Eingehen in das Gesetz des Kosmos

Glasfenster von Josef Albers / Foto: (c) wak

Der moderne Maler malt z.B. nicht mehr die duftende taufrische Unmittelbarkeit einer Rose oder Tulpe, sondern sucht die Symbolkraft der Blüte an sich, natürlich mit Hilfe der Rose, der Tulpe, zu zeigen. So ist er bestrebt, indem er die „vor der Nase“ liegende „Natur“ scheinbar übersieht, mit weiter gestecktem Horizont, aber hinter den leiblichen Augen verborgene innere Zusammenhänge des Geschehens zu schauen sucht, durch die Mittel der künstlerischen Form in unmittelbare Berührung mit der Einheit aller Dinge zu kommen, einzugehen in das große Gesetz des Kosmos, sich selber erlösen, durch das Suchen des Göttlichen.

Fritz Neumann-Hegenberg: Kunst der Seele. Aus dem Nachlass, 1921

Der vollständige Beitrag ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VIII
CII. JAHRGANG WINTER 2021/2022

Januar 2022: Sakralkunst

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Die Liebe ist mir Glaube und Gesetz

Foto: (c) wak

Mein Herz umfasst sämtliche Formen:
Das Mönchskloster, den Tempel der Idole,
Die Weide der Gazellen und die Kaaba des Gläubigen,
Die Tafeln der Thora und den Koran.
Die Liebe ist, wozu ich mich bekenne.
Wohin meine Kamele sich auch wenden mögen,
Die Liebe ist und bleibt mir Glaube und Gesetz.

Ibn El-Arabi (1165-1240)

Dynamik des Lebens

Foto: (c) wak

Nichts ist alleinstehend in dieser Welt. Vom Lichtpartikel führt ein Weg zur Relativität, von der Schwerkraft ein Weg zur Planckschen Konstante, vom Blatt, das der Wind vor sich hinwirbelt, zum Baum und zur Knospe, die ihn von neuem hervorbringen wird, kurz zur Dynamik des Lebens.
Alles Existierende spiegelt in seiner Weise den Rhythmus einer ewigen Bewegung wider, denn das kosmische Gesetz überbrückt den Abgrund, der scheinbar das unendlich Kleine vom unendlich Großen trennt. Es enthüllt das Wirken einer allumfassenden Harmonie, die sich dem Mystiker in seiner Meditation offenbart.

Frederic Lionel (1908 – 1999) in: Abendland. Hüter der Flamme. Remagen, o.J., S. 29

Lebendig im Herzen aller Dinge

Foto: (c) wak

Das Gesetz, sagte Jesus, ist das „Wort“.
Man findet es nicht in den Schriften.
Es ist lebendig im Herzen aller Dinge.
Sucht es nicht anderweit,
fügt er hinzu,
sucht es in euch selbst.

Frederic Lionel (1908 – 1999)

Lernen die Liebesbriefe zu lesen

Foto: Marlies Schwochow +

Jeden Tag untersuchen die Priester
das Gesetz auf genaueste Weise
und singen endlos die kompliziertesten Sutras.
Doch bevor sie das tun,
sollten sie lernen,
wie man die Liebesbriefe liest,
die uns Wind und Regen,
Schnee und Mond senden.

Ikkyu Sojun (1394 – 1481) ~Er gab sich selbst den Namen „Verrückte Wolke“

Auf Weisheit bedacht

Foto: © wak

Der Mund des Gerechten
wird auf Weisheit bedacht sein,
und seine Zunge wird sprechen,
was recht ist.

Das Gesetz seines Gottes
ist in seinem Herzen,
seine Schritte werden nicht wanken.

Aus den Psalmen

 

Anton Bruckner (1824 – 1896) vertonte mit dem  „Os justi“ (WAB 30) ein Graduale an den Festen heiliger Kirchenväger im Jahr 1879 auf Wunsch von Ignaz Traumihler, dem Musikdirektor am Stift St. Florian bei Linz. Auf eigenen Wunsch liegt Bruckner unter der Orgel dort begraben (Bruckner-Orgel)

Blick auf die ursprüngliche Gleichheit

Foto: © wak

Seit die Habsucht den Adel der Natur zerstört hat und sich sogar des Gesetzes zur Förderung der Herrschaft des Stärkeren über die Schwachen bedienen kann, ist die Gleichheit des Menschengeschlechts zerstört. Du aber blick auf die ursprüngliche Gleichheit, nicht auf die schließliche Zerreißung.

Gregor von Nazianz (um 329 – 390)

Immer das Ursprüngliche suchen

Der echte Mensch folgt seinem innersten Gesetz
und keinem äußeren Gebot;

er hält sich an den Quell
und nicht an die Abwässer;

er meidet diese und sucht immer
das Ursprüngliche.

Lao Tse (zwischen 600 und 300 v. u.Z.)