Magischer Wortklang formend die Seele

Bô Yin Râ – Porträt mit Signatur

Seltsam sind seine Bücher. Seltsam und groß. Wer sie zum ersten Mal in die Hand nimmt, wird eigentümlich berührt. Es ist, wie wenn ganz fern im eignen Innern etwas klinge, kaum vernehmbar. Es ist, wie wenn sich leise Hüllen im Innern lösten. Du legst das schmale Buch wieder fort, wenn du es gelesen hast, wie du andere Bücher fortlegst. Aber es klingt in dir weiter, es zieht dich zurück. Und allmählich werden dir diese schmalen Bücher dick und schwer. Sie wachsen mit dir, sie weiten sich aus – und du erkennst in deinem Innersten, dass alles Licht und alle Weisheit in ihnen verborgen ist. Bist du noch so in Wirrung und innerer Not: hier wird die Lösung aus dir selber geweckt, hier ist ein Quell, aus dem dein innerstes Wesen sich Kraft und Vertrauen trinkt. Eines Tages erkennst du auch, dass diese Bücher nicht wie gewöhnliche Bücher geschrieben sind. „Dichter mögen allein nach Schönheit streben, Seher geben den Worten ewigen Klang“ heißt es im „Buch vom lebendigen Gott“ einmal. Das erlebst du nun. Alle diese Bücher wirken mit magischem Wortklang formend auf deine Seele.

Bô Yin Râ von Hans Christoph Ade (1888 -1981). Hans Christoph Ade wurde 1925 Schriftleiter von „Magische Blätter“. Der Text stammt aus gleicher Zeit.

Der vollständige Vortrag ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: JOSEPH SCHNEIDERFRANKEN

Heft 7, Juli 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Anteil an der Gestaltung der Welt

Foto: © wak

Nur die Gedanken sind etwas wert, die sich auf die intensivste Weise unserem Sein assimiliert haben, so dass selbst die leiseste Geste sie auszudrücken vermag. Sie sind Antwort, sind Melodie, die in uns eindringen, ohne dass wir es womöglich bemerken, und die uns überraschen, wenn sie aus unserem Herzen, in dem sie gereift sind, aufsteigen. Sie sind in ihm zum Blühen gekommen, sind von ihm gedacht worden und wurden Wissen. Durch derartiges inneres Wachstum nimmt der Mensch Anteil an der Gestaltung der Welt. Und dank des menschlichen Herzens können und werden noch neue Blumen entstehen.

Jean Gebser (1905 – 1973)

Bedingungen eines einsamen Vogels

Foto: © wak

Der einsame Vogel hat fünf Eigenschaften:
die erste, dass er zum höchsten Punkt fliegt;
die zweite, dass er  keine Gesellschaft erträgt, auch wenn sie von seiner Art ist;
die dritte, dass den Schnabel in den Wind hält;
die vierte, dass er keine bestimmte Farbe hat;
die fünfte, dass er sehr leise singt.

Johannes vom Kreuz (1541-1591) in „Worte von Licht und Liebe“

Alles zusammen – echt, rund

Es gibt nicht
den kleinsten, den leisesten
Widerspruch
zwischen
Stille, Meditation, Universum, Gott
und dem Stehen
auf unserer Mutter Erde.

Ganz im Gegenteil:
Erst all das
wirklich zusammen,
ist echt,
ist rund.

Pyar (*1960) In: Pyar Troll, Poesie der Stille – Tanz des Lebens. Anleitungen um Da-Sein, o.O. 2002, S. 276

 

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Durch mein Versehen war dieser Kommentar gestern verschwunden. Hier sei er nachgeholt.

werner anahata