Gestaltlose Gestalt

Einst betrat ein Sannyasin den Tempel von Jagganath. Während er das Gottesbild betrachtete, überlegte er bei sich, ob Gott wohl eine Gestalt habe oder gestaltlos sei. Er bewegte einen Stab von links nach rechts, um zu spüren, ob dieser an das Bildnis stoße. Der Stab stieß an nichts. Der Sannyasin entnahm daraus, daß da gar kein Bildnis vor ihm stehe, und schloß, daß Gott gestaltlos sei. Dann bewegte er den Stab von rechts nach links. Dieser stieß an das Bild. Der Sannyasin entnahm daraus, daß Gott eine Gestalt habe. So ward er inne, daß Gott Gestalt habe und doch auch wieder gestaltlos sei

The Gospel of Shri Ramakrishna. New York, 1942,S. 858

Geist und Körper, Subjekt und Objekt

Der Urzustand ist vor, aber nicht jenseits der Welt der dualistischen Form. In ihm gibt es daher kein Subjekt und Objekt, kein Inneres und Äußeres, kein Links und Rechts.
Alle diese Dualitäten entstehen fortwährend, aber es sind relative Wahrheiten, nicht die absolute oder Urwahrheit selbst. Die Urwahrheit ist das Läuten; die relative Wahrheit ist das „Ich“ und die „Glocke“, Geist und Körper, Subjekt und Objekt.

Ken Wilber (*1947)