Bild

Die Wahrheit nicht verbergen

Heilung des Herzens

Der Koran ist ein Buch über die Heilung des Herzens, wie es ausdrücklich im Koran geschrieben steht. Islam ist ein Pfad, eine Methode (din), welche Menschen bei der Entwicklung von einem Zustand des Krankseins (soghm) des Herzens zu einem Zustand des heilen Herzens (selm) hilfreich sein kann. Die Lehren des Islams sind eine Einladung an jeden Menschen, Gott um Frieden, Heilsein, Gesundsein für jedes Geschöpf auf Erden zu bitten. Salâm (Frieden im Herzen) ist der bedeutendste Name Gottes.

Seyed Mostafa Azmayesh (*1952)

Das vollständige Interview, das Helmut N. Gabel geführt hat und aus dem dieses Zitat stammt, können Sie hier nachlesen:

http://karamat.eu/artikel/wie-wir-mit-hilfe-des-korans-die-werte-unserer-zivilisation-erhalten-koennen.html

Ich folge der Religion der Liebe

Mein Herz ward fähig, jede Form zu tragen:
Gazellenweide, Kloster wohlgelehrt,
ein Götzentempel, Kaaba eines Pilgers,
der Tora Tafeln, der Koran geehrt:
Ich folge der Religion der Liebe,
wo auch ihr Reittier zieht,
hab‘ ich mich hingekehrt.

Ibn ‚Arabi (1165-1240)

Religion der Liebe

Welche Herrlichkeit!
Ein Garten inmitten der Flammen!
Mein Herz hat sich für jegliche Form geöffnet:
Es ist eine Weide für Gazellen,
und ein Kloster für christliche Mönche,
und ein Tempel für Götzenbilder,
und die Kaaba der Pilgernden,
und die Tafeln der Tora, und das Buch des Korans.
Ich folge der Religion der Liebe:
Welchen Weg die Kamele der Liebe auch einschlagen,
das ist meine Religion und mein Glaube.

Ibn Arabi (1165–1240)

Gleichwertigkeit der Religionen

O ihr tauben , die ihr den arak- und bänbaum umflattert, habet mitleid mit mir. Verdoppelt durch euer klagendes girren nicht meine sehnsuchtsschmerzen.

Habet doch erbarmen! Locket durch euer lautesklagen und weinen nicht die verborgenen, in den tiefen einer natur wurzelnden gefühle der heftigsten Sehnsucht und trauer hervor.

Abends und morgens rufe ich ihnen dasselbe als antwort zu : das stöhnen eines sehnsüchtig verlangenden und die klage eines verliebten.

Die geister standen sich in dem sumpfigen dickicht von tamerisken gegenüber, indem sich die zweige mit ihnen über mir zusammenbogen und mich vernichteten (ins Nirwana versenkten).

Sie brachten mir die verschiedenartigen gefühle peinigender Sehnsucht , leidenschaftlicher liebe (zu gott) und eigenartiger (seltener) prüfungen.

Wer gibt mir die gewissheit (des Versprechens) betreffs der Vereinigung, Muhassabs in tale Minä, des edlen und der glückseligkeit.

Sie umdrängten stunde für stunde mein herz um liebe und liebesqual zu erregen und küssten über dem Schleier die elemente (fundamente, säulen) meines wesens.

Umkreiste doch auch das beste der geschöpfe (Muhammad) die Kaba, welche die evidenz des Verstandes als mit unvollkommenheit behaftet bezeichnet (bezeichnenmuss).

Küssend verehrte er dort steine, obwohl er ein prophet war. Welches ist schliesslich der rang des mekkanischen tempels im vergleich mit dem werte des menschen.

Wie oft versprachen sie (die frauen) in vertrag und eid treu zu bleiben. Aber eine mit henna geschminkte kennt kein erfüllen von eiden.

Eines der wunderbarsten dinge ist eine verschleierte gazelle, die mit roten fingerspitzen zeichen gibt und mit augenlidem winkt.

Der Weideplatz dieser gazelle ist zwischen brüst und eingeweiden — ein wie wunderbarer garten inmitten von feuern

Mein herz ist für jede form (des religiösen kultus) aufnahmefähig („aufnehmend“) geworden. Es ist daher ein Weideplatz für gazellen (indisch – mystische Weisheit) , ein kloster christlicher mönche.

Ein tempel für götzen, eine Kaba für einen muslimischen pilger, die gesetzestafeln der Thora und die buchrolle des Koran.

Ich hänge der religion der mystischen liebe an.Wohin auch immer deren kamele ihren weg einschlagen, — dieses ist meine religion und mein glaube.

Ein Vorbild dieser liebe haben wir an Bischr, dem geliebten der Hind und ihrer Schwester, an der Kais, Laila, Maija und Gailan (arabische mädchennamen).

Aus: Mystische Texte aus dem Islam – Drei Gedichte des Arabi. Aus dem Arabischen übersetzt und erläutert von M. Horten, Privatdozent für Orientalische Sprachen zu Bonn. Bonn, A. Marcus Und E. Weber’s Verlag, 1912. (Orthographie wie dort)