Dschuang Dsi: Mystik des aufblühenden Lotus

Foto: (c) wak

Die Lehre des Dschuang Dsi ist groß, sie ist umfassend und mehr als das, sie ist beglückend. Sie erfaßt die Welt und vernichtet sie nicht. Sie erkennt das Böse und leugnet es nicht. Sie weiß, daß der Mensch böse ist von Urbeginn, und glaubt doch an ihn, denn was wäre der Sinn des Lebens eines Weisen, wenn nicht die Erziehung? Sie begnügt sich nicht mit der sichtbaren Welt, die zu ermessen und zu messen ist, sondern er nimmt mystischen Aufschwung in das unbegrenzte und nie zu ermessende Reich. Aber das ist keine Mystik des müden Unterganges, sondern die des aufblühenden Lotus, der aufgehenden Sonne, des aufrauschenden, unbeschreiblich mächtigen, unbeschreiblich freudigen Vogels Rockh.

Das höchste und tiefste, das dieser Mensch der Vorzeit uns zu geben hat, ist eben diese Vereinigung des Tiefsten mit dem Höchsten. Es ist eine Religion der Versöhnung, nicht auf dem Boden eines Dogmas, also auch nicht auf dem Boden des ewig unerfüllbaren: Liebet einander, sondern durch den Weg, den er jedem zu (seinem) innersten Erlebnis, zum Sinn des Lebens führen will. Dann gehen alle Farben ein in den unwandelbaren Regenbogen der Vereinigung. Er ist der einzige Weltgelehrte, der die Weltanschauung nicht durchsetzen, sondern alle Weltanschauungen zur Ruhe bringen will. Keine Zeit konnte so dürsten nach der Ruhe und der Vereinigung wie die unsere. Und unsere Zeit, kann man ihr auch nachsagen, wieviel man will und wieviel sie verdient, sie hat viel gelitten; und hier, in der Freude des lichten Ostens, könnte sie Heilung finden; wenn irgendwie und irgendwo, so im südlichen Blütenland.

Ernst Weiß  (1882 – 1940) in seinem Essay „Von Chinas Göttern“

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In der Dämmerung erblüht der Lotus

lotus_abendvortragFoto aus dem Veranstaltungsprogramm

Abendgespräche zur buddhistischen Kunst und Religion

Wann entstand der Buddhismus und wie und warum breitete er sich über den asiatischen Kontinent aus? Welche Bedeutung hat der Buddhismus für die Kunst? Was erzählen die Exponate der Situation Kunst (für Max Imdahl) über die buddhistische Geschichte?

Diese und mehr Fragen werden in der Vortragsreihe „In der Dämmerung erblüht der Lotus“ thematisiert. Am Donnerstag, 24. November 2016, findet von 18:00 bis 20:00 Uhr der erste von fünf Vorträgen zur buddhistischen Kunst und Religion in der Reihe statt. Dr. Patrick Krüger, Indologe und Kunsthistoriker am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES), wird zum Thema „Der Buddha und die Anfänge des Buddhismus“ referieren.

Die Vorträge sind als Abendgespräche konzipiert: Nach einem einführenden kurzen Referat in der Bibliothek der Situation Kunst (für Max Imdahl) – Mitveranstalterin der Reihe – werden die Besucher die Gelegenheit haben, direkt vor den Objekten im Asien-Raum der Sammlung vertiefend ins Gespräch zu kommen. Der Vortragsabend ist der Auftakt einer fünfteiligen Reihe, die das Ziel verfolgt, Kenntnisse zur buddhistische Kultur und ihren Kunstobjekten allgemeinverständlich zu vermitteln bzw. zu vertiefen. Die Vorträge können unabhängig voneinander besucht werden und finden statt am:

Do., 24. November 2016, 18:00–20:00 Uhr
Der Buddha und die Anfänge des Buddhismus

Do., 15. Dezember 2016, 18:00–20:00 Uhr
Von Buddhas und Bodhisatvas. Buddhistische Erlösungslehren in der Kunst

Do., 12. Januar 2017, 18:00–20:00 Uhr
Die Reise ins goldene Land. Der Buddhismus in Südostasien

Do., 09. Februar 2017, 18:00–20:00 Uhr
Der tibetische Buddhismus

Do., 09. März 2017, 18:00–20:00 Uhr
Vom Reich der Mitte ins Land der aufgehenden Sonne. Buddhismus in China und Japan

Die Ausstellungsräume von Situation Kunst (für Max Imdahl) sind Teil der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum und befinden sich im Parkgelände von Haus Weitmar. An den Abendgesprächen können aufgrund der gegebenen Räumlichkeiten jeweils nur 25 Besucher/innen teilnehmen. Alle Abendgespräche sind kostenfrei. In den Pausen werden Getränke und Snacks gereicht.

Mehr zu der Gesprächsreihe hier:
http://ceres.rub.de/de/aktuelles/abendgesprache-zum-buddhismus/

 

 

Lotusblumen wachsen nicht auf Marmor

Damit der Baum der Erleuchtung
wachsen kann,
müssen wir guten Gebrauch
von unseren Sorgen, unserem Leid machen.
Es ist wie bei der Anzucht von Lotusblumen:
Lotusblumen wachsen nicht auf Marmor.
Ohne Schlamm können wir keine Lotusblumen aufziehen.

Thich Nhat Hanh (*1926) in seinem Buch „Ärger“, München 2007

Gefunden habe ich diesen Text hier:
https://seelengrund.wordpress.com/

Suche nicht

Suche nicht nach jenem Blumengarten,
oh Freund, strebe nicht dort hinzugelangen!
In deinem Körper ist der Blumengarten.
Nimm deinen Sitz ein auf dem tausendblättrigen Lotus
und schaue so die Unendlichkeit der Schönheit.

Kabir (1440-1518)