Verflossene Tage

Meister Eckhart-Tür an der Predigerkirche in Erfurt    Foto: © wak

 

Die Tage,
die seit sechs oder sieben
Tagen verflossen sind,
und die Tage,
die da waren
vor sechstausend Jahren,
die sind dem heutigen Tage
so nahe wie der Tag,
der gestern war.
Weil die Zeit
in einem gegenwärtigen Nun ist.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

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Gott gebe mir die Gelassenheit

Gott gebe mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut Dinge zu ändern, die ändern kann
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Nur für den heutigen Tag zu leben,
mich nur des jetzigen Augenblicks zu erfreuen,
meine heutige Not als Weg zu deinem Frieden anzunehmen,
diese sündhafte Welt – wie Er es getan hat –
so zu nehmen, wie sie ist
und nicht, wie ich sie haben möchte.
Darauf zu vertrauen, dass Er die Dinge richtig vollendet.
Wenn ich mich seinem Willen völlig hingebe,
so dass mein heutiges Leben
mit bescheidener Glückseligkeit erfüllt sein möge –
und mit vollkommener Glückseligkeit mit Ihm
im nächsten Leben auf Ewigkeit.

Reinhold Niebuhr (1892 – 1971)

 

Zur Geschichte des Textes ist nachfolgende Information hilfreich:

http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/handschriften/bestand/nachlaesse-und-autographen/oetinger-archiv/gelassenheitsgebet/

Der Ursprung ist gegenwärtig

Der Ursprung ist immer gegenwärtig. Er ist kein Anfang, denn aller Anfang ist zeitgebunden. Und die Gegenwart ist nicht das bloße Jetzt, das Heute, oder der Augenblick. Sie ist nicht ein Zeitteil, sondern eine ganzheitliche Leistung und damit auch immer ursprünglich.
Wer es vermag, Ursprung und Gegenwart als Ganzheit zu Wirkung und Wirklichkeit zu bringen, sie zu konkretisieren, der überwindet Anfang und Ende und die bloß heutige Zeit.

Jean Gebser (1905-1973) im Vorwort von „Ursprung und Gegenwart“