Auf dem Weg der Wahrheit

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Der Weg, den der Meister zeigt, ist endgültig und direkt; die Einheit ist sein Ziel; er ist seit langem erprobt, natürlich, frei von Illusion und schmerzlos. Einmal auf diesem Weg, kommen weder Ängste noch Zweifel auf. Sind nicht Zweifel und Ängste Eigenschaften der Wege der Finsternis? Wie sollten sie dir also begegnen, auf dem Wege der Wahrheit, den der Meister dir zeigt? So wird der Weg selbst dich überzeugen, dass er der richtige ist.
Es bleibt also nichts anderes mehr für dich zu tun, als deinen Meister zu treffen und von ihm zu lernen. Ihr habt diesen Weg gemeinsam, Gott hat es so gewollt. Er hat ihn vor dir beschritten; jetzt zeigt er ihn dir und du folgst ihm. Wie vielen anderen wirst du den Weg zeigen? Und wie viele werden später dem gleichen Weg folgen? Daher haben Angst und Zweifel sicherlich keinen Platz auf dem Wege der Wahrheit. Wenn du einmal einen Schritt vorwärts gemacht hast, wirst du nicht mehr zurückweichen. Des Meisters Hilfe ist vor allem für den ersten Schritt erforderlich.
Es ist nicht nötig, etwas für deinen Meister zu tun, um den Weg der Wahrheit gezeigt zu bekommen. Wisse, dass er ein Bote Gottes ist, gesandt, um denjenigen den Weg zu öffnen, die durch eigene Anstrengungen gereift sind – entweder durch Liebe zu allen Wesen oder durch die Verehrung Gottes mit Name und Form oder durch beides. Der dir diesen göttlichen Boten schickt, sobald du die nötige Reife erlangt hast, das ist GOTT.

Aus „Ellam Ondre“

Unermesslich und unergründlich

Alle Wesen und alle Erleuchteten sind an sich nichts als der Eine Geist, und alles andere ist nichts. Dieser Geist ist ohne Anfang, ungeboren und unzerstörbar, ohne Form, ohne Erscheinung. Er gehört nicht zu den Dingen, die existieren oder nicht existieren. Er ist weder lang noch kurz, weder groß noch klein, denn er ist jenseits aller Beschränkungen, aller Maßeinheiten, Namen, Spuren und Vergleiche. Es ist das, was immer gegenwärtig ist – aber sobald du Begriffe davon bildest, bist du sofort im Irrtum. Dieser Geist ist unermesslich und unergründlich wie die grenzenlose Leere.

Huangbo Xiyun / Huang Po († 850)

Heilung des Herzens

Der Koran ist ein Buch über die Heilung des Herzens, wie es ausdrücklich im Koran geschrieben steht. Islam ist ein Pfad, eine Methode (din), welche Menschen bei der Entwicklung von einem Zustand des Krankseins (soghm) des Herzens zu einem Zustand des heilen Herzens (selm) hilfreich sein kann. Die Lehren des Islams sind eine Einladung an jeden Menschen, Gott um Frieden, Heilsein, Gesundsein für jedes Geschöpf auf Erden zu bitten. Salâm (Frieden im Herzen) ist der bedeutendste Name Gottes.

Seyed Mostafa Azmayesh (*1952)

Das vollständige Interview, das Helmut N. Gabel geführt hat und aus dem dieses Zitat stammt, können Sie hier nachlesen:

http://karamat.eu/artikel/wie-wir-mit-hilfe-des-korans-die-werte-unserer-zivilisation-erhalten-koennen.html

Ursprung, der keine Eigenschaft hat

Ein  Zen-Meister  wurde einmal von einem Schüler gefragt:

„Ich habe gehört, dass ein Sutra sagt:
‚Aus dem Ursprung, der keine Eigenschaft hat,
entspringt jedes einzelne Ding.’
Was ist dieser Ursprung, der keine Eigenschaft hat?“

Der Meister  antwortete dem Schüler darauf:
„Form entspringt aus Nicht-Form.
Name kommt aus Nicht-Name.“

Dorothee Sölle: Magnificat

mariahimmelfahrt

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Es steht geschrieben, dass Maria sagte
meine Seele erhebt den Herren
und mein Geist freut sich Gottes meines Heilandes
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen
siehe von nun an werden mich seligpreisen alle
Kindeskinder

Heute sagen wir das so
meine Seele sieht das Land der Freiheit
und mein Geist wird aus der Verängstigung heraus-
kommen
die leeren Gesichter der Frauen werden mit Leben er-
füllt
und wir werden Menschen werden
von Generationen vor uns, den Geopferten, erwartet

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
denn er hat grosse Dinge an mir getan, der da mächtig
ist
und dessen Name heilig ist
und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu
Geschlecht

Heute sagen wir das so
die grosse Veränderung, die an uns und durch uns
geschieht
wird mit allen geschehen – oder sie bleibt aus
Barmherzigkeit wird geübt werden, wenn die Ab-
hängigen
das vertane Leben aufgeben können
und lernen, selber zu leben.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
er übt Macht mit seinem Arm und zerstreut
die Hochmütigen
er stösst die Gewaltigen von ihren Thronen
und die Getretenen richtet er auf

Heute sagen wir das so
wir werden unsere Besitzer enteignen und über die,
die das weibliche Wesen kennen,
werden wir zu lachen kriegen
die Herrschaft der Männchen über die Weibchen wird
ein Ende nehmen
aus Objekten werden Subjekte werden
sie gewinnen ihr eigenes besseres Recht.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
Hungrige hat er mit Gütern gefüllt
und die Reichen leer hinweggeschickt
er denkt der Barmherzigkeit und hat sich Israels
seines Knechts angenommen.

Heute sagen wir das so
Frauen werden zum Mond fahren und in den Parla-
menten entscheiden
ihre Wünsche nach Selbstbestimmung werden in
Erfüllung gehen
und die Sucht nach Herrschaft wird leer bleiben
ihre Aengste werden gegenstandslos werden
und die Ausbeutung ein Ende haben.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

 

Mariä Himmelfahrt ist in Bayern und im Saarland ein gesetzlicher Feiertag…

Gott um Gottes Willen lassen

Jede Idee, jedes Konzept, jeder Name ist ein letztes Hindernis. Derjenige, welcher in den Kirchen gepredigt wird ist ein letztes Hindernis. Der einzige westliche Lehrer, den ich fand, der das begreift, ist Meister Eckhart, der sagt „Das letzte Lassen ist das Lassen Gottes um Gottes Willen“.

Joseph Campbell (1904 – 1987) in: Reflections on the Art of Living

Über alles hinaus

Gott ist namenlos. Von ihm kann niemand etwas sprechen noch verstehen. Wir können von Gott nur sprechen nach unserer Verständnisweise, und es ist ein Unterschied zwischen Gottes Sein und unserem Verstehen.
Von Gott kann man nicht einmal eigentlich sagen, dass er ist. Das kommt vom Überschwang seines lauteren Wesens. Und sage ich: Gott ist gut, so ist das nichts eigentlich; ich bin gut, Gott ist es nicht. Sage ich: Gut, besser, bestes – er ist über alles hinaus.

Meister Eckhart (1260-1328)

Durch Gott beschenkt

Wenn ich sage, dass man Gott auch in eurer Zeit wie in meiner eigenen unmittelbar begegnen könne, so ist wirklich Gott gemeint, der Gott der Unbegreiflichkeit, das unsagbare Geheimnis, die Finsternis, die nur dem das ewige Licht wird, der sich von ihr bedingungslos verschlucken lässt, der Gott, der keinen Namen mehr hat. Aber eben dieser Gott, er und kein anderer, wurde von mir erfahren als der Gott, der zu uns absteigt, der uns nahekommt, in dessen  unbegreiflichem Feuer wir gerade nicht verbrennen, sondern eigentlich erst werden und ewig gültig sind. Der unsagbare Gott sagt sich selber uns zu; und in dieser Zusage seiner Unsäglichkeit werden wir, leben wir, sind wir geliebt und ewig gültig; wir werden durch ihn, wenn wir uns von ihm nehmen lassen, nicht vernichtet, sondern uns erst eigentlich gegeben. Die nichtige Kreatur wird unendlich wichtig, unsagbar groß und schön, weil beschenkt durch Gott selbst mit ihm selbst.

Karl Rahner (1904 – 1984) in: Das Alte neu sagen. Eine fiktive „Rede des Ignatius von Loyola an einen Jesuiten von heute“. Vortrag bei der Karl Rahner-Akademie, Köln, o.J.

 

Keinen Ort, keine Grenzen, keinen Namen

Bevor diese Welten ins Leben gerufen wurden,
gab es nur Unendlichkeit, und ihr Name war Eins,
in einer so herrlichen und verborgenen Einheit,
dass sogar den Engeln, die Ihm am nächsten standen,
die Kraft zur Erkenntnis der Unendlichkeit fehlte,
und es gibt keinen Verstand, der Ihn erfassen könnte,
denn Er hat keinen Ort, keine Grenzen, keinen Namen.

Aus dem Buch “Ez Chaim”, “Baum des Lebens”, von Ari (Rabbi Isaak Luria, 1534-1572)