Alles durch den Einen betrachten

Symeon / Bild: Archiv

Wer dem Einen blind ist,
der ist es in allen Dingen.
Wer den Einen sieht,
der schaut alle Dinge.
Da er in dem Einen ist,
sieht er das Ganze.
Da er in dem Ganzen ist,
ist er von allem losgelöst.
Wer den Einen sieht,
betrachtet alles, sich selbst,
die Menschen und die Dinge,
durch den Einen.

Symeon der Neue Theologe (949 – 1022)

Das ganze Feuer ungemindert und ungeteilt

Symeon, der neue Theologe / Quelle: wikimedia, gemeinfrei

 

Meine Zunge entbehrt der Worte, und was in mir geschieht, sieht mein Geist wohl, aber er erklärt es nicht. Er betrachtet und will aussprechen, aber das Wort findet er nicht. Er schaut das Unsichtbare, das aller Gestalt Ledige, durchaus Einfache, nicht Zusammengesetzte und an Größe Unendliche. Denn er erblickt keinen Anfang, und kein Ende schaut er, uns ist gänzlich keiner Mitte bewusst, und weiß nicht, wie er das sagen soll, was er sieht. Etwas Ganzes erscheint, wie ich meine, und nicht mit dem Wesen selbst, sondern durch eine Teilnahme. Denn an Feuer entzündest du Feuer und das ganze Feuer empfängst du: jenes aber bleibt ungemindert und ungeteilt wie vordem.

Symeon der neue Theologe (ca. 970 – 1040) in: Aus den LIebesgesängen an Gott

Den Ort des Herzens finden

Symeon | Bildquelle wikimedia/gemeinfrei

Richte deine leiblichen Augen mitsamt dem ganzen Geist auf die Mitte des Bauches, also auf den Nabel, und zwinge den Atem, der durch die Nase kommt, indem du nicht mehr atmest, wie es beliebt, und versuche im Geiste, in deinem Inneren den Ort des Herzens zu finden.

Symeon der Neue Theologe (966 – 1024)