Jegliche Kreatur ist Gottes voll

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Je mehr die Seele
über irdische Dinge erhaben ist,
um so kräftiger ist sie.
Wer weiter nichts
als die Kreaturen erkennen würde,
der brauchte an keine Predigt zu denken,
denn jegliche Kreatur ist Gottes voll
und ist ein Buch.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in Predigt 10, in: Josef Quint, Deutsche Predigten und Traktate,  München 1991, S. 200

In gewissem Sinne leer

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Zen ist Bewusstsein ohne die Struktur einer besonderen Form oder eines besonderen Systems, ein transkulturelles, transreligiöses, transformiertes Bewusstsein. Deshalb ist es in gewissem Sinne „leer“. Aber es kann durch dieses oder jenes religiöse oder irreligiöse System hindurch scheinen, so wie Licht durch ein Glas hindurch scheinen kann, das blau ist oder grün, rot oder gelb. Wenn Zen überhaupt eine Vorliebe hat, dann zieht es einfaches Glas vor, das keine Farbe hat und eben „einfaches Glas“ ist.

ThomasMerton (1915 – 1968) in: Weisheit der Stille, 1975, S. 12

Im Strick erkennt man fälschlich eine Schlange

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Im Strick
erkennt man fälschlich
eine Schlange.
Solange man ihn sieht
in falschem Licht.
Wer richtig prüft,
der findet keine Schlange –
die Vielheit existiert für Weise nicht.

Shankara (* um 788 – um 820)

Weltverantwortung aus dem Glauben

Cover des Buches, das Anton Zottl herausgegeben hat

Wenn Resignation, Selbstabschaffung und Irrationalität die eine … Möglichkeit ist, die Welt „fromm“ zu bestehen, so ist wohl Verantwortung die andere. Da es keine angstfreie Existenz gibt und sich derjenige, der sich in die Apokalypse flüchtet, aus der Politik zurückzieht, … so ist die Alternative zur privativistischen Flucht die politische Verantwortlichkeit.

Eine aktuelle „Weltverantwortung aus dem Glauben“ ist also entprivatisiertes politisches Handeln für die Welt. Es ist: politische Liebe, die „konkret auf die weltliche Fruchbarkeit der christlichen Erlösung“ hinweist.

Anton Zottl (1933 – 2015) in seiner Einführung zu dem Buch „Weltfrömmigkeit – Grundlagen, Traditionen, Zeugenisse„, das 1985 im Eichstätter Franz-Sales-Verlag erschien. Zottl zitiert hier u.a. Edward Schillebeeckx

 

Editorial zu „Mystik aktuell“ / November 2020

 

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„Wann, wenn nicht Jetzt“ heißt es im Untertitel des Blogs „Mystik aktuell“. Ganz so, wie es Sosan um 600 formuliert hat: „Der Weg ist jenseits von Sprache, denn auf ihm gibt es kein Gestern, kein Morgen, kein Heute.“

Auf dem sprituellen Weg können Texte aus der mystischen Tradition wie aus der Gegenwart Begleiter sein, die eigene Verortung neu zu buchstabieren oder zu vertiefen. Dabei greife ich für den Blog  „Mystik aktuell“ auf Quellen zurück, die weit über die eigene spirituelle Herkunft hinausgehen und interreligiös, interspirituell, interkulturell neue Zugänge ermöglichen können. Stammen sie geographisch, kulturell oder spirituell auch von weit her, so können sie Anstoß, Anregung, Ansprache sein – immer neu sind sie danach zu befragen, welche Bedeutung sie für jede/n Einzelne/n haben. Jetzt.

Als 1923 Predigten von Johannes Tauler neu herausgegeben wurden, schrieb Walter Lehmann im Vorwort: „Die Mystik ist der großartigste Versuch, die Religion an sich zu finden. Und was ist die religiöse Sehnsucht unserer Tage? Die Religion zu finden, die keiner Konfession, keiner Dogmen, keiner heiligen Stätten, Priester und Handlungen, keiner Symbole, keiner Formen und Kulte, keiner Historie bedarf, sondern autonom in der Seele lebt. Die da hinein gebannt sind in die Massenreligion der Bevormundung, sehnen sich nach der Religion ihrer eigenen Seele …“

Ganz in diesem Sinn gilt der Satz von Sosan: Wann, wenn nicht Jetzt.

Werner Anahata Krebber im November 2020

Blicke wenigstens von Zeit zu Zeit zu Gott auf

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Hast du nur gewöhnliche Beschäftigungen, die keine gesammelte Aufmerksamkeit verlangen, dann schau mehr auf Gott als auf deine Arbeit. Hast du aber eine Arbeit, die deine ganze Aufmerksamkeit beansprucht, dann blicke wenigstens von Zeit zu Zeit zu Gott auf, gleich dem Seemann auf offenem Meer: um seine Richtung einzuhalten, schaut er mehr auf den Himmel als auf das Wasser, auf dem er dahinfahrt. So wird Gott mit dir, in dir und für dich arbeiten, und deine Arbeit wird dir Freude bereiten.

Franz von Sales (1567 -1622)

 

Mystik – autonom in der Seele

Kirchenfenster von Josef Albers / Foto: © wak

Die Mystik ist der großartigste Versuch, die Religion an sich zu finden. Und was ist die religiöse Sehnsucht unserer Tage? Die Religion zu finden, die keiner Konfession, keiner Dogmen, keiner heiligen Stätten, Priester und Handlungen, keiner Symbole, keiner Formen und Kulte, keiner Historie bedarf, sondern autonom in der Seele lebt. Die da hinein gebannt sind in die Massenreligion der Bevormundung, sehnen sich nach der Religion ihrer eigenen Seele … Und die da sitzen in der halb erstorbenen Kirche, die ohne Gestalt und Schöne ist, sie schauen aus nach der mittlerlosen Religion.

Walter Lehmann im Vorwort einer Edition der Predigten von Johannes Taulers,  die 1923 im Verlag Eugen Diederichs, Jena, erschienen sind.

Es ist in dir…

Der Jünger sprach zum Meister:
Wie mag ich kommen zu dem übersinnlichen Leben, dass ich Gott sehe und höre reden?
Der Meister sprach:
Wenn du dich magst einen Augenblick in das schwingen, da keine Kreatur wohnet, so hörest du, was Gott redet.

Der Jünger sprach:
Ist das nahe oder ferne?
Der Meister sprach:
Es ist in dir, und so du magst eine Stunde schweigen von allem deinem Wollen und Sinnen, so wirst du unaussprechliche Worte Gottes hören…

Jakob Böhme (1621) in: De Vita Mentali oder Vom übersinnlichen Leben

Mehr hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2020/09/30/jacob-boehme-vom-uebersinnlichen-leben-hoerstueck-von-ronald-steckel/

Erkenne dieses Ich…

Ramana Maharshi / Bild: Archiv

 

Wenn Leute Fragen aus Neugier stellen, bleibt er eine kleine Weile in sich gekehrt und sagt dann: „Ich habe keine Vollmacht von Gott erhalten, diese Fragen zu beantworten.“ Oder er antwortet vielleicht: „Du sagst, ‚ich möchte wissen‘. Sage mir, wer dieses Ich ist. Erkenne erst dieses Ich , dann wirst du alles wissen.“

Jedoch, wenn es sich um diejenigen handelt, die geistige Erleuchtung suchen, ist er äußerst bereitwillig, irgendeinen Punkt zum Zweck der Erklärung zu besprechen.

 

Meister in Indien. Verbürgte Mitteilungen über indische Mahâtmas und ihre Lehren von Felicita R. Scatcherd – (Es geht um einen Besuch bei Ramana Maharshi)

Der vollständige Text ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 8  |  September 2020

TITELTHEMA: EIN VERSCHÜTTETER TEMPEL

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