Den weiten Atem des Erkennens spüren

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Wer Gott erkennt, wird in das Grenzenlose, in die Weite gestellt. Der offene Horizont, die im Ursprung geankerte Weite, das Hineingestellt werden in unendliches Feld, das notwendige Überschreiten alles sklavisch Geworfenen, Harmlosen, an die Zeit Verspielten, die herrliche Ungebundenheit und Freiheit des Ursprungs sind notae (Zeichen. wak) und Raum des Eckhartschen Erkennens. Man ahnt die gründende Tiefe des Weges, spürt den weiten Atem dieses Erkennens.

Udo Kern (*1942) in einem Beitrag über Meister Eckhart

Vertrauen und Gewissheit

Meister Eckhart stellt heute besonders im interreligiösen Raum eine allererste christliche Adresse dar. Das ist möglich, weil Eckhart es zum Programm erhoben hatte, die Glaubensgeheimnisse, insbesondere die Bibel, mit allgemein einsichtigen Gründen auszulegen. Er wollte freilich damit keine Beweise für den Glauben erbringen, sondern das Denken in den Horizont des Vertrauens und der Gewissheit stellen.

Aus den Informationen der „Meister-Eckhart-Tage“ in Erfurt

Horizont des Mitgefühls erweitern

Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als abgetrennt von allem anderen – eine Art optische Täuschung des Bewusstseins.
Diese Täuschung ist für uns eine Art Gefängnis, da sie uns auf unsere eigenen Vorlieben und auf die Zuneigung zu wenigen Nahestehenden beschränkt. Unser Ziel muß es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern, bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfaßt.

Albert Einstein  (1879-1955)