Wenn das Herz Zugang zum Geist findet

Meditation ist etwas ganz Aussergewöhnliches, und wenn du sie nicht kennst, bist du wie der Blinde in einer Welt von leuchtenden Farben und dem Wechsel von Licht und Schatten. Sie ist nichts Intellektuelles, doch wenn das Herz Zugang zum Geist findet, hat der Geist eine ganz andere Qualität. Er ist dann wirklich grenzenlos, nicht nur in seiner Fähigkeit, zu denken, effizient zu wirken, sondern ebenso in seiner Empfindung, in einem weiten Raum zu leben. wo du Teil von allem bist.

Jiddu Krishnamurti (1895 – 1986)

Jenseits intellektuellen Begreifens

Äußerlich steht der Mystiker mitten im praktischen Leben, innerlich bleibt er jedoch frei – sein Geist ist über den Dingen, nicht in den Dingen. Diesen Zustand völliger Losgelöstheit von allem Weltlichen hat Meister Eckhart mit Worten wie “Gelassenheit”, “Abgeschiedenheit”, “Leerheit” beschrieben. … Im Verlauf des mystischen Weges dringen wir in eine Region unseres Seelenlebens ein, die völlig frei von weltlichen Bildern, unerschaffen und unzerstörbar, ewig und göttlich ist. Diese Seelenregion liegt jenseits allen intellektuellen Begreifens, auch jenseits von Raum und Zeit; sie ist unser “stilles Kämmerlein”, das “Seelenfünklein”, das “Bürglein der Seele”, der “Seelengrunde”. Auf dieses Ewige im Menschen, auf seinen göttlichen Geistkern, will Meister Eckhart immer wieder hinweisen.
Manfred Ehmer, Die Weisheit des Westens. Mensch, Mythos und Geschichte, Düsseldorf 1998, S. 191

Beständig zum Einen schauen

Wir suchen Gott fast immer auf eine intellektuelle Weise. Wir wollen ihn verstehen und wissen, wer er ist und wo er ist. So kann man Gott nicht finden. Gott ist in unseren Herzen. Nur die Stille mit der Ausrichtung nach innen führt dorthin. Die Stille hält die Seele fern von Gedanken und Vorstellungen. In dieser heiligen Stille begegnen wir Christus in uns. Der Friede, der alles Verstehen übersteigt, führt zu Christus in uns. Gottes Gegenwart kann nur aufleuchten, wenn der Verstand still ist. Gott existiert jenseits von Doktrinen. Die Stille ist der Wegweiser. Beständig zum Einen schauen, der immer gegenwärtig ist. Mehr braucht man nicht.

Franz Jalics SJ (*1927)