Selig die Bringer des Friedensreichs

Foto: © wak

Als er die Massen sah, stieg er auf den Berg, setzte sich undseine Jünger kamen zu ihm. Und er tat seinen Mund auf und lehrte sie, sagend:

Selig sind die Bettelmönche, denn für sie ist das Reich der Himmel da.
Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Selig die Milden, denn sie werden das Land Israel erben.
Selig, die hungern und dürsten, Gerechte zu sein, denn sie sollen satt werden.
Selig die Erbarmenden, denn sie werden Erbarmen finden.
Selig die im Herzen Reinen, denn sie werden Gott sehen.
Selig die Bringer des Friedensreichs, denn sie werden Gottes Töchter* und Söhne heißen.
Selig, die verfolgt werden, weil sie Gerechte sind, denn für sie ist das Reich der Himmel da.
Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und über euch alles Böse lügnerisch sagen um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn wird groß sein im Reich der Himmel. So haben sie die Propheten vor euch verfolgt.

Carl-Friedrich von Weizsäcker (1912 – 2007) in: Der Garten des Menschlichen, München/Wien 1977

*Die „Töchter“ habe ich hinzugefügt  😉

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Gürtet euch mit Liebe

Cover der DVD: Morgenröte im Aufgang bei der filmedition suhrkamp

 

O, ihr blinden Menschen, lasset ab vom Zanke und vergießet nicht unschuldig Blut, und verwüstet darum nicht Land und Städte nach Teufels Willen, sondern ziehet an den Helm des Friedens und gürtet euch mit Liebe gegen einander , und braucht euch der Sanftmut.

Jakob Böhme (1575 – 1624) in: Aurora oder Morgenröte im Aufgang, Kap. 22,45

Die Wahrheit ist ein pfadloses Land

krishnamurtiBildquelle: wikimedia / gemeinfrei

 

Ich behaupte, dass die Wahrheit ein pfadloses Land ist, und Sie können sich ihr auf keinem Pfad nähern, durch keine Religion, durch keine Sekte. Das ist meine Ansicht, an der ich absolut und bedingungslos festhalte.
Die Wahrheit, die grenzenlos, unbedingt, unnahbar ist, auf welchem Pfad auch immer, kann nicht organisiert werden; auch sollte keine Organisation gebildet den, um Menschen auf einen besonderen Pfad zu führen oder zu nötigen. Wenn Sie das als erstes verstehen, dann werden Sie sehen, wie unmöglich es ist, einen Glauben zu organisieren. Glaube ist eine rein individuelle Angelegenheit, und Sie können und dürfen ihn nicht organisieren. Wenn Sie es tun, dann stirbt er, erstarrt er; er wird zur Konfession, zu einer Sekte, einer Religion, die anderen aufgenötigt wird.
Das ist es aber, was überall auf der Welt jeder zu tun versucht. Die Wahrheit wird geschmälert und zum Spielzeug für die Schwachen, für diejenigen, die nur einen Augenblick unzufrieden sind.
Die Wahrheit kann nicht heruntergeholt werden; vielmehr muss der einzelne sich die Mühe machen, zu ihr hinaufzusteigen. Sie können den Gipfel des Berges nicht ins Tal herunterholen. Wenn Sie den Gipfel des Berges erreichen wollen, müssen Sie das Tal durchqueren und die steilen Felsen hinaufklettern, ohne sich vor den gefährlichen Klippen zu fürchten.

Jiddu Krishnamurti (1895 – 1986)

Dorothee Sölle: Magnificat

mariahimmelfahrt

Foto: © wak

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
meine Seele erhebt den Herren
und mein Geist freut sich Gottes meines Heilandes
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen
siehe von nun an werden mich seligpreisen alle
Kindeskinder

Heute sagen wir das so
meine Seele sieht das Land der Freiheit
und mein Geist wird aus der Verängstigung heraus-
kommen
die leeren Gesichter der Frauen werden mit Leben er-
füllt
und wir werden Menschen werden
von Generationen vor uns, den Geopferten, erwartet

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
denn er hat grosse Dinge an mir getan, der da mächtig
ist
und dessen Name heilig ist
und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu
Geschlecht

Heute sagen wir das so
die grosse Veränderung, die an uns und durch uns
geschieht
wird mit allen geschehen – oder sie bleibt aus
Barmherzigkeit wird geübt werden, wenn die Ab-
hängigen
das vertane Leben aufgeben können
und lernen, selber zu leben.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
er übt Macht mit seinem Arm und zerstreut
die Hochmütigen
er stösst die Gewaltigen von ihren Thronen
und die Getretenen richtet er auf

Heute sagen wir das so
wir werden unsere Besitzer enteignen und über die,
die das weibliche Wesen kennen,
werden wir zu lachen kriegen
die Herrschaft der Männchen über die Weibchen wird
ein Ende nehmen
aus Objekten werden Subjekte werden
sie gewinnen ihr eigenes besseres Recht.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
Hungrige hat er mit Gütern gefüllt
und die Reichen leer hinweggeschickt
er denkt der Barmherzigkeit und hat sich Israels
seines Knechts angenommen.

Heute sagen wir das so
Frauen werden zum Mond fahren und in den Parla-
menten entscheiden
ihre Wünsche nach Selbstbestimmung werden in
Erfüllung gehen
und die Sucht nach Herrschaft wird leer bleiben
ihre Aengste werden gegenstandslos werden
und die Ausbeutung ein Ende haben.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

 

Mariä Himmelfahrt ist in Bayern und im Saarland ein gesetzlicher Feiertag…

Wach auf, erhebe Dich und folge mir!

Erzähle mir, oh Schwan, Deine alte Geschichte!
Woher kommst Du?
Wohin willst Du fliegen?
Wo wirst Du Dich ausruhen, Schwan?
Und was suchst Du?

Auch diesen Morgen, oh Schwan,
wach auf, erhebe Dich und folge mir!

Da gibt es ein Land,
wo kein Zweifel und keine Sorge regieren,
wo der Terror des Todes nicht mehr herrscht.

Dort blüht der Frühlingswald!
Und der duftende Wohlgeruch „Er ist Ich“ ist geboren im Wind:
Dort taucht die Biene tief ins Herz ein
und verlangt nach keiner anderen Freude.

Kabir  (1440 – 1518)

Eine englischsprachige Übertragung von Rabindranath Tagore (1861-1941)  findet sich hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/01/15/awake-arise-and-follow-me/

Den Gipfel erreichen

Ich behaupte, dass die Wahrheit ein pfadloses Land ist, und Sie können sich ihr auf keinem Pfad nähern, durch keine Religion, durch keine Sekte. Das ist meine Ansicht, an der ich absolut und bedingungslos festhalte.
Die Wahrheit, die grenzenlos, unbedingt, unnahbar ist, auf welchem Pfad auch immer, kann nicht organisiert werden; auch sollte keine Organisation gebildet den, um Menschen auf einen besonderen Pfad zu führen oder zu nötigen. Wenn Sie das als erstes verstehen, dann werden Sie sehen, wie unmöglich es ist, einen Glauben zu organisieren. Glaube ist eine rein individuelle Angelegenheit, und Sie können und dürfen ihn nicht organisieren. Wenn Sie es tun, dann stirbt er, erstarrt er; er wird zur Konfession, zu einer Sekte, einer Religion, die anderen aufgenötigt wird.
Das ist es aber, was überall auf der Welt jeder zu tun versucht. Die Wahrheit wird geschmälert und zum Spielzeug für die Schwachen, für diejenigen, die nur einen Augenblick unzufrieden sind.
Die Wahrheit kann nicht heruntergeholt werden; vielmehr muss der einzelne sich die Mühe machen, zu ihr hinaufzusteigen. Sie können den Gipfel des Berges nicht ins Tal herunterholen. Wenn Sie den Gipfel des Berges erreichen wollen, müssen Sie das Tal durchqueren und die steilen Felsen hinaufklettern, ohne sich vor den gefährlichen Klippen zu fürchten.

Jiddu Krishnamurti (1895 – 1986)