Die Begegnung mit Gott suchen

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Der Mystiker sucht die Begegnung mit Gott. Sein Bild von Gott wird von der Vorstellungswelt der Gesellschaft, in der er lebt, geprägt. Die institutionalisierte Religion ist immer der Ausgangspunkt des Mystikers. Doch auf seiner Suche nach Gott entfernt er sich von dieser Religion, die Gott zu einem Objekt des Wissens gemacht hat, über den alles in der Glaubenslehre gesagt ist. Der Mystiker will nicht alte, festgelegte Dogmatik, sondern neue, lebendige Erfahrung. Insofern hat die Mystik eine Tendenz zur Ketzerei. Die Offenbarung Gottes betrachtet sie nicht als einen abgeschlossenen Akt, sondern als eine andauernde Tätigkeit: Gott offenbart sich fortwährend in seiner Schöpfung und ist deshalb auch immer wieder neu in ihr zu entdecken. Der Weg zu dieser Entdeckung führt einmal über die Anschauung der äußeren Natur, die meistens als eine Stufenfolge betrachtet wird, Stufe für Stufe führt der Weg vom Niedrigsten zum Höchsten hinauf; zum anderen führt der Weg nach Innen, es ist das »Loslassen« alles Äußeren, Äußerlichen, auch des eigenen Wünschens und Wollens; das ist der Weg der Meditation. Alle Anstrengung, diesen Weg zu beschreiten, hilft jedoch letztlich nicht; denn die Erleuchtung, die mystische Schau, kann nicht willentlich her- beigeführt werden: sie ereignet sich.

Hans Dieter Zimmermann im Vorwort zu dem von ihm herausgegebenen Buch Rationalität und Mystik. Frankfurt/M. 1981, S. 14

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Stufen der Wahrheit

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Da es also drei Stufen oder Formen der Wahrheit gibt, so steigen wir zur ersten durch die Mühsal der Demut, zur zweiten durch das Gefühl des Mitleids, zur dritten durch Entzückung und Beschauung empor. Auf der ersten Stufe findet man die Wahrheit streng, auf der zweiten barmherzig, auf der dritten rein. Zur ersten Stufe führt die Vernunft, durch die wir uns auf Herz und Nieren. prüfen. Zur zweiten Stufe führt die Liebe, durch die wir mit andern Erbarmen fühlen. Zur dritten Stufe reißt uns die Reinheit fort, durch die wir uns zum Unsichtbaren erheben.

Bernhard von Clairvaux (um 1090 – 1153)

Im Strom der Erleuchtung

Die rechte Erkenntnis ist verwirklicht, wenn es weder Subjekt noch Objekt des Erkennens gibt. In der Übung im Strom der Erleuchtung lassen sich weder Stufen noch Unterscheidungen erkennen. Dort, wo es weder den Meditierenden noch die Übungsobjekte gibt, ist das Nicht-Abweichen von der Übung verwirklicht. Wenn im klaren Licht der Erkenntnis das “Bedingte Entstehen” wie auch Subjekt und Objekt als leer erkannt werden und weder Handeln noch Handelnder wahrnehmbar sind, hat das Handeln seine Vollendung erreicht.

Milarepa (1052-1135)

Der Mystiker sucht die Begegnung mit Gott

Der Mystiker sucht die Begegnung mit Gott. Sein Bild von Gott wird von der Vorstellungswelt der Gesellschaft, in der er lebt, geprägt. Die institutionalisierte Religion ist immer der Ausgangspunkt des Mystikers. Doch auf seiner Suche nach Gott entfernt er sich von dieser Religion, die Gott zu einem Objekt des Wissens gemacht hat, über den alles in der Glaubenslehre gesagt ist. Der Mystiker will nicht alte, festgelegte Dogmatik, sondern neue, lebendige Erfahrung. Insofern hat die Mystik eine Tendenz zur Ketzerei. Die Offenbarung Gottes betrachtet sie nicht als einen abgeschlossenen Akt, sondern als eine andauernde Tätigkeit: Gott offenbart sich fortwährend in seiner Schöpfung und ist deshalb auch immer wieder neu in ihr zu entdecken. Der Weg zu dieser Entdeckung führt einmal über die Anschauung der äußeren Natur, die meistens als eine Stufenfolge betrachtet wird, Stufe für Stufe führt der Weg vom Niedrigsten zum Höchsten hinauf; zum anderen führt der Weg nach Innen, es ist das »Loslassen« alles Äußeren, Äußerlichen, auch des eigenen Wünschens und Wollens; das ist der Weg der Meditation. Alle Anstrengung, diesen Weg zu beschreiten, hilft jedoch letztlich nicht; denn die Erleuchtung, die mystische Schau, kann nicht willentlich her- beigeführt werden: sie ereignet sich.

Hans Dieter Zimmermann im Vorwort zu dem von ihm herausgegebenen Buch Rationalität und Mystik. Frankfurt/M. 1981, S. 14

Bleib entschlossen und fest

Laß ab von all deinen früheren Einbildungen, Meinungen, Deutungen und weltlichen Erkenntnissen, von Verstandesdünkel, Selbstsucht und Überlegenheitsstreben. Werde wie ein abgestorbener Baum, wie kalte Asche. Wenn du den Punkt erreichst, wo Gefühle aufgehört haben, Anschauungen sich verflüchtigt haben und dein Geist rein und bloß ist, öffnest du dich der Zen-Verwirklichung.

Danach kommt es darauf an, Beständigkeit zu entwickeln, den Geist stets von allen Verfälschungen freizuhalten. Ist da auch nur das geringste Schwanken, so besteht keine Hoffnung, die Welt zu überwinden.

Bleib in jeder Lage entschlossen und fest, dann wirst du Frieden haben. Wenn man dich keiner Stufe zuordnen kann, weder der des Weisen noch der der gewöhnlichen Menschen, dann bist du wie ein dem Käfig entkommener Vogel.

Yuan-wu K`o-ch`in (1063 – 1135)

Klares Licht der Erkenntnis

Die rechte Erkenntnis ist verwirklicht, wenn es weder Subjekt noch Objekt des Erkennens gibt. In der Übung im Strom der Erleuchtung lassen sich weder Stufen noch Unterscheidungen erkennen. Dort, wo es weder den Meditierenden noch die Übungsobjekte gibt, ist das Nicht-Abweichen von der Übung verwirklicht. Wenn im klaren Licht der Erkenntnis das “Bedingte Entstehen” wie auch Subjekt und Objekt als leer erkannt werden und weder Handeln noch Handelnder wahrnehmbar sind, hat das Handeln seine Vollendung erreicht.

Milarepa (1052-1135)

Klares Licht der Erkenntnis

Rechte Erkenntnis ist verwirklicht, wenn es weder Subjekt noch Objekt des Erkennens gibt. In der Übung im Strom der Erleuchtung lassen sich weder Stufen noch Unterscheidungen erkennen. Dort, wo es weder den Meditierenden noch die Übungsobjekte gibt, ist das Nicht-Abweichen von der Übung verwirklicht. Wenn im klaren Licht der Erkenntnis das „Bedingte Entstehen“ wie auch Subjekt und Objekt als leer erkannt werden und weder Handeln noch Handelnder wahrnehmbar sind, hat das Handeln seine Vollendung erreicht.

Milarepa (1052-1135)