Eine Frage der Einstellung

Hazrat Inayat Khan

Wenn ein Mensch denkt: „Alles was ich berühre, alles was ich tue, überall, wo ich hinsehe – es ist alles verkehrt“, dann ist bestimmt alles verkehrt, daran gibt es keinen Zweifel. Aber es ist seine Einstellung, die verkehrt ist, und deshalb ist verkehrt, was immer er tut. Es ist, als würde man eine rote Laterne zur Hand nehmen und alle Dinge damit beleuchten: Jedes Objekt wird in dem Licht rot erscheinen, und man wird sich erschrecken und überall Gefahren sehen. Aber die Gefahr befindet sich in der eigenen Hand. Es ist die rote Laterne.

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Mehr zu Sufis, Sufismus etc. am 27. Oktober: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/09/08/sufi-mystik-und-doing-nothing-am-27-oktober-herzliche-einladung/

Den Mut des Herzens mobilisieren

Foto: © wak

Mobilisiere den Mut deines Herzens,
wie es die wahrhaft Erwachten tun.

Sage heute ein Wort,
das einer ängstlichen Person Mut gibt.

Wende dich aus der Stille deines Herzens nach aussen,
halte jemandes Hand und verbreite Ruhe.

Blicke einem Fremden in die Augen,
und erkenne, dass es keine Fremden gibt.

Schenke heute jemandem ein unerwartetes Lächeln,
und trage so deinen Teil zum Frieden auf Erden bei.

David Steindl-Rast (*1926)

Heilung von Mensch und Gesellschaft

Wenn der Mensch seine Verbindung zur Natur, zu Himmel und Erde verliert, dann weiß er seine Umwelt nicht mehr pfleglich zu behandeln und die Welt nicht mehr zu regieren – was letztlich dasselbe ist. Was Menschen ihrer Umwelt zufügen, geht Hand in Hand mit dem, was sie einander zufügen. So betrachtet, ist die Heilung der Gesellschaft nur zugleich mit der Heilung unserer persönlichen, elementaren Beziehung zu unserer Umwelt möglich.

Chögyam Trungpa (1939 – 1987)

Der Elefant von Rumi

Im finstern Hause war der Elefant,
wo von den Indern ausgestellt er stand.
Und viele Leute kamen, ihn zu sehen –
sie alle mussten in das Dunkel gehen.

Da sie ihn in der Dunkelheit nicht sahen,
berührten sie ihn nur mit ihren Händen.
Der, dessen Hand an seinen Rüssel rührte,
sprach: «Wie ’ne Regenrinne ist der wohl!»

Der, dessen Hand an seine Ohren traf,
rief: «Wie ein Fächer sieht das Wesen aus!»
Der, dessen Hand berührte nur sein Bein,
sprach: «Wie ein Pfeiler wird das Tier wohl sein.»

Der, dessen Hand den Rücken rührte schon,
sprach: «Sicherlich, er ist gleichwie ein Thron.»
So kam ein jeder nur zu einem Teil
und er verstand nur dies, und nicht das Ganze,

denn je nach dem Gesichtspunkt war verschieden
wie A und Z, was sie zu sehen glaubten.
Doch hielte jeder einer Kerze Licht,
so gäbe es die Unterschiede nicht!

Dschelaluddin Rumi / Mevlana (1207-1273) zugeschrieben

Zum Frieden auf Erden beitragen

Mobilisiere den Mut deines Herzens,
wie es die wahrhaft Erwachten tun.

Sage heute ein Wort,
das einer ängstlichen Person Mut gibt.

Wende dich aus der Stille deines Herzens nach aussen,
halte jemandes Hand und verbreite Ruhe.

Blicke einem Fremden in die Augen,
und erkenne, dass es keine Fremden gibt.

Schenke heute jemandem ein unerwartetes Lächeln,
und trage so deinen Teil zum Frieden auf Erden bei.

David Steindl-Rast (*1926)

O Heiland, reiß die Himmel auf

advent1Foto © wak

 

O Heiland, reiß die Himmel auf,
Herab, herab, vom Himmel lauf !
Reiß ab vom Himmel Tor uns Tür,
Reiß ab, wo Schloß und Riegel für !

O Gott, ein‘ Tau vom Himmel gieß;
Im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
Den König über Jakobs Haus.

O Erd‘, schlag aus, schlag aus, o Erd‘,
Daß Berg und Tal grün alles werd‘
O Erd‘, herfür dies Blümlein bring,
O Heiland, aus der Erden spring.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
Darauf sie all‘ ihr‘ Hoffnung stellt ?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
Komm tröst uns hie im Jammertal.

O klare Sonn‘, du schöner Stern,
Dich wollten wir anschauen gern.
O Sonn‘, geh auf, ohn‘ deinen Schein
In Finsternis wir alle sein.

Hie leiden wir die größte Not,
Vor Augen steht der ewig‘ Tod;
Ach komm, führ uns mit starker Hand
Vom Elend zu dem Vaterland.

Friedrich Spee von Langenfeld S.J. (1591-1635) Köln, 1623

Kein Auge, kein Ohr, keine Hand…

Ich werde euch geben,
was kein Auge jemals gesehen
und kein Ohr jemals gehört
und was keine Hand jemals berührt hat
und was niemals
zum Geist des Menschen aufgestiegen ist.

Jesus im Thomas-Evangelium