… lauf in den Frieden

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Sein ist Leben, Aktivität, Geburt, Erneuerung, Ausfließen, Verströmen, Produktivität. In diesem Sinn ist es das Gegenteil von Haben, von Ichbindung und Egoismus. Sein im Sinne Eckharts heißt aktiv sein im klassischen Sinn, als produktiver Ausdruck der dem Menschen eigenen Kräfte, es heißt nicht „geschäftig“ sein im modernen Sinn. Aktivität bedeutet bei ihm „aus sich selbst ausgehen“ (Quint DPT 6)*, was er in vielen Bildern beschreibt: Er nennt Sein einen Vorgang des „Kochens“, des „Sich-selbst-Gebärens“, etwas, das „in sich selbst und über sich selbst verfließt“… Manchmal benützt er das Symbol des Laufens, um den aktiven Charakter zu beschreiben: „… lauf in den Frieden! Der Mensch, der sich im Laufen und in beständigem Laufen befindet, und zwar in den Frieden, der ist ein himmlischer Mensch. Der Himmel läuft beständig um, und im Laufe sucht er Frieden“. (Quint DPT 8)

Erich Fromm (1900 – 1980) in: „Haben oder Sein“. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. Stuttgart 1976, S. 69 – 70 /

* Josef Quint (Hg.), Meister Eckhart. Deutsche Predigten und Traktate. München 1963

Ich brauche gute Freunde…

Und wenn ich doch darüber spreche,
dann lass es mich so tun,
dass Deine Güte dadurch
nicht verdunkelt wird.
Mach mich hilfsbereit,
aber nicht geschäftig;
fürsorglich,
aber nicht herrschsüchtig.
Am Ende lass mich nicht einsam sein.
Ich brauche dann ein paar gute Freunde,
lieber Herr, gute Freunde.
Aber das weißt Du auch.

Aus dem Gebet einer unbekannten Äbtissin des Nonnenklosters St. Cyriakus in Gernrode (11. oder 12. Jh. u.Z.)