Allen Krankheiten und Leiden ein Ende setzen

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Als nun, Manjushri, dieser Meister des Heilens, dieser Tathagata im Lapislazuli-Glanz, Erleuchtung erreichte, war er aufgrund der Kraft seiner grundlegenden Gelübde fähig, alle Geschöpfe zu sehen und über sie zu wachen. Einige dieser Geschöpfe litten an Krankheiten, sie waren ausgezehrt, hatten hohes Fieber, Gelbsucht usw. Andere waren den verderblichen Giften von Dämonen ausgeliefert; noch andere würden ein kurzes Leben haben oder befanden sich an der Schwelle des vorzeitigen Todes. Als er dies sah, hatte er den Wunsch, all diesen Krankheiten und Leiden ein Ende zu setzen und den Wünschen der Geschöpfe zur Erfüllung zu verhelfen. Zu dieser Zeit ging der Erhabene in den Samadhi ein, „der die Leiden aller Wesen vertreibt“. Als er in diesem Samadhi weilte, ging ein strahlendes Licht von der Urna zwischen seinen Augenbrauen aus, und aus ihrer Mitte ertönte der Klang der großen Dharani:

Namo bhagavate bhaisajyaguru-vaidurya prabha-rajaya tathagataya arhate samyak-sambuddhaya tadyatha. Om bhaisajye bhaisajye bhaisajya-samudgate svaha.

Als der Klang dieser Dharani inmitten des strahlenden Lichts verklungen war, hörte man ein lautes Dröhnen, die Erde erbebte, und ein großer Lichtschein wurde sichtbar. Alle Wesen waren von ihren Leiden und Krankheiten frei und gelangten zu Frieden und Glück.

Der vollständige Text des Medizin-Buddha-Sutra findet sich hier: http://www.phathue.de/buddhismus/dharma/medizin-buddha-sutra/

Zwiegespräch zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Das Gebet entspringt jener Schwelle, an der Seele und Leben ineinanderfließen; es ist das Zwiegespräch zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Dies beschränkt sich keineswegs auf die Gelegenheiten, da wir Gebete in Worte fassen. Das Gebet ist ein tieferer und Dialog, der sich in uns vollzieht. In diesem Sinne ist das innere Leben jedes Menschen ein fortwährendes Gebet, das mit der ersten Regung im Mutterleib einsetzt und mit dem letzten Atemzug endet, bevor wir in die unsichtbare Welt zurückkehren.

John O’Donohue (1956 – 2008) in: Echo der Seele. Von der Sehnsucht nach Geborgenheit. München 1999, S. 239 – 240

Die Welt der Beziehung errichten

Martin Buber-Denkmal in Heppenheim | Foto: © wak

Drei sind die Sphären, in denen sich die Welt der Beziehung errichtet.

Die erste: das Leben mit der Natur. Da ist die Beziehung im Dunkel schwingend und untersprachlich. Die Kreaturen regen sich uns gegenüber, aber sie vermögen nicht zu uns zukommen, und unser Du-Sagen zu ihnen haftet an der Schwelle der Sprache.

Die zweite: das Leben mit den Menschen. Da ist die Beziehung offenbar und sprachgestaltig. Wir können das Du geben und empfangen.

Die dritte: das Leben mit den geistigen Wesenheiten. Da ist die Beziehung in Wolke gehüllt, aber sich offenbarend, sprachlos, aber sprachzeugend. Wir vernehmen kein Du und fühlen uns doch angerufen, wir antworten – bildend, denkend, handelnd: wir sprechen mit unserm Wesen das Grundwort, ohne mit unserm Munde Du sagen zu können.

Martin Buber  (1878 – 1965)  in „Ich und Du“

 

Wirklichkeit Gottes

Im Schweigen überschreiten wir die Schwelle zum Reich der unabgeleiteten, ohne Ursache verursachenden Wirklichkeit. Wir steigen hinab zum Grund, bis zu jenem Punkt, an dem Gottes Gegenwart erfahrbar wird. Freilich bezeugt diese Wirklichkeit nicht den Gott der Philosophen oder den logisierten Gott der Theologen, sondern jene feurige Gottheit, die uns mit ihrem Gluthauch anfällt und die das Vergängliche in uns gleichsam ausbrennt. Es ist jene Wirklichkeit Gottes, über die sich kein kluges Geschwätz mehr anstellen lässt und über die es keine Gottesbegriffe, keine Gottesbilder mehr geben kann.

Alfons Rosenberg (1902 – 1985)

Das Tal der Erkenntnis

Wenn der Wanderer in dieses Tal eingetreten ist, verschwindet er wie die Erde unter seinen Füssen. Er wird verloren sein,denn das einzigeWesen wird offenbar sein. Er wird stumm sein, denn das einzige Wesen wird reden. Der Teil wird das Ganze werden, oder vielmehr er wird weder Teil noch Ganzes sein. Es wird eine Gestalt ohne Körper und Seele sein . . Was ist der Verstand? Er ist an der Schwelle des Tores geblieben, wie ein blindgeborenes Kind. Wer etwas von diesem Geheimnis gefunden hat, wendet das Haupt vom Reiche beider Welten ab…
Das Wesen, das ich verkündige, ist nicht gesondert da; die ganze Welt ist dieses Wesen; Sein oder Nichtsein, es ist immer dieses Wesen. …

Fariduddin Attar (* um 1136 – † 1220 oder 3. November 1221)
„Das Tal der Erkenntnis“ in „Die sieben Täler“ (Aus dem „Gespräch der Vögel“)

Im Schweigen überschreiten wir die Schwelle

Im Schweigen überschreiten wir die Schwelle zum Reich der unabgeleiteten, ohne Ursache verursachenden Wirklichkeit. Wir steigen hinab zum Grund, bis zu jenem Punkt, an dem Gottes Gegenwart erfahrbar wird. Freilich bezeugt diese Wirklichkeit nicht den Gott der Philosophen oder den logisierten Gott der Theologen, sondern jene feurige Gottheit, die uns mit ihrem Gluthauch anfällt und die das Vergängliche in uns gleichsam ausbrennt. Es ist jene Wirklichkeit Gottes, über die sich kein kluges Geschwätz mehr anstellen lässt und über die es keine Gottesbegriffe, keine Gottesbilder mehr geben kann.

Alfons Rosenberg (1902 – 1985)