Gott ist Vater und Mutter aller Dinge

Meister Eckhart spricht, Gott ist nicht allein ein Vater aller Dinge, er ist vielmehr auch eine Mutter aller Dinge. Denn er ist darum ein Vater, weil er eine Ursache und ein Schöpfer aller Dinge ist. Er ist aber auch eine Mutter aller Dinge, denn wenn die Kreatur von ihm ihr Wesen nimmt, so bleibt er bei der Kreatur und erhält sie in ihrem Wesen. Denn bliebe Gott nicht bei und in der Kreatur, wenn sie in ihr Wesen kommt, so müsste sie notwendig bald von ihrem Wesen abfallen. Denn was aus Gott fällt, das fällt von seinem Wesen in eine Nichtheit. Es ist mit andern Ursachen nicht so, denn die gehen wohl von ihren verursachten Dingen weg, wenn diese in ihr Wesen kommen. Wenn das Haus in sein Wesen kommt, so geht der Zimmermann hinaus, und zwar darum, weil der Zimmermann nicht ganz und gar die Ursache des Hauses ist, sondern er nimmt die Materie von der Natur; Gott dagegen gibt der Kreatur ganz und gar alles, was sie ist, sowohl Form wie Materie, und darum muss er dabei bleiben, weil sonst die Kreatur bald von ihrem Wesen abfallen würde.

Meister Eckharts mystische Schriften. Berlin 1903

Gib Deinen Frieden, oh Herr…

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
der vollkommen und ewig ist, auf dass unsere Seelen Frieden ausstrahlen mögen.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass unser Denken, Sprechen und Handeln in Einklang sein möge.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass wir zufrieden und dankbar sein mögen, für Deine reichlichen Gaben.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass wir inmitten unseres weltlichen Streites uns Deiner Seligkeit erfreuen mögen.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass wir alles ertragen, alles erdulden mögen, im Gedanken an Deine Gnade und Barmherzigkeit.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass unser Leben dem Göttlichen Bilde entsprechen möge und alle Dunkelheit in Deinem Lichte vergehe.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
unser Vater und Mutter, auf dass wir, Deine Kinder auf Erden, uns vereinigen in einer einzigen Familie.

Amen

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Gefunden habe ich dieses Friedensgebet hier: https://www.sufismus.ch/friedensgebet.php

Das Ganze befreien

Foto: © wak

Die Dämonen für Dämonen zu halten,
das ist eine Gefahr.
Sie als leer zu erkennen,
das ist der Weg.
Sie zu begreifen als das,
was sie sind,
das ist die Befreiung.
Sie als Vater und Mutter zu erkennen,
das ist ihr Ende.
Wenn wir sie als Schöpfungen des Geistes gelten lassen,
dann verwandeln sie sich in Ausschmückungen.

Wissen wir derart damit umzugehen, dann ist das Ganze befreit.

Milarepa (1040-1123)

Schrei der Weltseele

Wir leben in einer Zeit der Umweltzerstörung, in der sich unsere materialistische Kultur auf unser Ökosystem verheerend ausgewirkt hat. Unsere Flüsse sind vergiftet, die Regenwälder abgeholzt und niedergebrannt, weite Landstriche aufgrund unserer unersättlichen Gier nach Öl, Gas und Mineralien in Ödland verwandelt. Wir haben die Erde verschmutzt, geschändet und geplündert, so dass sie sich jetzt in einem gefährlichen Zustand des Ungleichgewichts befindet, den wir Klimawandel nennen. Wenn wir es wagen hinzuhören, ist es die Schöpfung selbst, die jetzt nach uns ruft und uns Zeichen ihres Ungleichgewichts schickt. Wir können diese Zeichen in den zunehmenden Überschwemmungen und Dürren erkennen, in den Böden fühlen, die durch Pestizide vergiftet wurden, und jene, deren Herzen offen sind, hören vielleicht den Schrei der Weltseele, des spirituellen Wesens unserer Mutter, der Erde. Es ist ein Schrei der Not und Verzweiflung darüber, dass die Menschheit, die dazu bestimmt war, die Hüterin des Planeten zu sein, ihre Verantwortung vergessen hat und die Erde stattdessen in einem globalen Ausmaß entheiligt und zerstört.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in dem Text „Für die Erde beten“

 

Den ganzen Text kann man hier lesen:

http://www.goldensufi.org/g_fur_die_erde_beten.html

Das Ganze befreien

Die Dämonen für Dämonen zu halten,
das ist eine Gefahr.
Sie als leer zu erkennen,
das ist der Weg.
Sie zu begreifen als das,
was sie sind,
das ist die Befreiung.
Sie als Vater und Mutter zu erkennen,
das ist ihr Ende.
Wenn wir sie als Schöpfungen des Geistes gelten lassen,
dann verwandeln sie sich in Ausschmückungen.

Wissen wir derart damit umzugehen, dann ist das Ganze befreit.

Milarepa (1040-1123)

Große in den Grenzen des Alls

Ein Wesen gibt es chaotischer Art,
Das noch vor Himmel und Erde ward,
So tonlos, so raumlos.
Unveränderte auf sich nur gestellt,
Ungefährdet wandelt es im Kreise.
Du kannst es ansehn als die Mutter der Welt.
Ich kenne seinen Namen nicht.
Ich sage Weg, damit es ein Beiwort erhält.
Und wenn ichs mit Mühe benennen soll,
Sag Ich: Das Große.
Wahrlich: Groß ist der Weg, groß der Himmel,
Groß die Erde, groß der König!
Vier Große gibt es in den Grenzen des Alls.
Der Mensch ist einer von ihnen.
Der Mensch nimmt zum Gesetz die Erde;
Die Erde zum Gesetz den Himmel;
Der Himmel zum Gesetz den Weg;
Der Weg nimmt zum Gesetz das eigene Weben.

Laotse (480 – 390 v.u.Z.)

Die Suche gilt Ihm

Die Wünsche dieser Welt, alle Zuneigung und Zärtlichkeit, die wir für Menschen und Dinge hegen, für Mutter, Vater, Geschwister, Freunde, Himmel, Gärten, Paläste, Speisen, Künste und Wissenschaften, sind in Wirklichkeit Schleier. Hinter allem steht in Wahrheit die Sehnsucht nach Gott. Wenn die Menschen aus dieser Welt scheiden und den Geliebten unverhüllt vor sich sehen, erkennen sie, dass alle Suche allein Ihm galt.

Dschalal ad-din Rumi (1207 – 1273)

Ruhe und Seelenfrieden

Wer kann die Ruhe und den Seelenfrieden dessen ermessen, der in der Einheit lebt? Er hat keine Sorgen. Das Wohl aller ist auch sein Wohl. Auch eine Mutter empfindet das Wohlergehen ihrer Kinder als ihr eigenes Wohlergehen, und trotzdem ist ihre Liebe nicht vollkommen, denn sie glaubt, dass sie und ihre Kinder getrennt voneinander sind. Die Liebe eines Weisen, der in Einheit mit allem lebt, übertrifft daher bei weitem die Liebe einer Mutter. Es gibt keinen anderen Weg, eine solche Liebe zu verwirklichen, als die Erfahrung der Einheit. Daher ist alles EINS.

Aus: Ellam Ondre (Alles ist Eins)

In ihm göttlich geboren

Alle Wahrheit, die die Meister je lehrten mit ihrer eigenen Vernunft und ihrem Verstand oder in Zukunft lehren bis an den jüngsten Tag, die verstanden nie das Mindeste von diesem Wissen und diesem Verborgenen. Wenn es schon ein Unwissen heißt und eine Unerkanntheit, so hat es doch mehr in sich drinnen als alles Wissen und Erkennen von außen: Denn dies Unwissen des Äußern reizt und zieht dich von allen Wissensdingen und auch von dir selbst. Das meinte Christus, als er sprach: »Wer sich nicht selbst verleugnet und nicht Vater und Mutter lässt und alles was äußerlich ist, der ist meiner nicht würdig.« Als ob er spräche: Wer nicht alle Äußerlichkeit der Kreaturen lässt, der kann in diese göttliche Geburt weder empfangen noch geboren werden. Ja, wenn du dich deines Selbst beraubst und alles dessen, was äußerlich ist, dann findest du es in Wahrheit. Zu dieser Geburt verhelfe uns Gott, der neugeboren ist in Menschengestalt, dass wir arme Leute in ihm göttlich geboren werden, dazu verhelfe er uns ewiglich. Amen.

Meister Eckhart (126o – 1328)

Die ganze Predigt „Vom Schweigen“ findet sich hier: http://www.marschler.at/eckhart-landauer/el02-schweigen.htm

Nächstes Posting am 27. 12.