Im Garten des Einen

Anlässlich der „BUGA Erfurt 2021“ steht der Garten im Zentrum der diesjährigen Einführung in christliche und islamische Mystik: In den Workshops erfahren wir etwas über Gärten und Mystik, wir bestaunen mittelalterliche Darstellungen von Maria im Garten mit dem Einhorn und wir erhalten eine Einführung in Simone Weils „Theologie der Schönheit“. Die Musikerin Sabine Lindner führt uns in das Lob der „Grünkraft“ von Hildegard von Bingen ein und die Sufigruppe Tümata in den Tanz der Sufis, eine Praxis des Gebetes im mystischen Islam. Zwei Abendveranstaltungen in der Predigerkirche krönen diese Tage: ein Konzert mit dem Tanz der Sufis sowie „Christliche trifft islamische Mystik“ mit Musik und Texten aus Orient und Okzident.

Das vollständige Programm der Veranstaltungen am 24. und 25 September finden Sie hier:

Anmeldung für die Workshops am Freitag und Samstag unter:
erfurt@augustiner.de oder (0 172) 3 058 203

Nutzlose Worte sind Hindernisse auf dem Weg

Foto: © wak

Die nutzlosen Worte, die dummen nicht weniger als die eigennützen und lieblosen, sind Hindernisse auf dem Weg zum Einheitsbewusstsein des göttlichen Urgrunds, ein Tanz von Staub und Fliegen, der das innere und äußere Licht verdunkelt.

Aldous Huxley (1894 – 1963)

Der lautlose Tanz des Lebens

Auf der Seite von arte.tv heißt es zu dem Film:
Dokumentarfilm über eine der bemerkenswertesten deutschen Frauen des 20. Jahrhunderts: Ruth Denison. Sie war eine Pionierin des Buddhismus im Westen und Vorreiterin für die Rechte der Frauen. Die bekannte Meditationslehrerin leitete mit über 90 Jahren ein Zentrum in der kalifornischen Mojave-Wüste. Der Film begleitet Ruth Denison in ihren letzten Lebensjahren.
„Der lautlose Tanz des Lebens“ ist der erste abendfüllende Dokumentarfilm über Ruth Denison – eine der bemerkenswertesten deutschen Frauen des 20. Jahrhunderts. Die Pionierin des Buddhismus war bekannt für ihre unerschöpfliche Energie. Im Westen gilt sie als Vorreiterin für die Rechte der Frauen. Die bekannte Meditationslehrerin leitete mit über 90 Jahren ein Zentrum in der kalifornischen Mojave-Wüste, wo sie mehr als 30 Jahre lang auch vielen traumatisierten Menschen half. Aleksandra Kumorek bekam die Erlaubnis, Ruth Denison in ihren letzten Lebensjahren bis zu ihrem Tod 2015 zu begleiten – es entstand ein einmaliges filmisches Dokument einer starken, ungewöhnlichen Frau. 1922 in Ostpreußen geboren, erlebte Ruth die Grausamkeiten und Traumata des Zweiten Weltkrieges. 1957 wanderte sie in die USA aus und wurde eine der ersten buddhistischen Lehrerinnen im Westen. Ruths gesamtes Schaffen und Wirken gibt kluge, tiefe Antworten auf die zentralen Fragen und Konflikte der Gegenwart: Wie gehen wir mit Hass und Diskriminierung um? Wie kann es gelingen, aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt auszubrechen, zu einem echten menschlichen Miteinander zu finden? „Der lautlose Tanz des Lebens“ ist eine filmische Meditation – jenseits klassischer Porträtfilme. Er erlaubt es dem Zuschauer, in die Stille und Langsamkeit der Mojave-Wüste einzutauchen, die Verbundenheit allen Lebens zu entdecken und Teil des lautlosen Tanzes zu werden. Der Dokumentarfilm ist eine Begegnung mit einer außergewöhnlichen Frau, inneren Dämonen, den Schönheiten und Schrecken der Wüste.
Hier der Link zum Film:

https://www.arte.tv/de/videos/062923-000-A/der-lautlose-tanz-des-lebens/

 

Heiliger Tanz

Foto: © wak

Von dem Tanz eines Zaddiks* wird erzählt: Sein Fuß war leicht wie eines vierjährigen Kindes. Und alle, die sein heiliges Tanzen sahen – da war nicht einer, der nicht zu sich heimgekehrt wäre; denn er wirkte im Herzen aller, die es sahen, beides, Weinen und Wonne in einem.

Aus dem Chassidismus

* Zaddik: Rechtschaffener oder Gerechter – religiöser Titel für einen hoch angesehenen, als heilig oder moralisch herausragend geachteten Mann im Chassidismus

Große Vollkommenheit

Pyar Rauch in einem Beitrag im „Wegweiser-Magazin“ unter der Überschrift „Umwelt-Bewusstsein“. Mehr hier: https://wegweiser-magazin.de/wp-content/uploads/2019/07/WW-04-2019.pdf

Tanz: Brücke zwischen Himmel und Erde

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Die Magie des heiligen oder sakralen Tanzes baut eine Brücke zwischen Himmel und Erde. Wenn man sie sich in einem Flammenkreis vorstellt, versinnbildlicht sie das Dasein, das, wenn aufgehoben, im Leben mündet.
So führt zum Beispiel der Tanz der Derwische in kreisartiger Bewegung von der Peripherie zum Zentrum, also zum Wesen des spirituellen Daseins, in einem Wort: zur Brücke.
Der Tanz überträgt auf seine Weise die geheimnisvollen Werte der Religionen, weshalb man behauptete, er sei göttlichen Ursprungs. Er ist die Sprache des Unbewussten und drückt Werte aus die sich im tiefsten Grunde des Wesens verbergen.
Durch den Tanz offenbart sich die Poesie des Rhythmus, denn die Poesie ist eine Gabe des Lebens. Kriegerisch, kraftvoll, erotisch, mystisch versucht der Tanz auszudrücken, dass Energien auf allen Ebenen des Universums schwingen. Er übermittelt eine Boschaft, die erhebt, weil sie Botschaft der Harmonie ist.

Frédéric Lionel (1908 – 1999)

 

Einheit hinter der Vielheit

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Ich glaube an nichts in der Welt so tief, keine andere Vorstellung ist mir so heilig wie die Einheit, die Vorstellung, dass das Ganze der Welt eine göttliche Einheit ist und dass alles Leiden, alles Böse nur darin besteht, dass wir einzelne uns nicht mehr als unlösbare Teile des Ganzen empfinden, dass das Ich sich zu wichtig nimmt.
Die Einheit, die ich hinter der Vielheit verehre, ist keine langweilige, keine graue, gedankliche, theoretische Einheit. Sie ist ja das Leben selbst, voll Spiel, voll Schmerz, voll Gelächter. Sie ist dargestellt worden im Tanz des Gottes Shiva, der die Welt in Scherben tanzt, und in vielen anderen Bildern, sie weigert sich keiner Darstellung, keinem Gleichnis. Du kannst jederzeit in sie eintreten, sie gehört dir in jedem Augenblick, wo du keine Zeit, keinen Raum, kein Wissen, kein Nichtwissen kennst, wo du aus der Konvention heraustrittst, wo du in Liebe und Hingabe allen Göttern, allen Menschen, allen Welten, allen Zeitaltern angehörst.

Hermann Hesse (1877-1962)

Das Leben selbst

Foto: © wak

 

Die Einheit, die ich hinter der Vielheit verehre, ist keine langweilige, keine graue, gedankliche, theoretische Einheit. Sie ist ja das Leben selbst, voll Spiel, voll Schmerz, voll Gelächter. Sie ist dargestellt worden im Tanz des Gottes Shiva, der die Welt in Scherben tanzt, und in vielen anderen Bildern, sie weigert sich keiner Darstellung, keinem Gleichnis. Du kannst jederzeit in sie eintreten, sie gehört dir in jedem Augenblick, wo du keine Zeit, keinen Raum, kein Wissen, kein Nichtwissen kennst, wo du aus der Konvention heraustrittst, wo du in Liebe und Hingabe allen Göttern, allen Menschen, allen Welten, allen Zeitaltern angehörst.

Hermann Hesse (1877-1962)

Ich lobe den Tanz!

tanzFoto: © wak

 

Ich lobe den Tanz!
denn er befreit den Menschen
von der Schwere der Dinge
bindet den Vereinzelten
an die Gemeinschaft.

Ich lobe den Tanz
der alles fordert und fördert:
Gesundheit und klaren Geist
und eine beschwingte Seele.

Tanz ist Verwandlung
des Raumes, der Zeit, des Menschen
der dauernd in Gefahr ist
zu zerfallen ganz Hirn
Wille oder Gefühl zu werden.

Der Tanz dagegen fordert
den ganzen Menschen
der in seiner Mitte verankert ist
der nicht besessen ist
von der Begehrlichkeit
nach Menschen und Dingen
und von der Dämonie
der Verlassenheit im eigenen Ich.

Der Tanz fordert
den befreiten, den schwingenden
Menschen
im Gleichgewicht aller Kräfte.

Ich lobe den Tanz!
O Mensch lerne tanzen,
sonst wissen die Engel
im Himmel mit dir
nichts anzufangen!

Autor unbekannt. Fälschlich Augustinus von Hippo (354-430) zugeschrieben