Heinrich Böll als kritischer Katholik

Ein weites Feld, könnte man sagen, wenn es um das Verhältnis von Heinrich Böll zur katholischen Kirche geht. Zwischenzeitlich bezeichnete er sich als LiKaKi, als Linkskatholischer Kirchgänger. Aber gespannt war diese Beziehung wohl immer.

Ein Ausdruck davon war der Beitrag den Heinrich Böll, der dieses Jahr 100 geworden wäre, für die Festschrift des Jesuiten Karl Rahner geschrieben hatte. Im August 1973 schickte er den Text an die Herausgeber, doch in der Festschrift erschien der Artikel nicht. Nachgefragt antwortete mir Heinrich Böll mit diesem Brief:

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Der Beitrag erschien dann später doch noch in der Zeitschrift Publik Forum 4(1975), Nr. 12, S. 3 – 5.

Wie verletzt sich Böll durch Teile der Katholischen Kirche fühlte, macht m.E. der Absatz deutlich, in dem er schreibt:

„… weil ich keine Lust habe, Anlass oder Einstig irgendeines ‚Skandals‘ in einem Milieu zu sein, dessen Presse, die widerwärtigste ist, die ich kenne…“

 

 

 

Beginenmystik und Meister Eckhart

Der starke Einfluss der Beginenmystik auf Meister Eckhart ist biographisch zwar gut belegt, wird aber in der Rezeption der Lehre von Meister Eckhart meist nur eher am Rande erwähnt. Dabei sind die Parallelen zwischen Beginenmystik und der mystischen Lehre Meister Eckharts an vielen Stellen offensichtlich.

Die Abschwächung von Meister Eckhart besteht hauptsächlich darin, dass er die reale, körperlich sich manifestierende Liebesvereinigung mit dem „himmlischen Bräutigam“ zu einer rein geistigen Angelegenheit umdeutet. Damit vermindert er den Skandal der geistlichen Erotik, den die Beginenmystik in der Amtskirche ausgelöst, aber versucht zugleich, viel von deren Sinngehalt zu bewahren.

Stefan Blankertz in „Heilende Texte: Meister Eckhart“. Herausgegeben und eingeleitet von Erhard Doubrawa. Wuppertal 2005, S. 150-151