Die Welt ist ein geistiges Ding

Die Welt erobern und behandeln wollen,
ich habe erlebt, daß das mißlingt.

Die Welt ist ein geistiges Ding,
das man nicht behandeln darf.

Wer sie behandelt, verdirbt sie,
wer sie festhalten will, verliert sie.

Die Dinge gehen bald voran, bald folgen sie,
bald hauchen sie warm, bald blasen sie kalt,
bald sind sie stark, bald sind sie dünn,
bald schwimmen sie oben, bald stürzen sie.

Darum meidet der Berufene
das Zusehr, das Zuviel, das Zugroß.

Lao Tse (zwischen 600 und 300 v. u.Z.)

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In der Gegenwart leben

Der Mensch schiebt auf oder erinnert sich; er lebt nicht in der Gegenwart, sondern beklagt mit rückwärts gerichtetem Blick die Vergangenheit oder stellt sich ungeachtet des Reichtums, der ihn umgibt, auf die Zehenspitzen, um die Zukunft vorherzusagen. Er kann nicht glücklich und stark sein, bis er auch mit der Natur in der Gegenwart lebt – über der Zeit.

Ralph Waldo Emerson (1803-1882)

Den Panzer der Seele durchbrechen

Bemüht euch, mehr darauf zu achten, was Gott im Innern zu euch sagt, als was euch von außen ein Mensch zuspricht. Denn diese innere Stimme ist die überwältigende und starke Stimme (Psalm 29,4), die die Wüsten erschüttert, die verschlossensten Bereiche sprengt, den starren Panzer der Seelen durchbricht.

Bernhard von Clairvaux (ca. 1090 – 1153)

Geheime Erleuchtung

Was man zusammenziehen will,
das muss man erst sich richtig ausdehnen lassen.

Was man schwächen will,
das muss man erst richtig stark werden lassen.

Was man beseitigen will,
das muss man erst richtig sich ausleben lassen.

Wo man nehmen will,
da muss man erst richtig geben.

Das heißt die geheime Erleuchtung.

Laotse ( 6. Jh. v.u.Z.) im Tao Te King, Vers 36

Weichheit und Schwäche

Sind Waffen stark,
so bersten sie.
Ist ein Baum stark,
so zerbricht er.
Weichheit und Schwäche
sind Gesellen des Lebens,
Festigkeit und Stärke
sind Gesellen des Todes.

Laotse (6. Jh. v.u.Z.) im: Tao Te King – Das Buch des Alten vom Sinn und Leben. Düsseldorf/Köln 1952, S. 80-81.