Die Zeit in west-östlicher Religionsbegegnung

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Wenn die Zeit der Erzfeind des Menschen und alles Bestehenden ist, dann fordert der Westen diesen Feind heraus. Er nimmt die Zeit tief in sich hinein, gebunden wird er selbst Zeit. Folglich begehrt er auf, entweder gewinnt er eine versöhnende religiöse Position, oder er wird ein Opfer metaphysischer Ungewißheiten. Sein Denkmodell macht ihn jedenfalls zum geborenen Rebellen.

Der östliche Mensch hütet sich gerade davor, die Zeit herauszufordern. Darum kann er ergeben, distanziert und konzentriert bleiben. Wie kann man das Sein lieben, an ihm und seiner Fülle zu partizipieren entschlossen sein, so argumentiert er, wenn man sich mit seiner unwesentlichsten Seite, seiner Zeitlichkeit am meisten herumschlägt?

Otto Wolff (1911 – 1986): Die fundamentale Wende in der west-östlichen Religionsbegegnung. In: Wilhelm Bitter (Hrsg), Abendländische Therapie und östliche Weisheit. Ein Tagungsbericht. S. 69 – 70

Sich in allen Dingen lassen können

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Man muss dahin kommen,
dass man sich
in allen Dingen lassen kann
und stets denken,
dass ein anderer
mehr recht habe als man selbst,
und nicht streiten und zanken, sondern lernen,
sich selbst zu lassen,
und stille sein und gütig,
woher der Wind auch weht.

Johannes Tauler (1300 – 1361)

Wo wohnt Gott?

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„Wo wohnt Gott?“ Mit dieser Frage überraschte der Rabbi einige gelehrte Männer, die bei ihm zu Gast waren. Sie lachten über ihn: „Was redet ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!“ Er aber beantwortete die eigene Frage: „Gott wohnt, wo man ihn einlässt.“

Martin Buber (1878 – 1965) in: Das verborgene Licht, S.19

Was sagt das Wort Mantra?

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Was sagt das Wort Mantra? Die Silbe man heißt Verstand. Auch Denken und Fühlen. Alles, was den Menschen ausmacht. In man steckt das englische man und das deutsche Mensch, auch das kleingeschriebene deutsche man. Tram ist die helfende und beschirmende Kraft, die “Fittiche” des Psalmisten: “ER breitet seine Fittiche über dir. Seine Wahrheit ist dein Schirm und Schild.” Das ist tram. Ein Man-tram breitet Fittiche über Verstand, Denken und Fühlen.

Joachim-Ernst Berendt (1922 – 2000) Nada Brahma als Mantra. In: Wilfried Huchzermeyer (Hrsg): Das Geheimnis der Mantra-Kraft. Karlsruhe 2000, S. 11