschetibethilfe.de/index.php?id=64

 

Werner A. Krebber