Mit Gott einförmig

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Was ist des abgeschiedenen Herzens Gebet? Ich antworte: Abgeschiedenheit und Reinheit kann nicht bitten, denn wer bittet, der begehrt etwas von Gott, was ihm zuteilwerde oder was Gott ihm abnehmen soll. Nun begehrt aber das abgeschiedene Herz nach nichts und hat auch nichts, dessen es gerne ledig wäre. Darum ist es allen Gebets entledigt, und sein Gebet ist nichts anderes als mit Gott einförmig.

Meister Eckharts Mystische Schriften. In unsere Sprache übertragen von Gustav Landauer, 21920, S. 109

Von siebenhand Vollkommenheiten

Gedenktafel in Helfta / Foto: (c) wak

Gerne ungeehrt;
gerne ungefürchtet;
gerne allein;
gerne still;
gerne unansehnlich;
gerne gepriesen;
gerne der Creatur gemein.

Die Beginenmystikerin Mechthild von Magdeburg (ca. 1210-1299) in ihrem Buch „Das fließende Licht der Gottheit“

Buchtipp VIII – Weisheiten der Wüstenväter (Freddy Derwahl)

Freddy Derwahl

Weisheiten der Wüstenväter

Butzon & Bercker / 203 Seiten, 15 €
ISBN: 978-3-7666-2486-4
Kevelaer 2018

„Die ‚Wüsten‘ der Wüstenväter überschreiben immer wieder ihre geographischen Grenzen. Auch handelt es sich bei den über Jahrhunderte hinweg überlieferten Sprüchen keineswegs um exotische Weisheiten greiser und spleeniger Gottesnarren. In der ‚Wüste‘ der Glaubensferne, in der Leere flüchtiger Genüsse und in der Öde unserer anonymen Großstädte gewinnen sie neue Aktualität“, schreibt der belgische Journalist Freddy Derwahl in der Einleitung zu den „Weisheiten der Wüstenväter“. Neu verortet werden ihre Sprüche von Managern, Seelsorgern, Psychologen, Therapeuten. Gehen die Gedanken doch gezielt auf Fragen und Sehnsüchte ein, die Menschen heute beschäftigen.

Mehr zur Meditation und zum Gebet will er dann auch mit der Sammlung anregen. Kurz und knapp sind die Gedanken, die durch den Tag begleiten können. Schon ein Blick auf die Überschriften belegt, dass Derwahl die Menschen dort abholen will, wo sie heute sind: Fliehen, Etwas Leiden, Ein guter Arbeiter, Wer bin ich eigentlich? Vollendete Liebe undsofort. Dazwischen gestreut sind Gedanken von Dichtern, Theologen, Schriftstellern, Mystikern.

Am Ende hat Derwahl eine Bibliographie hinzugefügt, die dem Anregungen gibt, der sich ausführlicher mit Geschichte und Bedeutung der Texte von Wüstenvätern und -müttern befassen möchte.

Darüber hinaus ist das Buch sehr ansprechend gestaltet, dass man es auch beruhigt und gern verschenken kann.

© Werner A. Krebber