Den Mut des Herzens mobilisieren

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Mobilisiere den Mut deines Herzens,
wie es die wahrhaft Erwachten tun.

Sage heute ein Wort,
das einer ängstlichen Person Mut gibt.

Wende dich aus der Stille deines Herzens nach aussen,
halte jemandes Hand und verbreite Ruhe.

Blicke einem Fremden in die Augen,
und erkenne, dass es keine Fremden gibt.

Schenke heute jemandem ein unerwartetes Lächeln,
und trage so deinen Teil zum Frieden auf Erden bei.

David Steindl-Rast (*1926)

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Heilung von Mensch und Gesellschaft

Wenn der Mensch seine Verbindung zur Natur, zu Himmel und Erde verliert, dann weiß er seine Umwelt nicht mehr pfleglich zu behandeln und die Welt nicht mehr zu regieren – was letztlich dasselbe ist. Was Menschen ihrer Umwelt zufügen, geht Hand in Hand mit dem, was sie einander zufügen. So betrachtet, ist die Heilung der Gesellschaft nur zugleich mit der Heilung unserer persönlichen, elementaren Beziehung zu unserer Umwelt möglich.

Chögyam Trungpa (1939 – 1987)

Der Elefant von Rumi

Im finstern Hause war der Elefant,
wo von den Indern ausgestellt er stand.
Und viele Leute kamen, ihn zu sehen –
sie alle mussten in das Dunkel gehen.

Da sie ihn in der Dunkelheit nicht sahen,
berührten sie ihn nur mit ihren Händen.
Der, dessen Hand an seinen Rüssel rührte,
sprach: «Wie ’ne Regenrinne ist der wohl!»

Der, dessen Hand an seine Ohren traf,
rief: «Wie ein Fächer sieht das Wesen aus!»
Der, dessen Hand berührte nur sein Bein,
sprach: «Wie ein Pfeiler wird das Tier wohl sein.»

Der, dessen Hand den Rücken rührte schon,
sprach: «Sicherlich, er ist gleichwie ein Thron.»
So kam ein jeder nur zu einem Teil
und er verstand nur dies, und nicht das Ganze,

denn je nach dem Gesichtspunkt war verschieden
wie A und Z, was sie zu sehen glaubten.
Doch hielte jeder einer Kerze Licht,
so gäbe es die Unterschiede nicht!

Dschelaluddin Rumi / Mevlana (1207-1273) zugeschrieben

Zum Frieden auf Erden beitragen

Mobilisiere den Mut deines Herzens,
wie es die wahrhaft Erwachten tun.

Sage heute ein Wort,
das einer ängstlichen Person Mut gibt.

Wende dich aus der Stille deines Herzens nach aussen,
halte jemandes Hand und verbreite Ruhe.

Blicke einem Fremden in die Augen,
und erkenne, dass es keine Fremden gibt.

Schenke heute jemandem ein unerwartetes Lächeln,
und trage so deinen Teil zum Frieden auf Erden bei.

David Steindl-Rast (*1926)

O Heiland, reiß die Himmel auf

advent1Foto © wak

 

O Heiland, reiß die Himmel auf,
Herab, herab, vom Himmel lauf !
Reiß ab vom Himmel Tor uns Tür,
Reiß ab, wo Schloß und Riegel für !

O Gott, ein‘ Tau vom Himmel gieß;
Im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
Den König über Jakobs Haus.

O Erd‘, schlag aus, schlag aus, o Erd‘,
Daß Berg und Tal grün alles werd‘
O Erd‘, herfür dies Blümlein bring,
O Heiland, aus der Erden spring.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
Darauf sie all‘ ihr‘ Hoffnung stellt ?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
Komm tröst uns hie im Jammertal.

O klare Sonn‘, du schöner Stern,
Dich wollten wir anschauen gern.
O Sonn‘, geh auf, ohn‘ deinen Schein
In Finsternis wir alle sein.

Hie leiden wir die größte Not,
Vor Augen steht der ewig‘ Tod;
Ach komm, führ uns mit starker Hand
Vom Elend zu dem Vaterland.

Friedrich Spee von Langenfeld S.J. (1591-1635) Köln, 1623

Kein Auge, kein Ohr, keine Hand…

Ich werde euch geben,
was kein Auge jemals gesehen
und kein Ohr jemals gehört
und was keine Hand jemals berührt hat
und was niemals
zum Geist des Menschen aufgestiegen ist.

Jesus im Thomas-Evangelium

Reines Bewusstsein

Alles beginnt, eine Projektion vor dir zu sein. Und da du zu entdecken anfängst, dass du Reines Bewusstsein bist, fängt die Welt gleichfalls an, Reines Bewusstsein zu werden. Es ist wie ins Kino gehen, die Leinwand ist Reines Bewusstsein, die Bilder sind die Welt. Vor deinem Erwachen hast du dich mit den Bildern identifiziert und hattest keine Ahnung, das da eine Leinwand ist. Natürlich weißt du es irgendwo in deinem Verstand. Du hast ein vages Bild von der Leinwand, aber du erinnerst dich nicht daran, weil die Bilder so unterhaltsam sind. Du siehst einen Liebesfilm oder einen Kriegsfilm oder diese oder jene Art von Film und du lässt dich total in die Objekte verwickeln. Allerdings, wenn du versuchst, die Objekte auf der Leinwand anzufassen, wirst du nur die Leinwand in der Hand haben. Das ist es, was passiert, wenn du aufwachst. Du erkennst, dass du die Leinwand bist, du bist Bewusstsein. Und du erkennst, dass alles in der Welt, alles, das gesamte Universum mitsamt Gott, eine Erscheinung in dir ist. Es ist nicht die Realität. Es ist eine Überlagerung. Aber du identifizierst dich mit der Leinwand, die eigentlich Bewusstsein ist, und tolerierst die Überlagerung. Doch du weißt, das bist nicht du. Du hast nichts damit zu tun und du identifizierst dich nicht damit.

Robert Adams (1928-1997)