Vollkommenheit und Leere

Thomas Merton in der Trappistenabtei Gethsemani / Bild: Archiv

Das vollkommene Tun ist leer. Wer kann es sehen? Derjenige, der die Form vergisst. Jenseits der Form tritt das ungeformte, das leere Tun mit der eigenen Form hervor. Vollkommene Form ist das Geschehen eines Augenblicks. Seine Vollkommenheit vergeht sofort. Vollkommenheit und Leere gehen zusammen, denn sie sind dasselbe: der Zusammenfall einer Augenblicksform mit dem ewigen Nichts. Form: der Schein des Nichts. Vergiss die Form, und sie wird plötzlich sichtbar, umstrahlt und glänzend im eigenen Licht, das das Nichts ist. Dann aber suche nicht mehr. Lass es geschehen. Lass es kommen und gehen. Was denn? Alles und jedes, das meint: Nichts.

Thomas Merton (1915-1968)

Engagement im alltäglichen Leben

Interreligiös im Kloster Maulbronn / Foto: © wak

 

Die größten Religionen sind tatsächlich alle ganz einfach. Sie bleiben ohne Zweifel alle sehr wesentlich verschieden voneinander, aber in ihrer inneren Realität sind Christentum, Buddhismus, Islam und Judentum äußerst einfach… und sie führen alle schließlich zu dem einfachsten und überraschendsten Endpunkt der unmittelbaren Konfronation mit dem Absoluten Sein, der Absoluten Liebe, der Absoluten Barmherzigkeit oder der Absoluten Leere durch ein unmittelbares und hellwaches Engagement im alltäglichen Leben.

Thomas Merton (1915 – 1968)

Alle Weisheit des Universums

 

Foto: © wak

Von einem alten Zen-Meister wird erzählt, dass er jeden Tag zu seinen Schülern sprach. Bei seinen Unterweisungen hatte er immer ein dickes Buch auf seinen Knien liegen. Aufgeschlagen hat er es allerdings niemals. Doch wenige Tage bevor er starb, öffnete der Meister das Buch. Er las einen einzigen Satz:

Alle Weisheit des Universums gehört dir,
wenn du erkennst,
dass Leere Fülle und Fülle Leere ist.

Schon kurz danach ist der Meister gestorben. Als seine Schüler ihn vermissten, fragten sie sich, was wohl in dem Buch gestanden ist.  Doch das Buch war weg, verschollen, nicht aufzufinden. Aber nach langem Suchen fanden sie das Buch doch in einer fast zusammen gefallenen Hütte. Es war unansehnlich geworden und mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Ungeduldig öffneten zwei der Schüler das Buch. Was sie sahen erstaunte sie: Es enthielt keinen einzigen Buchstaben, jede Seite war leer…

Umstrahlt und glänzend im eigenen Licht

Thomas Merton / Bild: Archiv

Das vollkommene Tun ist leer. Wer kann es sehen? Derjenige, der die Form vergisst. Jenseits der Form tritt das ungeformte, das leere Tun mit der eigenen Form hervor. Vollkommene Form ist das Geschehen eines Augenblicks. Seine Vollkommenheit vergeht sofort. Vollkommenheit und Leere gehen zusammen, denn sie sind dasselbe: der Zusammenfall einer Augenblicksform mit dem ewigen Nichts. Form: der Schein des Nichts. Vergiss die Form, und sie wird plötzlich sichtbar, umstrahlt und glänzend im eigenen Licht, das das Nichts ist. Dann aber suche nicht mehr. Lass es geschehen. Lass es kommen und gehen. Was denn? Alles und jedes, das meint: Nichts.

Thomas Merton (1915-1968)

Magie der Stille

James Lee Byars Untitled (Sigmund Freud), 1989 Bronze, vergoldet ~ Foto: © wak

James Lee Byars (1932 – 1997) begann 1957 seine intensive Auseinandersetzung mit dem Zen-Buddhismus. Seine Erkenntnisse übertrug er in ein künstlerisches Schaffen, das eine Symbiose aus Konzeptkunst, Minimalismus und Fluxus darstellt. Früh versuchte Byars existenzielle Begriffe zur Anschauung zu bringen, die dem Betrachter das Erleben von Stille und Leere ermöglichen sollen. …. Vollkommenheit, Schönheit und Immaterialität zählen zu den zentralen Begriffen des „Magiers der Stille“. (Aus der Homepage des Skulpturenparks Köln).

Mehr hier: http://www.skulpturenparkkoeln.de/de/ausstellungkoelnskulptur/koelnskulptur-4.html

Von Bewusstsein und Leben

Foto: © wak

 

Ohne Entstehen, ohne Vergehen,
Ohne Vergangenheit, ohne Zukunft.
Ein Lichtschein umgibt die Welt des Geistes.
Man vergißt einander, still und rein, ganz mächtig und leer.
Die Leere wird durchleuchtet vom Schein des Herzens des Himmels.
Das Meerwasser ist glatt und spiegelt auf seiner Fläche den Mond.
Die Wolken schwinden im blauen Raum.
Die Berge leuchten klar. Bewusstsein löst sich in Schauen auf.
Die Mondscheibe einsam ruht.

Liu Hua Yang: Das Buch von Bewusstsein und Leben

Religiösester Mensch seit Novalis / Doing Nothing, Rilke und Mystik – 24. 11. 2019 – Herzliche Einladung

https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/11/15/wir-muessen-unser-dasein-annehmen-doing-nothing-rilke-lyrik-und-mystik-24-november-ganz-herzliche-einladung/

Einrichtung mit dem Telefon / Doing Nothing, Rilke und Mystik / 24. November 2019 – Herzliche Einladung

Mehr zu Doing Nothing, Rilke und Lyrik am 24. November:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/11/15/wir-muessen-unser-dasein-annehmen-doing-nothing-rilke-lyrik-und-mystik-24-november-ganz-herzliche-einladung/