Schrei der Weltseele

Wir leben in einer Zeit der Umweltzerstörung, in der sich unsere materialistische Kultur auf unser Ökosystem verheerend ausgewirkt hat. Unsere Flüsse sind vergiftet, die Regenwälder abgeholzt und niedergebrannt, weite Landstriche aufgrund unserer unersättlichen Gier nach Öl, Gas und Mineralien in Ödland verwandelt. Wir haben die Erde verschmutzt, geschändet und geplündert, so dass sie sich jetzt in einem gefährlichen Zustand des Ungleichgewichts befindet, den wir Klimawandel nennen. Wenn wir es wagen hinzuhören, ist es die Schöpfung selbst, die jetzt nach uns ruft und uns Zeichen ihres Ungleichgewichts schickt. Wir können diese Zeichen in den zunehmenden Überschwemmungen und Dürren erkennen, in den Böden fühlen, die durch Pestizide vergiftet wurden, und jene, deren Herzen offen sind, hören vielleicht den Schrei der Weltseele, des spirituellen Wesens unserer Mutter, der Erde. Es ist ein Schrei der Not und Verzweiflung darüber, dass die Menschheit, die dazu bestimmt war, die Hüterin des Planeten zu sein, ihre Verantwortung vergessen hat und die Erde stattdessen in einem globalen Ausmaß entheiligt und zerstört.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in dem Text „Für die Erde beten“

 

Den ganzen Text kann man hier lesen:

http://www.goldensufi.org/g_fur_die_erde_beten.html

O Heiland, reiß die Himmel auf

advent1Foto © wak

 

O Heiland, reiß die Himmel auf,
Herab, herab, vom Himmel lauf !
Reiß ab vom Himmel Tor uns Tür,
Reiß ab, wo Schloß und Riegel für !

O Gott, ein‘ Tau vom Himmel gieß;
Im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
Den König über Jakobs Haus.

O Erd‘, schlag aus, schlag aus, o Erd‘,
Daß Berg und Tal grün alles werd‘
O Erd‘, herfür dies Blümlein bring,
O Heiland, aus der Erden spring.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
Darauf sie all‘ ihr‘ Hoffnung stellt ?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
Komm tröst uns hie im Jammertal.

O klare Sonn‘, du schöner Stern,
Dich wollten wir anschauen gern.
O Sonn‘, geh auf, ohn‘ deinen Schein
In Finsternis wir alle sein.

Hie leiden wir die größte Not,
Vor Augen steht der ewig‘ Tod;
Ach komm, führ uns mit starker Hand
Vom Elend zu dem Vaterland.

Friedrich Spee von Langenfeld S.J. (1591-1635) Köln, 1623

Gott gebe mir die Gelassenheit

Gott gebe mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut Dinge zu ändern, die ändern kann
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Nur für den heutigen Tag zu leben,
mich nur des jetzigen Augenblicks zu erfreuen,
meine heutige Not als Weg zu deinem Frieden anzunehmen,
diese sündhafte Welt – wie Er es getan hat –
so zu nehmen, wie sie ist
und nicht, wie ich sie haben möchte.
Darauf zu vertrauen, dass Er die Dinge richtig vollendet.
Wenn ich mich seinem Willen völlig hingebe,
so dass mein heutiges Leben
mit bescheidener Glückseligkeit erfüllt sein möge –
und mit vollkommener Glückseligkeit mit Ihm
im nächsten Leben auf Ewigkeit.

Reinhold Niebuhr (1892 – 1971)

 

Zur Geschichte des Textes ist nachfolgende Information hilfreich:

http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/handschriften/bestand/nachlaesse-und-autographen/oetinger-archiv/gelassenheitsgebet/

Teil der Erde, die aufschreit

Unsere Gebete werden immer vom Herzen gehört, selbst wenn wir erst einmal mit den  Füßen oder Händen die Verbindung mit der Erde aufnehmen. Fühlen wir wirklich ihr Leiden, spüren wir ihre Not? Fühlen wir diese Verbindung zur Schöpfung, begreifen wir, wie wir Teil dieses wunderbaren und leidenden Wesens sind? Dann sind unsere Gebete lebendig, ein lebendiger Strom, der aus unseren Herzen fließt. Dann wird jeder Schritt und jede Berührung ein Gebet für die Erde sein, eine Erinnerung an das, was heilig ist. Wir sind Teil der Erde, die nach ihrem Schöpfer ruft, die in der Zeit ihrer Not aufschreit.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in dem Text „Für die Erde beten“

Der ganze Text ist hier zu lesen:
http://www.goldensufi.org/g_fur_die_erde_beten.html

In Not geraten

Der Mensch ist gerade durch die Leistungen der Vernunft in die größte Not geraten. Die ganze Welt ist bereits psychisch krank, und die Krankheit schreitet mit Riesenschritten fort. Das gilt wenigstens von der westlichen Welt. Die östliche Hälfte, die Wissenschaft und Technik vom Westen übernommen hat und sie sich immer mehr zu eigen macht, wird, falls der Prozess in der gegenwärtigen Richtung fortschreitet, demselben Schicksal nicht entgehen.

Hugo M. Enomiya-Lassalle S.J. in seinem Buch „Zen unter Christen“, Graz/Wien/Köln 1973, S. 57-58

Das Selbst ist immer da

Das Selbst ist immer da; nur die Aussicht darauf ist versperrt – durch dein Nicht-Wissen, deinen Ich-Wahn. Beseitige sie, und die Erkenntnis leuchtet auf, dass du in Wahrheit das unendlich reine Sein bist, das absolute Selbst. Dann fallen Unwissenheit und Ungewissheit von Dir ab, und mit ihnen Kummer und Not. Da die Wirklichkeit des Selbst immer da ist, braucht sie nicht erst „erreicht“ zu werden. Sie ist ja nichts Neues, nichts außer dir, sie ist in dir, auch jetzt und hier. Sei du selbst – und alle Zweifel und Wünsche verschwinden.

Ramana Maharshi (1879-1950)