Den Fuß jedes Wesens mit der Kette der Individualisierung gefesselt

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O du heiliges Tal und absolute Existenz – wie sehr auch der lautere Grund der Stufe Deiner Absolutheit das Gestrüpp der zusätzlichen Zuschreibungen von sich gefegt hat und im eigenen Auge von all diesen begrenzten Beziehungen frei ist, so schlägt doch das gesamte Wanderdünenland der imaginären Kontingenzen auch in dieser Weite Wellen und fesselt den Fuß jedes Wesens mit der Kette der Individualisierung.

Khwaja Mir Dard (1720-1785)

Schule der Weisheit

Bild: Archiv

Der ist gelehrt,
Wer nichts für sich begehrt,
Wer nichts will sein bei allen,
Wer sich auch selbst nicht will gefallen,
Wer in sich selbst nichts find’t,
Als daß er wie ein kleines Kind
Sonst nichts will wissen, nichts will denken,
Als in sein Nichts sich zu ersenken.
O schönes Nichts,
Du Fülle alles Lichts,
Du Sonne voller Klarheit,
Du Brunnen aller reinen Wahrheit,
Verborgnes Winkelein,
So unansehnlich und so klein,
Wer sollte das von dir, du armes Häuslein, denken,
Daß du uns würdest so die wahre Weisheit schenken!

Gerhard Tersteegen (1697–1769) in: Geistliches Blumengärtlein