Das verborgene Licht des Soseins der Dinge

Willst Du etwas schmaler machen,
musst du es sich zuvor ausweiten lassen.

Willst du etwas loswerden,
musst du es zuvor aufbauen.

Willst du etwas stürzen,
musst du es zuvor aufblühen lassen haben.

Das nennt man das verborgene Licht des Soseins der Dinge.

Das Weiche überwindet das Harte.
Das Langsame überwindet das Schnelle.

Lass Dein Wirken ein Geheimnis bleiben.
Zeig den Menschen bloß das Ergebnis.

Laotse (604-531 v. u.Z.) im Tao te King

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Kein Abstand zum Mystiker

Den Mystiker zu verehren ist keine wirkliche Achtung. Es ist eine Strategie des Verstandes, um den Finger nicht zu sehen, der auf den Mond zeigt. Die Menschen sind raffiniert. Sie können jemanden ans Kreuz schlagen, um ihn loszuwerden, sie können ihn aber auch verehren, um ihn loszuwerden. Zwischen Kreuzigung und Verehrung ist kaum ein Unterschied. Der Zweck der Sache ist das Gleiche: “Lass mich bloss in Ruhe; deine dumme Utopie ist schön und gut und ich habe nichts dagegen einzuwenden. Aber du bist ein ganz besonderes Wesen, und ich bin nur ein gewöhnlicher Sterblicher.”
Um das zu untermauern, haben die Leute ihre Mystiker Inkarnationen Gottes, haben sie Messias, Heiland, Prophet genannt. Damit haben sie einen so großen Abstand zwischen sich und die Mystiker gelegt, dass die Vision des Mystikers eine Vision bleibt. Mit dieser Einstellung ist es unmöglich, sie in die Wirklichkeit umzusetzen.

Osho (1931 – 1990)

In: Osho, Tanz der Mystiker, Bielefeld 1999, S. 17

Eins mit Welt und Universum

Fragender:

Ich habe die Absicht, den Dienst zu quittieren und ständig bei Bhagavan* zu bleiben.

Ramana Maharshi:

Bhagavan ist stets mit Ihnen, in Ihnen, und Sie sind selbst Bhagavan. Um dies zu erkennen, brauchen Sie weder Ihren Beruf aufgeben noch von zu Hause wegzulaufen. Mit Entsagung ist nicht das nach außen sichtbare Ablegen von Kleidung und das Aufgeben von Familie, Heim usw. gemeint, sondern ein Loswerden von Wünschen, Zuneigung und Verhaftung**. Warum Ihren Beruf aufgeben? Ergeben Sie sich Gott, der die Bürde aller trägt. Wer den Wünschen entsagt, wird eins mit der Welt und verteilt seine Liebe auf das ganze Universum. Die Ausdehnung von Liebe und Zuneigung charakterisiert den wahren Gottesverehrer viel treffender als das Wort „Entsagung“.

In: David Godman (Hg.): Ramana Maharshi – Sei, was du bist! Die wichtigsten Unterweisungen des großen indischen Weisheitslehrers über das Wesen der Wirklichkeit und den Pfad der Selbstergründung. München 2. Auflage 2001, S. 164-165

* gemeint ist hier Ramana Maharshi

** Anhaftung

Vision und Wirklichkeit

Den Mystiker zu verehren ist keine wirkliche Achtung. Es ist eine Strategie des Verstandes, um den Finger nicht zu sehen, der auf den Mond zeigt. Die Menschen sind raffiniert. Sie können jemanden ans Kreuz schlagen, um ihn loszuwerden, sie können ihn aber auch verehren, um ihn loszuwerden. Zwischen Kreuzigung und Verehrung ist kaum ein Unterschied. Der Zweck der Sache ist das Gleiche: „Lass mich bloss in Ruhe; deine dumme Utopie ist schön und gut und ich habe nichts dagegen einzuwenden. Aber du bist ein ganz besonderes Wesen, und ich bin nur ein gewöhnlicher Sterblicher.“
Um das zu untermauern, haben die Leute ihre Mystiker Inkarnationen Gottes, haben sie Messias, Heiland, Prophet genannt. Damit haben sie einen so großen Abstand zwischen sich und die Mystiker gelegt, dass die Vision des Mystikers eine Vision bleibt. Mit dieser Einstellung ist es unmöglich, sie in die Wirklichkeit umzusetzen.

Osho (1931 – 1990)

In: Osho, Tanz der Mystiker, Bielefeld 1999, S. 17