Die Quelle des Dämons ist unser eigener Geist

 

Die Quelle des Dämons
ist unser eigener Geist.
Ergreift dieser die Phänomene
und hält an ihnen fest,
wird er zur Beute des Dämons.
Hält er sich selbst für ein Objekt,
vergiftet er sich.

Macig Labdrön (1055 – 1153)

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Das Objekt unseres Dürstens hat viele Namen – Neu bei „alkoholundspirit“

Screenshot der Startseite von https://alkoholundspirit.wordpress.com/

Das Objekt unseres Dürstens hat viele Namen: Das Selbst, die schöpferische Energie, die Kraft der Liebe, die göttliche Mutter, unsere Buddha-Natur, das Tao oder das kosmische Bewusstsein. Gläubige sprechen vom Großen Geist, von Christus, vom Geliebten im Inneren, von der Quelle unserer Inspiration, von unserer höheren Macht oder Gott, um nur einige Bezeichnungen zu nennen. Obwohl dies eine unbeschreibliche Macht jenseits aller möglichen Etikettierungsversuche ist, müssen wir Worte verwenden, wenn wir darüber sprechen wollen.

Christina Grof (1941–2014) in ihrem Buch: Sehnsucht nach Ganzheit. Der spirituelle Weg aus der Abhängigkeit. München 1993

Mehr hier: https://alkoholundspirit.wordpress.com/0-1-stand-der-dinge/ und hier:  https://alkoholundspirit.wordpress.com/

Der Glaube hat kein Objekt

Raimon Panikkar

Die Mystiker, auch die christlichen Mystiker, verfeinern das Gottesbild so sehr, dass Gott im Dunkeln bleibt und das Mysterium so nahe kommt, dass sie sich sogar weigern zu sagen, dass sie von Gott sprechen dürfen. Einer der Kirchenväter sagt, dass wenn jemand behauptet, dass er Gott gesehen hat, er weder die mystische Erfahrung gehabt, noch Gott gesehen hat. Das richtet sich gegen die Objektivierbarkeit beziehungsweise Denkbarkeit. Das Denken hat ein Objekt, das Denken denkt Objekte. Der Glaube hat kein Objekt. Hätte der Glaube ein Objekt, so wäre es gerade das, was sämtliche monotheistischen Traditionen als die Hauptsünde bezeichnen, nämlich Idolatrie. Man macht sich aus Gott ein Idol beziehungsweise einen Begriff.

Raimon Panikkar (1918 – 2010) in: Das Abenteuer Wirklichkeit. München 2000, S. 25-26

Mehr zu Panikkar hier: http://raimon-panikkar.org/english/home.html

Wie sich für Buddha die Erleuchtung anfühlte

Die Erleuchtung fühlte sich für Gautama Buddha an, als sei ein Gefängnis, das ihn Tausende von Lebzeiten umschlossen hatte, nun aufgebrochen. Unwissenheit war der Wärter dieses Gefängnisses gewesen. Unwissenheit hatte seinen Geist verdunkelt, so wie die stürmischen Wolken den Mond und die Sterne verbargen. Von endlosen Wogen täuschender Gedanken getrübt, hatte der Geist die Wirklichkeit in Subjekt und Objekt geteilt, in Selbst und Andere, Sein und Nicht-Sein. Und aus diesen Unterscheidungen entstanden die falschen Sichtweisen – die Gefängnisse von Empfindung, Begierde, Ergreifen und Werden.
Das Erleiden von Geburt, Alter, Krankheit und Tod machte die Gefängnismauern nur noch dicker. Es gab nur eins zu tun: den Gefängniswärter zu ergreifen und sein wahres Gesicht zu schauen. Der Gefängniswärter war die Unwissenheit. Und das Mittel, die Unwissenheit zu überwinden, war der Edle Achtfache Pfad. War der Gefängniswärter erst fort, dann würde auch das Gefängnis verschwinden und niemals wieder aufgebaut werden.

Thich Nhat Hanh (* 1926)

Transformieren aller Unterschiede

Wir erhalten Erfahrungen von der Wissenschaft, von naturwissenschaftlichen Entdeckungen, von der Geschichte, von historischen Offenbarungen, von der Philosophie, von philosophischen Daten, von Religion und von philosophischen Lehren. In diesen Erfahrungen sehen wir die Gegenwart, die Anwesenheit von Subjekt und Objekt, von Essenz und Existenz, von Vision und Wirklichkeit. Aber eine mystische Erfahrung, welche sofortiges Einssein ist, übersteigt, transformiert alle solche Unterschiede. Diese Erfahrung ist das konstante Einsein mit dem Jenseits, das sich immer transcendierende Jenseits das immer unaussprechlich bleibt. Mystik, arme Mystik! Wenn sie zu vereinfacht und unterschätzt wird, kommt sie von ihrer ursprünglichen Sphäre herunter und steht neben der Religion. Aber sogar hier, wenn eine Person aufrichtig ist, wird sie realisieren, dass ihre höchsten religiösen Erfahrungen, nicht mehr als eine unsichere, unklare, schwache Wahrnehmung der Wahrheit ist. Wogegen es keine Rolle spielt was sie für eine mystische Erfahrung hat, sie wird Intensität, Unermesslichkeit und Sicherheit der Wahrheit fühlen. Wir müssen auch wissen, dass religiöse Ekstase und mystische Ekstase nicht die gleiche Rolle in unserem innern Leben spielen. Die religiöse Ekstase bezieht sich meistens auf das Menschliche in uns. Diese Ekstase ist im eingeschränkten Körperbewusstsein, im disziplinierten oder undisziplinierten Vitalen, im erleuchteten oder unerleuchteten Verstand, und im reinen oder unreinen Herz. Aber die mystische Ekstase bringt uns sofort ins Jenseits, wo wir vom ewigen Leben umarmt werden, genährt werden vom alles ernährenden Licht und von der transzendalen Wahrheit gesegnet werden. Primitive Religionen offerierten Ekstase im Vitalen im körperlichen Verstand und im wünschenden Herz. Sehr fortgeschrittene Mystik offeriert nun ihre Ekstase in unendlichem Masse um die Seelen zu befreien und in unendlichem Masse den Seelen die nahe vor der Befreiung stehen.

Chinmoy Kumar Ghose (1931 – 2007) in einem Vortrag über Mystik