Geist und Körper, Subjekt und Objekt

Der Urzustand ist vor, aber nicht jenseits der Welt der dualistischen Form. In ihm gibt es daher kein Subjekt und Objekt, kein Inneres und Äußeres, kein Links und Rechts.
Alle diese Dualitäten entstehen fortwährend, aber es sind relative Wahrheiten, nicht die absolute oder Urwahrheit selbst. Die Urwahrheit ist das Läuten; die relative Wahrheit ist das „Ich“ und die „Glocke“, Geist und Körper, Subjekt und Objekt.

Ken Wilber (*1947)

Den Schmerz mit mir teilen

Edle Musik paßt nicht für Bauernohren. Wenn sie aber irgendeinen Gassenhauer hören, so brechen sie in brüllendes Gelächter aus. Ebenso haften hohe Worte nicht im Herzen der Masse. Worte der Wahrheit übertönen nicht das gemeine Geschrei. Mit zwei irdenen Töpfen kann man eine Glocke übertönen, also daß sie ungehört verhallt. Heutzutage aber ist die ganze Welt verblendet, und wenn ich sie auch anflehen wollte, den rechten Weg zu gehen, wie könnte ich etwas erreichen? Wenn man aber weiß, daß man nichts erreichen kann, und will es doch erzwingen, so ist es dieselbe Verblendung. Darum ist es besser, sie laufen zu lassen und sich nicht weiter um sie zu kümmern. Wenn ich mich aber um die Menschen nicht mehr kümmere, wen hab‘ ich dann, den Schmerz mit mir zu teilen?

Zhuangzi (oder auch Dschuang Dsi; ca. 365 – 290 v. u.Z.)